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Ökumene-Rundbrief 88 vom 02. April 2012

Liebe Freunde der Ökumene und des interreligiösen Dialogs!

2011 haben wir 565 Tagungen  mit 20196 Teilnehmenden im Haus gehabt. Das ist doch eine Leistung, auf die wir stolz sein können. Allerdings gebe ich zu, dass mit ökumenischen Themen nur selten Rekorde eingefahren werden können. Ich denke manchmal, wer sich für die Ökumene engagiert, der sollte etwas bekommen statt zahlen zu müssen. Das gilt ganz besonders, wenn wir Gäste aus armen Ländern bei uns haben. Deutlich ist, dass wir abbauen müssen. Aber ärgerlich ist, dass – wie kürzlich eine Kollegin erklärte - keiner die Verantwortung für diesen Schrumpfungsprozess übernehmen mag.


1979 bereisten meine Frau und ich Mexiko, Guatemala und Belize, weshalb mich ein besonderes Interesse mit diesem Kontinent verbindet. So habe ich mich gefreut, dass wieder einmal eine Lateinamerikatagung gelungen ist.
„Lateinamerikanische Visionen von Frieden und Gerechtigkeit“ war das Thema im Februar. Aber öfter wurde von Alpträumen berichtet, beispielsweise im Drogenkrieg in Mexiko oder Guatemala. Der Gefängnispfarrer und Kriminologe Dr. Müller-Monning mit Erfahrung aus El Salvador sprach sich vehement für eine intelligente Drogenfreigabe aus, um die astronomischen Gewinnspannen zu beseitigen, die den Krieg immer wieder befeuern. Inzwischen unterstützen das nicht nur Literaten und Ex-Präsidenten, sondern auch der neue Staatschef von Guatemala, den man ansonsten als Menschenschlächter in Erinnerung hat.


„Auf den Spuren des Apostels Paulus“ leitete ich eine Gruppe nach und in Griechenland. Eigentlich finde ich: Wer dessen Spuren sucht, soll seine (echten!) Briefe lesen. Die Kunst war, möglichst viel davon und neuere Erkenntnisse der Paulus-Forschung unter die touristischen Interessen zu mischen. Denn die kulturellen Höhepunkte sind von Thessaloniki bis Korinth noch immer überwältigend. Vor allem jetzt im Frühling blühte die Landschaft von Tag zu Tag mehr auf. Von der Wirtschaft – 48 % Jugendarbeitslosigkeit! - kann man das wohl nicht sagen, auch wenn wir von dem Elend wenig selber gesehen, sondern sogar noch profitiert haben: Ob Philippi, Delphi oder die Akropolis – wir hatten alle Plätze für unsere Gruppe allein. Zwar konnte ich nicht mehr so frei herumkraxeln wie 1967, als ich meine erste Reise zur Antike auf Schusters Rappen unternahm, aber die Gastfreundschaft ist nach wie vor überwältigend.

Zur Belohnung für unseren Pioniergeist – das Land leidet unter einem Schwund von 40 % Touristen – erhielten wir Wein, Ouzo und Oliven geschenkt und wurden in Athen gar vom Fernsehen interviewt. Allein in den Meteora-Klöstern konnten wir ein wenig orthodoxe Spiritualität nachempfinden. Ich kann mit diese nicht vorstellen, wenn in der brütenden Sommerhitze dort neunzig Busse parken und ihre Passagiere die kleinen Felsenkirchen überfluten. Erfreulich allerdings war der überfüllte Gottesdienst in der  Agios-Dimitrios-Kirche in Thessaloniki. Ich kannte diese Stadt so wenig wie Kavala, Dion oder Vergina.

Allerdings überlege ich, wie man eine attraktive Reise organisieren könnte, die die jüngere Geschichte zum Inhalt hat. Denn ich merke, dass nur wenige eine Ahnung davon haben. Viele gegenwärtige Probleme resultieren aber daraus. Zumindest die Geschichte der grausamen deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg sollten wir kennen, wenn man die aktuellen Reaktionen auf reichlich arrogante Äußerungen aus Deutschland verstehen will. So war ich froh, dass wir in Distomo am Denkmal für das Massaker eine Andacht gehalten haben.


Mit österlichen Grüßen  aus Durban / Südafrika   

Euer / Ihr  Wolfgang Wagner

 

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Leben in mehreren Kulturkreisen

 

12. Dezember 2010

 

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