Die Akademie 1945-1955

Das Bild zeigt Eberhard Müller vor dem Kurhaus in Bad Boll.
Eberhard Müller (© Evangelische Akademie Bad Boll)

194519461947 | 1948 | 1950 | 1952 | 1953 | 1955

1945

  • 29.09.-12.10.: Die erste Tagung für "Männer des Rechts und der Wirtschaft" findet im Kurhaus Bad Boll mit 161 Teilnehmern statt. Organisiert hatte sie Pfarrer Eberhard Müller, eingeladen wurde von Landesbischof Theophil Wurm.
    Geboten wurden auf der Tagung Vorträge zu grundsätzlichen Fragen des Rechtswesens und intensives Bibelstudium. Mit dieser Tagung war zugleich die Gründung der "Evangelischen Akademie Bad Boll" vollzogen. (O-Ton Eberhard Müller über die Gründung der Akademie, Bericht von Müller über seine "Erlebnisse aus der Anfangszeit" in aktuelle gespräche 4/1965, S. 12 ff.) Das Konzept der Akademiearbeit war von Anfang an auf Berufsgruppen hin orientiert. Dieser Ausrichtung entsprechend gab es in der Gründungsphase u. a. folgende Tagungen:
  • 01.-09.12.: Erste Arbeitertagung "Männer aus Arbeiterschaft und Handwerk in Württemberg" mit Martin Niemöller, Karl Heim, Hanns Lilje u. a.

1946

  • 05.-13.01.: Erste Lehrertagung. Die Nachfrage (und der Gesprächsbedarf) war so groß, dass 800 Absagen geschrieben und im Februar und März Folgetagungen angesetzt werden mussten. Kultusminister Theodor Heuss hat diese Tagungen intensiv begleitet.
  • 01.04.: Eberhard Müller wird offiziell Direktor der Akademie. Dies war damals die einzige Stelle im Akademie-Personalhaushalt.
  • 31.08-08.09.: "Tage der Stille und Besinnung für Dichter und Künstler" mit Rudolf Alexander Schröder, Manfred Hausmann, Paul Tournier u. a.
  • 19.-24.11.: Tagung der deutschen Presse mit W. A. Visser't Hooft, Hanns Lilje u. a.
  • Gründung von Hauskreisen, die in den Ortsgemeinden Akademie-Themen vertiefen.

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1947 

  • 11.02.: Gründung des "Deutschen Leiterkreises der Evangelischen Akademien" (Koordinationsgremium der nach dem Krieg in zahlreichen Landeskirchen entstandenen Akademien) anlässlich einer Arbeitstagung in Echzell. Vorsitzender wird Eberhard Müller. In einer ersten Grundsatzerklärung heißt es: "Das Wort Gottes, das in Jesus Christus Fleisch geworden ist, kann nicht wie eine zeitlose Wahrheit gedacht und geglaubt werden; die Kirche muß die Menschen an dem Ort aufsuchen, an dem sie durch ihren Beruf, ihre geistige Erziehung, und ihre persönliche Lebensführung innerhalb dieser Welt gestellt sind."
  • 18.-20.07.: Wochenendtagung mit Betriebsräten und Gewerkschaftern über das Thema "Sozialismus".

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1948

  • 20.11.: Unternehmer gründen in Bad Boll die "Wirtschaftsgilde", in der Fragen der Wirtschaftsethik und Sozialgestaltung erörtert werden.

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1950

  • 01.-28.03.: Gründung der "Christlichen Presse-Akademie" im Rahmen des ersten Journalistenlehrgangs. Aus den Anfängen in Bad Boll, wesentlich durch das Engagement Eberhard Stammlers geprägt, erwächst die zentrale Fortbildungsinstitution der EKD für Journalistinnen und Journalisten, die später im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) ihren Platz findet und heute unter dem Namen "Evangelische Medienakademie/cpa" firmiert.
  • 18.-22.11.: "Tage der Besinnung für ehemalige Soldaten". Weitere Tagungen für diese Zielgruppe folgen. Kritiker sehen darin eine Befürwortung eines "deutschen Wehrbeitrags".

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1952

  • 20.-22. 02.: Arbeitstagung über "Friedenssicherung und Friedensbewegung" mit Robert Tillmanns und Hermann Ehlers.

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1953 

  • Im Januar erscheint das erste Heft der Hauszeitschrift "Aktuelle Gespräche", die erst im Jahre 2004 vom neukonzipierten Akademie-Magazin »SYM« abgelöst werden.

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1955 

  • 09.-13. 01.: Tagung "Kirche und Wiederbewaffnung" u. a. mit Gustav Heinemann, Helmut Gollwitzer und Graf Baudissin. Graf Baudissin war zwischen 1952 und 1955 insgesamt sechsmal in Bad Boll zu Gast. Er nutzte die Tagungen, um sein Konzept des "Staatsbürgers in Uniform" in die öffentliche Diskussion zu bringen.
  • 29.09.: Jubiläumstagung "Der deutsche Weg". Festvortrag von Theodor Heuss, Einweihung des neuen Hauptgebäudes (mit dem nach dem Bundespräsidenten benannten Cafe Heuss), Aufstellung der von Prof. v. Graevenitz entworfenen Bildsäule "Tobias und Engel" (Stiftung der Bundesregierung).
  • 02.-05.10.: Gründung der "Ökumenischen Vereinigung der Akademien und Laieninstitute in Europa" anlässlich eines Treffens von Direktoren evangelischer Laieninstitute in Bad Boll. Vorsitzender wird Eberhard Müller.
  • Oktober: Der Bad Boller Arbeiterpfarrer Jörg Simpfendörfer organisiert in Stuttgart eine Großkundgebung, auf der eine klare Befürwortung der Einheitsgewerkschaft zum Ausdruck gebracht wird. Diese Kundgebung war eine Reaktion auf Initiativen zur Gründung christlicher Gewerkschaften außerhalb des DGB, die das Verhältnis Kirche-Gewerkschaften erheblich belastet hatten. Nach der Stuttgarter Kundgebung intensiviert sich der Kontakt zu den Gewerkschaften. Es folgen zahlreiche Tagungen zu wirtschafts- und sozialpolitischen Themen. Erst zu Beginn der achtziger Jahre wird die Zusammenarbeit durch kirchliche Entscheidungen über ein eigenes Dienstrecht erneut massiv beeinträchtigt.
  • 10.11.: Erlass des Kirchlichen Gesetzes über die Evangelische Akademie der Württembergischen Evangelischen Landeskirche. 

(Zusammenstellung: Uwe Walter)

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