Dr. D. Eberhard Müller

© Uwe Walter

»Die Akademien wollen sich darum bemühen, ein [...] ›Ohr‹ der Kirche zu werden, das zuhört auf die oft widersprüchlichen Nöte und Bestrebungen der modernen Welt. Wir möchten auch bewirken, daß durch ihren Dienst Menschen und Gruppen unserer Gesellschaft fähig werden, aufeinander zu hören. Das scheint mir ein wichtigerer prophetischer Dienst zu sein als die Propagierung von eigenen sozialpolitischen Rezepten zur Herstellung von mehr Gerechtigkeit.«

Eberhard Müller: Widerstand und Verständigung. Stuttgart, 1987

Die Gründung der Akademie


Biografie

* 22. August 1906 in Stuttgart, gestorben am 11. Januar 1989 in Heidelberg

  • 1925-31 Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen, Erlangen und Berlin
  • 1929 Dr. phil. in Erlangen
  • 1932 Reisesekretär der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung (DCSV) in Berlin
  • 1934-38 Generalsekretär der DCSV als Nachfolger von Hanns Lilje
  • 1935 Ordination als Pfarrer der württembergischen Landeskirche
  • 1935-37 Reichsgeschäftsführer der Deutschen Evangelischen Wochen (Vorläufer des Kirchentags; 1937 von der Gestapo verboten)
  • 1938 Studentenpfarrer in Tübingen
  • 1940 Einziehung zum Kriegsdienst
  • 1942-45 Feldgeistlicher an der Ostfront
  • 1945 Aufbau des Hilfsdienstes für Kriegsgefangene und Vermißte in Stuttgart
  • 1945 Am 29. September im Kurhaus Bad Boll Eröffnung der ersten Tagung der damit gegründeten Evangelischen Akademie (gemeinsam mit Landesbischof Theophil Wurm)
  • 1945-71 Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll
  • 1947-72 Vorsitzender des Leiterkreises der Evangelischen Akademien in Deutschland
  • 1949-50 Mitglied im Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags
  • 1953-79 Mitglied der Kammer für soziale Ordnung der EKD, seit 1968 deren Vorsitzender
  • 1955 Verleihung des theologischen Ehrendoktors der Universität Tübingen
  • 1955 Mitbegründer und zeitweiliger Präsident des Europäischen Leiterkreises der Evangelischen Akademien und Laieninstitute (heute: Ökumenische Vereinigung)
  • 1957 Mitbegründer und bis 1965 Vorsitzender der "Aktion Gemeinsinn"
  • 1961 "Spiritus rector" für die Gründung der Nippon Christian Academy, ebenso
  • 1963 für die orthodoxe Akademie auf Kreta und mehrerer anderer Akademien in Korea, Südafrika u.a.
  • 1971 Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes durch Bundespräsident Heinemann
  • 1986 Abschied von Boll und Umzug nach Heidelberg

Eberhard Müller im O-Ton

© Uwe Walter

Bibliographie (Auszüge)

  • 1953 Die Welt ist anders geworden. Vom Weg der Kirche ins 20. Jahrhundert
  • 1953 Die Kunst der Gesprächsführung. Ein Weg zum gemeinsamen Denken
  • 1957 Gespräch über den Glauben. Informationen über die Bedeutung der christlichen Glaubenssätze
  • 1960 Seelsorge in der modernen Gesellschaft
  • 1973 Bekehrung der Strukturen. Konflikte und ihre Bewältigung in den Bereichen der Gesellschaft
  • 1987 Widerstand und Verständigung. Fünfzig Jahre Erfahrungen in Kirche und Gesellschaft 1933-1983

Literatur über Eberhard Müller

  • Albrecht Daur; Christoph Schubert (Hrsg.): Bestand hat, was im lebendigen Menschen weiterwirkt. 120 Seiten, Vektor Verlag, Grafschaft 1997
    Dokumentation des Symposiums zum 90. Geburtstag von Eberhard Müller. Historiker, Theologen, Sozialwissenschaftler und Weggefährten untersuchen Müllers Konzept der gesellschaftlichen Verständigung. 
  • Neue Deutsche Biographie, Band 18 (1997), S. 355ff.
  • Pressemitteilung zum 100. Geburtstag