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Leitbild zur Nachhaltigkeitspolitik

Die Evangelische Akademie Bad Boll wurde 1945 unter den Eindrücken von Krieg und Gewaltherrschaft und angesichts der Herausforderungen zum demokratischen Aufbau gegründet. Damit ist sie die älteste unter den Evangelischen Akademien in Deutschland. Sie sieht sich in der Pflicht, dem Anspruch des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu folgen und das Leitbild einer nachhaltigen, dauerhaft umweltgerechten Entwicklung in die eigene Praxis umzusetzen. Dies geschieht auch im Einklang mit den von der Arbeitsgemeinschaft der christlichen Kirchen (ACK) verabschiedeten Ökumenischen Schöpfungsleitlinien und deren Präambel:

“Im Glauben an die Liebe Gottes, des Schöpfers, erkennen wir dankbar das Geschenk der Schöpfung, den Wert und die Schönheit der Natur. Gemeinsam wollen wir uns für nachhaltige Lebensbedingungen für die gesamte Schöpfung einsetzen.”

 

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, wurden in Anknüpfung an

 

  • eine Selbstverpflichtung zum umweltverträglichen Wirtschaften aus dem Jahr 1986,
  • eine sich daran anschließende ökologische Organisationsentwicklung,
  • die „Leitsätze für die Arbeit der Evangelischen Akademie Bad Boll“ aus dem Jahr 1993,
  • die Einführung eines zertifizierten Umweltmanagementsystems im Jahr 2003 und
  • die langjährige entwicklungspolitische Arbeit der Akademie

die folgenden Leitlinien für eine nachhaltige Entwicklung der Evangelischen Akademie erarbeitet. Ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem soll ihre praktische Umsetzung sowohl in Verwaltung und Betrieb der Tagungsstätte als auch in der Tagungsorganisation gewährleisten.

 

Nachstehende Leitlinien sind der Balance von sozialen, ökonomischen und ökologischen Zielen verpflichtet. Sie sollen für das Handeln von Leitung und Mitarbeitenden verbindlich sein:

 

Leitlinien für eine nachhaltige Entwicklung der Evangelischen Akademie

Im Bewusstsein unserer Verantwortung für Gottes Schöpfung, in der wir mit leben, wollen wir uns bemühen, die Auswirkungen für Mensch und Natur durch unser alltägliches Handeln zu erkennen. Darüber hinaus wollen wir unseren Blick für die gegenwärtigen und zukünftigen Folgen unserer Lebens- und Arbeitsweise in Ferne und Nähe schärfen. In sozialer, ökologischer und ökumenischer Hinsicht wollen wir lernen, was "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" heißt. Hierbei stehen Ökologie und Soziales nicht im Widerspruch zur Ökonomie, sondern weisen den Weg in eine nachhaltige Zukunft: Künftige Generationen sollen weltweit mindestens ebenso gute Entwicklungsvoraussetzungen haben, wie sie die gegenwärtige vorgefunden hat.

Wir berücksichtigen, dass in unserem Hause nicht nur Vorträge gehalten, diskutiert und meditiert, sondern auch gekocht und gegessen, geschrieben, geheizt, geputzt, gewaschen und gefahren wird. Damit trägt auch der Betrieb der Evangelischen Akademie Bad Boll zur allgemeinen Belastung von Luft, Böden und Wasser sowie indirekt auch zum Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten bei. Gleichzeitig wirkt sich Akademiearbeit auch auf die persönliche Entwicklung und die sozialen Beziehungen ihrer Gäste und Mitarbeitenden aus. Sie hat zugleich Einfluss auf die Arbeits- und Lebenssituation von Kooperations- und Geschäftspartnern vor Ort und global.

Deshalb verpflichten sich Leitung und Mitarbeitende der Evangelischen Akademie zur Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben, vor allem aber zu einer entsprechend nachhaltigen Entwicklung anhand der folgenden Leitlinien, deren nachstehende Reihenfolge keine Prioritätensetzung widerspiegeln soll:

Wichtig ist uns, Wertvorstellungen, die unser persönliches und berufliches Handeln prägen, kritisch zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. Dementsprechend wollen wir praktische Schritte umwelt- und sozialverträglichen Handelns in Büros, Tagungsbetrieb und unterwegs ausprobieren und hoffen, damit Kooperationspartner, Tagungsgäste und Besucher zu motivieren, Ähnliches zu versuchen.

Die Akademie möchte Gäste und Besucher in ihrer inhaltlichen und sozialen Kompetenz stärken und zu verantwortlichem Handeln in Gesellschaft und Institutionen ermutigen. Wir geben allen unseren Besucherinnen und Gästen die Gelegenheit, sich über Prinzipien und Praxis unseres nachhaltigen Wirtschaftens anschaulich zu informieren. Hier bauen wir auf ein “Lernen im Vorübergehen”, das Anstöße zu einer Ressourcenschonenden Lebens- und Arbeitsweise für den eigenen (Berufs-)Alltag vermitteln kann.

Wir schreiben Gastlichkeit groß und möchten, dass sich Gäste und Besucher auch aus anderen Kulturen in unserem Haus wohl fühlen. Hierbei ist uns - auch in der Ausstattung und Versorgung - eine „Eleganz der Einfachheit“ wichtig.

Von der Akademie soll möglichst wenig Schaden ausgehen – weder für Menschen noch für die Natur. Dies bedeutet für uns, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die von der Evangelischen Akademie ausgehende Umweltbelastung in der Boden- und Flächennutzung, beim Bauen und in der Nutzung von Energie und Wasser, bei Mobilität und Tourismus, Beschaffung von Lebensmitteln und Materialien sowie bei der Abfallbeseitigung Schritt für Schritt zu verringern und in geschlossene Kreisläufe zu überführen.

Angesichts der beobachtbaren Klimaveränderungen, die überwiegend durch menschliches Produzieren und Konsumieren verursacht sind, samt den sich daraus ergebenden Folgen für Mensch und Natur verpflichten wir uns, unseren Energieverbrauch in den verschiedenen Bereichen weiter zu senken und gleichzeitig die Nutzung regenerativer Energiequellen zu verstärken.

Wir achten die weltweiten Arbeitsstandards, die in den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganistion (ILO) festgelegt sind. Wir lehnen Diskriminierung ab, ebenso alle Arten von Zwangs- oder Kinderarbeit. Im Umgang mit unseren Mitarbeitenden, Gästen, Besuchern, Kooperationspartnern und Lieferanten verhalten wir uns fair.

Beim Einkauf von Lebensmitteln und anderer Materialien wollen wir uns an ökologischen und sozialen Standards orientieren. Produzenten – besonders auch in den Ländern des Südens – sollen die Bezahlung fairer Preise erwarten dürfen sowie Unterstützung, wenn sie ihre Produktion umweltfreundlicher gestalten wollen. Den erfolgreich eingeschlagenen Weg eines regionalen, saisonalen, ökologischen und fairen Lebensmitteleinkaufs nach dem Motto “die Küche im Dorf lassen” wollen wir fortsetzen und wo möglich noch weiter ausbauen. Dabei ist uns eine Esskultur, die durch Einfachheit und Genuss bestimmt ist, wichtig.

Angestrebt ist eine breite Beteiligung aller Mitarbeitenden. Veränderungen und Innovationen bei Beschaffung, Baumaßnahmen und in der Organisation der Arbeit finden in enger Abstimmung mit den zuständigen Gremien, vor allem der Mitarbeitervertretung, statt. Den Dialog mit den Mitarbeitenden sehen wir als zentrales Element einer kontinuierlichen Verbesserung an.

Im innerbetrieblichen Umgang fördern wir ein gutes Betriebsklima und die Motivation unserer Mitarbeitenden durch kontinuierlichen Informationsfluss, Transparenz, Fort- und Weiterbildungsangebote.

Die Gesundheit unserer Mitarbeitenden sowie unserer Gäste ist uns wichtig. Deshalb treffen wir alle nötigen Maßnahmen zur Unfallvermeidung und zum Erhalt der Gesundheit, auch unter dem Aspekt, Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Umweltbelastungen zu vermeiden.

Aus unserer Verpflichtung zu sozialer Nachhaltigkeit empfinden wir eine besondere Verantwortung gegenüber Menschen mit Behinderung. Wichtig ist uns auch, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, Zivildienstleistenden zu beschäftigen sowie Praktikantenstellen anzubieten.

Wir wollen unsere langjährige entwicklungspolitische Bildungsarbeit fortsetzen und damit das Bewusstsein wach halten für die Zusammenhänge unserer Art zu produzieren und zu konsumieren mit der Armut vieler Menschen in großen Teilen der Welt. Wir wollen weiterhin dazu beitragen, dass deren Relevanz für unser alltägliches Handeln wahrgenommen und reflektiert wird. Wir suchen Kontakt und Austausch mit Menschen und Organisationen aus und in Entwicklungsländern.

 

 

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