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Ökumene-Rundbrief 86 vom 14. Dezember 2011

Liebe Freunde der Ökumene und des interreligiösen Dialogs!


Der Film über Richard Wilhelm „Wandlungen…“ ist nun in Deutschland in vielen Städten gelaufen, dank meiner Vermittlung auch in Rottenburg und Tübingen. Gern habe ich dazu in vollen Vorstellungen Einführungen gegeben und mehrere Diskussionen geführt. Meine geplante Reise habe ich verschoben, da unsere sinologisch qualifizierte Kollegin Eva Ursula Krüger vom 29. Mai bis 9. Juni 2012 eine Reise nach Peking und Qingdao durchführt, wo man wohl über eine Partnerschaft nachdenkt. Das kann ich nur sehr empfehlen.

 

Die Gründung einer Richard-Wilhelm-Gesellschaft muss ich wohl auf den Ruhestand verschieben, da das laufende Geschäft noch viel Energie braucht. Doch seit dem 1. Oktober schleicht sich immer wieder das Gefühl ein, dass nun jedes Akademie-Ereignis ein letztes ist. So wurde ich aus der Arbeitsgruppe „Wege zum Verständnis des Judentums“ verabschiedet, die ich nach wie vor für sehr wichtig halte – nicht nur wegen der grauenhaften Neonazi-Verbrechen, die mich erschüttern. Der Antisemitismus ist  längst nicht überwunden.

 

Darum habe ich mich gefreut, dass wir mit der Aktion Sühnezeichen eine Jubiläumstagung „50 Jahre Israel-Arbeit“ durchführen konnten. Das Thema „Opfer, Schuld und Sühne“ war ziemlich sperrig. Aber insbesondere Claudia Janssen ist es gelungen, ein ganz frisches Interesse an der paulinischen Theologie zu wecken. Niemals werde ich meinen eigenen Freiwilligendienst 1968 und 1970 in Israel vergessen, der mir vor allem die geistigen Schätze des Judentums öffnete. Allerdings hätte ich damals nicht gedacht, dass der Nahost-Konflikt mich mein ganzes Leben lang beschäftigen wird.

 

Ich werde auch die Palästinatagung der Akademie 2012 mit Pax Christi vorbereiten. Keinesfalls sollten wir in unserer Solidarität für die unter  den politischen Verhältnissen Leidenden nachlassen. Angenehm fand ich die Bereitschaft der verschiedenen Gruppen, aufeinander zu hören und die gegensätzlichsten Positionen argumentativ zu vertreten. Das hat im Zeitalter der Talkshows Seltenheitswert.

 

Ein letztes Mal nahm ich an der Konferenz für Islamfragen teil, wo ich den EKD-Vorsitzenden Schneider in der Diskussion erleben konnte. Es ging um eine neue Orientierungsschrift über das Verhältnis zu nichtchristlichen Religionen, die die Kammer für Theologie vorbereitet. Zwar kann ich den Wert solcher Denkschriften nicht so hoch einschätzen, weil sie meistens in den Ablagen landen, aber der Prozess wäre wichtig. Gerade der wird aber nicht öffentlich gestaltet.

 

„Islam“ ist nach wie vor für viele ein Reizthema, weil unsere Theologie zu wenig Wertschätzung für andere Religionen aufbringt. Das schlägt sich dann auch im Kirchenrecht nieder und führt zu so unglücklichen Entscheidungen, eine Vikarin aus dem Dienst zu entlassen, weil sie einen Muslim geheiratet hat. Nach meiner Erfahrung sind die Menschen in unseren Gemeinden oft viel weiter und quittieren solche Fälle mit Verdruss oder Kopfschütteln. Ich bin jedenfalls dankbar, dass 1977 der Oberkirchenrat meine ausländische, nicht evangelische Pfarrfrau akzeptiert hat.

 

Vielleicht bin ich deswegen für ökumenische Zusammenarbeit besonders motiviert. Die jährliche Begegnungstagung mit den Kollegen der katholischen Akademie in Stuttgart habe ich darum immer wichtig gefunden. Wir müssten noch arbeitsteiliger vorgehen, denn eine Akademie kann nicht mehr alle wichtigen Themen bearbeiten.

 


Ökumene mit der dritten großen Konfession gab es zum 3. Advent. Orthodoxe Kirchenleute aus Russland, Weißrussland, Serbien, Rumänien und Griechenland trafen sich mit anderen europäischen Theologen zu einer langen Tagung  über die Menschenrechte. Die offiziellen Referate bestätigten meine Befürchtung, dass jeder unter gewissen Schlüsselworten wie „Würde“ oder „Rechte“ kulturell bestimmt  etwas anderes versteht. Dennoch gibt es ja zu solchen Begegnungen keine Alternative und wenigstens am späten Abend kam man sich näher.

 

Für das vergangene Jahr können wir feststellen: Wer in die Akademie kommt, ist zufrieden. Aber es wird immer schwerer, die Leute zu uns zu locken. Die ständige innerkirchliche Infragestellung der Arbeit kostete viel Zeit und Kraft, die wir eigentlich brauchen, um uns gegen die mächtiger werdende Konkurrenz zu behaupten. Kaum noch  bekommen wir kirchliche Zuschüsse für theologische Tagungen. Kein Wunder darum und dennoch bedauerlich, dass sie seltener angeboten werden.

 

Nun freue ich mich auf unseren Adventsgottesdienst, in dem ich letztmals die Predigt halten werde. Bei jeder Ansprache merke ich, dass ich dies eigentlich am liebsten tue.

 


Ich wünsche allen eine fröhliche Weihnachtszeit und ein friedliches Neues Jahr



Euer / Ihr  Wolfgang Wagner

 

Aktuelle Tagungen

24.02.2012 - 26.02.2012  Bad Boll

Lateinamerikanische Visionen von Frieden und Gerechtigkeit

Strategien gegen Gewalt und Ohnmacht

 

 

29.06.2012 - 01.07.2012  Bad Boll

Palästina und Israel

Frieden in Grenzen?

 

 

21.08.2012 - 24.08.2012  Bad Boll

Konfuzius

In den Wandel vertrauen lernen

 

 

Online-Dokumente (Internationale Politik, Ökumene)

Kairos-Palästina-Dokument: 3 Beiträge

1. „Kein theologischer Deckmantel über die Sünde der Besatzung" - Eine Stellungnahme aus dem christlich-jüdischen Dialog von Pfr. Friedhelm Pieper - Mai 2011 

2.  ”Man greift zu Boykott, wenn die Politik versagt hat.” Interview mit der in Berlin  lebenden israelischen Friedensaktivistin Iris Hefets von Wiltrud Rösch-Metzler

3.  Kaum bei uns bekannt: Brief von 26 Elder Statesmen an den Präsidenten des Europarats vom 2. Dezember 2010

 

Beiträge aus der Tagung:  "Zeit zu handeln. Konsequenzen aus dem Kairos-Palästina-Dokument"

 

Bad Boll, 20.-22. Mai 2011 (Tagungsprogramm)

 

Download (pdf - 216 KB, 18 Seiten)


 

CALL Network urges Churches in Europe to support

CALL Network urges Churches in Europe to support
European solidarity more actively

 

11 -13 May 2011, Bucharest

Download (pdf - 150 KB, 3 Seiten)


 

Aufstände in Galiläa. Schriftliche Berichte und archäologische Funde


Dr. Yinon Shivtiel


 
Ein Beitrag aus der Tagung "Bauern - Fischer - Propheten. Neues aus Galiläa zur Zeit Jesu"


 
Bad Boll, 7.-8. Mai 2011 - Tagungsprogramm 
 

Download (pdf - 2151 KB, 17 Seiten)


 

 

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