Ausstellung Kirche ordnen – Welt gestalten

Von der reformatorischen Kirchenordnung zur Europäischen Verfassung

Ausstellungseröffnung am 12. Mai 2017, 17-20 Uhr

Anlässlich des Reformationsjubiläums präsentiert die Evangelische Akademie eine Sonderausstellung, die den Einfluss reformatorischer Kirchenordnungen auf die deutsche und europäische Rechtskultur dokumentiert. Die durch Luther angestoßene Reformation hatte eine Eigendynamik entfaltet, die in manchen Fällen – z.B. Bauernkrieg – die staatliche und kirchliche Ordnung gefährdete. Mit den Kirchenordnungen wollten die Landesherren ihrer neu geschaffenen Landeskirche im 16. Jahrhundert Regeln geben. Sie zielten auf die äußere Erscheinung der Kirche (z.B. Pfarrdienst) und ihr inneres, geistliches Wesen (z.B. Lehre, Gottesdienst, Diakonie). Verbindliche Regeln garantierten den Untertanen eine lang vermisste Rechtssicherheit. Die Kirchenordnungen wirkten weit in die Gesellschaft hinein und umfassten mit den Bestimmungen zum Eherecht, zum Schul- und Armenwesen die Gesamtheit der menschlichen Beziehungen im gesellschaftlichen und privaten Bereich. So ist es spannend ist zu lesen, dass hier bereits die Schulpflicht für Jungen und Mädchen festgeschrieben ist. Es ging aber auch um das moralische Verhalten in der Öffentlichkeit: z.B. um Glücksspiel, übermäßiges Trinken und Fluchen.

Die Ausstellung bezieht sich auf die Präambel des Europäischen Verfassungsentwurfs. Der Entwurf des Vertrags über eine Verfassung für Europa vom 29. Oktober 2004 reagiert in der unaufhebbaren Verbindung von Menschenrechten, Demokratie und Rechtstaatlichkeit auf eine lange Geschichte der politischen, rechtlichen und sittlichen Verwerfungen in Europa. Gleichzeitig blickt er unter Anknüpfung an die großen europäischen Rechtstraditionen auf epochale Akte der Befreiung, der Rechtlichkeit und Humanisierung zurück. Die Ausstellung macht deutlich: Die Kirchenordnungen der Reformationszeit gehören zum kulturellen Wurzelgrund Europas und verweisen auf das verfassungsrechtliche Denken der Neuzeit und den modernen Staatsgedanken.

Prof. Dr. Karl-Ulrich Gehring

zum Bild:
Die von den Kirchenordnungen gesetzte Lebenswirklichkeit der Kirche tritt besonders plastisch in den sogenannten Konfessionsbildern hervor. Das sind Gemälde aus der Zeit des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, die alle gleich aufgebaut sind:
Im Vordergrund zeigen sie ein kirchengeschichtlich bedeutsames Ereignis: die Überreichung der Confessio Augustana, das wichtigste lutherische Bekenntnis an Kaiser Karl V. durch die evangelischen Fürsten und Städte, 1530 in Augsburg.
Im Hintergrund zeigen sie idealtypisch das Leben der evangelischen Kirche: die Feier der Sakramente Abendmahl und Taufe, aber auch die übrigen gottesdienstlichen und gemeindlichen Handlungen der Kirche: Beichte und Hochzeit, Unterricht, Predigt und Kirchenmusik. Auf diesem Konfessionsbild aus der evangelischen Kirche in Kasendorf (1602, Andreas Herrneisen) tragen die Pfarrer über dem schwarzen Talar den damals weit verbreiteten weißen Chorrock.
Bildnachweis: Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn

Die Ausstellung wurde nach einer Idee des ehemaligen Theologischen Referenten der Europäischen Melanchthon-Akademie Bretten, Dr. Konrad Fischer in Kooperation kirchlicher Archive und universitärer Forschungsstellen 2006 realisiert. 19 großformatige Tafeln, die reichlich mit historischem Bildmaterial ausgestattet sind, zeichnen in vier Kapiteln die Inhalte der reformatorischen Kirchenordnungen nach. Der Geltungsbereich war Württemberg, Kurpfalz und Baden-Pforzheim; wichtige Akteure waren: Herzog Ulrich von Württemberg, Herzog Christoph von Württemberg und Johannes Brenz.

Die Ausstellung wird am 12. Mai mit einem Vortrag von Dr. Ralf Kötter, Villigst, über »Leidenschaftliche Kirche in der Mitte der Gesellschaft. Reformatorische Impulse für Gegenwart und Zukunft.« eröffnet. Ihr Abschluss findet im Rahmen einer Akademietagung zum Thema »Die Reformation, das Recht und unser Rechtsstaat« (30.6.-2.7.2017) statt.


Ausstellungsdauer: 12. Mai bis 2. Juli 2017

Öffnungszeiten

montags bis freitags
9 – - 18 Uhr
An Feiertagen und am Wochenende auf Anfrage
(Telefon 07164 79-100)

Kontakt

Andrea Titzmann

Andrea Titzmann

Tagungssekretariat

E-Mail an: Andrea Titzmann

Tel.: 07164 79-307

E-Mail an: Hans-Ulrich Gehring

Tel.: 07164 79-218