
Ökumene-Rundbrief 88 vom 02. April 2012Liebe Freunde der Ökumene und des interreligiösen Dialogs! 2011 haben wir 565 Tagungen mit 20196 Teilnehmenden im Haus gehabt. Das ist doch eine Leistung, auf die wir stolz sein können. Allerdings gebe ich zu, dass mit ökumenischen Themen nur selten Rekorde eingefahren werden können. Ich denke manchmal, wer sich für die Ökumene engagiert, der sollte etwas bekommen statt zahlen zu müssen. Das gilt ganz besonders, wenn wir Gäste aus armen Ländern bei uns haben. Deutlich ist, dass wir abbauen müssen. Aber ärgerlich ist, dass – wie kürzlich eine Kollegin erklärte - keiner die Verantwortung für diesen Schrumpfungsprozess übernehmen mag.
Zur Belohnung für unseren Pioniergeist – das Land leidet unter einem Schwund von 40 % Touristen – erhielten wir Wein, Ouzo und Oliven geschenkt und wurden in Athen gar vom Fernsehen interviewt. Allein in den Meteora-Klöstern konnten wir ein wenig orthodoxe Spiritualität nachempfinden. Ich kann mit diese nicht vorstellen, wenn in der brütenden Sommerhitze dort neunzig Busse parken und ihre Passagiere die kleinen Felsenkirchen überfluten. Erfreulich allerdings war der überfüllte Gottesdienst in der Agios-Dimitrios-Kirche in Thessaloniki. Ich kannte diese Stadt so wenig wie Kavala, Dion oder Vergina. Allerdings überlege ich, wie man eine attraktive Reise organisieren könnte, die die jüngere Geschichte zum Inhalt hat. Denn ich merke, dass nur wenige eine Ahnung davon haben. Viele gegenwärtige Probleme resultieren aber daraus. Zumindest die Geschichte der grausamen deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg sollten wir kennen, wenn man die aktuellen Reaktionen auf reichlich arrogante Äußerungen aus Deutschland verstehen will. So war ich froh, dass wir in Distomo am Denkmal für das Massaker eine Andacht gehalten haben.
Euer / Ihr Wolfgang Wagner
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