Stichworte zur Akademie-Geschichte 1945 - 1955
1945
29. Sept. bis 12. Okt.: Die erste Tagung für "Männer des Rechts und der Wirtschaft" findet im Kurhaus Bad Boll mit 161 Teilnehmern statt. Organisiert hatte sie Pfarrer Eberhard Müller, eingeladen wurde von Landesbischof Theophil Wurm.
Geboten wurden auf der Tagung Vorträge zu grundsätzlichen Fragen des Rechtswesens und intensives Bibelstudium. Mit dieser Tagung war zugleich die Gründung der "Evangelischen Akademie Bad Boll" vollzogen. (O-Ton Eberhard Müller über die Gründung der Akademie - mp3) Das Konzept der Akademiearbeit war von Anfang an auf Berufsgruppen hin orientiert. Dieser Ausrichtung entsprechend gab es in der Gründungsphase u.a. folgende Tagungen:
1. bis 9. Dez.: Erste Arbeitertagung "Männer aus Arbeiterschaft und Handwerk in Württemberg" mit Martin Niemöller, Karl Heim, Hanns Lilje u.a.
1946
5. bis 13. Jan.: Erste Lehrertagung. Die Nachfrage (und der Gesprächsbedarf) war so groß, daß 800 Absagen geschrieben und im Februar und März Folgetagungen angesetzt werden mußten. Kultusminister Theodor Heuss hat diese Tagungen intensiv begleitet.
1. Apr.: Eberhard Müller wird offiziell Direktor der Akademie. Dies war damals die einzige Stelle im Akademie-Personalhaushalt.
31. Aug. bis 8. Sept.: "Tage der Stille und Besinnung für Dichter und Künstler" mit Rudolf Alexander Schröder, Manfred Hausmann, Paul Tournier u.a.
19. bis 24. Nov.: Tagung der deutschen Presse mit W.A. Visser't Hooft, Hanns Lilje u.a.
Gründung von Hauskreisen, die in den Ortsgemeinden Akademie-Themen vertiefen.
1947
11. Febr.: Gründung des "Deutschen Leiterkreises der Evangelischen Akademien" (Koordinationsgremium der nach dem Krieg in zahlreichen Landeskirchen entstandenen Akademien) anläßlich einer Arbeitstagung in Echzell. Vorsitzender wird Eberhard Müller. In einer ersten Grundsatzerklärung heißt es: "Das Wort Gottes, das in Jesus Christus Fleisch geworden ist, kann nicht wie eine zeitlose Wahrheit gedacht und geglaubt werden; die Kirche muß die Menschen an dem Ort aufsuchen, an dem sie durch ihren Beruf, ihre geistige Erziehung, und ihre persönliche Lebensführung innerhalb dieser Welt gestellt sind."
18. bis 20. Juli: Wochenendtagung mit Betriebsräten und Gewerkschaftern über das Thema "Sozialismus".
1948
20. Nov.: Unternehmer gründen in Bad Boll die "Wirtschaftsgilde", in der Fragen der Wirtschaftsethik und Sozialgestaltung erörtert werden.
1950
1. bis 28. März: Gründung der "Christlichen Presse-Akademie" im Rahmen des ersten Journalistenlehrgangs. Aus den Anfängen in Bad Boll, wesentlich durch das Engagement Eberhard Stammlers mitgeprägt, erwächst die zentrale Fortbildungsinstitution der EKD für Journalistinnen und Journalisten, die später im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) ihren Platz findet und heute unter dem Namen "Evangelische Medienakademie/cpa" firmiert.
18.bis 22. Nov.: "Tage der Besinnung für ehemalige Soldaten". Weitere Tagungen für diese Zielgruppe folgen. Kritiker sehen darin eine Befürwortung eines "deutschen Wehrbeitrags".
1951
Umbau der Villa Vopelius (Altbau) und Bau des Südflügels.
17. März: Einweihung der Villa Vopelius als erstes akademieeigenes Gebäude.
5. Nov.: Von Eberhard Müller organisiertes Treffen von Politikern (u.a. Bundeskanzler Adenauer) mit leitenden Männern der Evangelischen Kirche in Königswinter (weitere Treffen 1951 und 1953) zur Diskussion eines "deutschen Wehrbeitrags".
15. Nov.: Ausgehend von einer Bad Boller Initiative wird in Frankfurt/Main die evangelische "Aktionsgemeinschaft für Arbeiterfragen" (AkfA) gegründet. Aus ihr geht später der "Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt" (KDA) hervor. Im Unterschied zu anderen Landeskirchen war in Württemberg der KDA unmittelbar mit der Akademiearbeit verbunden. Nicht zuletzt auf diese Tatsache ist zurückzuführen, daß "Arbeitswelt"-Themen in Bad Boll seit jeher einen besonderen Stellenwert hatten.
1952
20. bis 22. Febr.: Arbeitstagung über "Friedenssicherung und Friedensbewegung" mit Robert Tillmanns und Hermann Ehlers.
1953
Im Januar erscheint das erste Heft der Hauszeitschrift "Aktuelle Gespräche", die erst im Jahre 2004 vom neukonzipierten Akademie-Magazin »SYM« abgelöst werden.
1955
9. bis 13. Jan.: Tagung "Kirche und Wiederbewaffnung" u.a. mit Gustav Heinemann, Helmut Gollwitzer und Graf Baudissin. Graf Baudissin war zwischen 1952 und 1955 insgesamt sechsmal in Bad Boll zu Gast. Er nutzte die Tagungen, um sein Konzept des "Staatsbürgers in Uniform" in die
öffentliche Diskussion zu bringen.
29. Sept.: Jubiläumstagung "Der deutsche Weg". Festvortrag von Theodor Heuss, Einweihung des neuen Hauptgebäudes (mit dem nach dem Bundespräsidenten benannten Cafe Heuss), Aufstellung der von Prof. v. Graevenitz entworfenen Bildsäule "Tobias und Engel" (Stiftung der Bundesregierung).
2. bis 5. Okt.: Gründung der "Ökumenischen Vereinigung der Akademien und Laieninstitute in Europa" anläßlich eines Treffens von Direktoren evangelischer Laieninstitute in Bad Boll. Vorsitzender wird Eberhard Müller.
Oktober: Der Bad Boller Arbeiterpfarrer Jörg Simpfendörfer organisiert in Stuttgart eine Großkundgebung, auf der eine klare Befürwortung der Einheitsgewerkschaft zum Ausdruck gebracht wird. Diese Kundgebung war eine Reaktion auf Initiativen zur Gründung christlicher Gewerkschaften außerhalb des DGB, die das Verhältnis Kirche-Gewerkschaften erheblich belastet hatten. Nach der Stuttgarter Kundgebung intensiviert sich der Kontakt zu den Gewerkschaften. Es folgen zahlreiche Tagungen zu wirtschafts- und sozialpolitischen Themen. Erst zu Beginn der achtziger Jahre wird die Zusammenarbeit durch kirchliche Entscheidungen über ein eigenes Dienstrecht erneut massiv beeinträchtigt.
10. Nov.: Erlaß des Kirchlichen Gesetzes über die Evangelische Akademie der Württembergischen Evangelischen Landeskirche.
(Zusammenstellung: Uwe Walter)


