Die Akademie stellt sich vor
Als »Werkstätte neuen Denkens«, als »Ort des Gespräch mit der Zivilgesellschaft«, als eine »Säule der politischen Kultur«, als »Stätte des Dialogs« - so wird die Evangelische Akademie Bad Boll oft bezeichnet. Mit ihren Aktivitäten will sie mitwirken, drängenden Fragen Raum zu geben, Gemeinsinn und Engagement in der Gesellschaft zu stärken, Antwortsuchenden Orientierung zu bieten.
zuhören - mitreden - weiterdenken
Globalisierung, Ganztagesschulen, Gendiagnostik - all diese Themen haben Entscheidungsträger und Betroffene, Fachleute und Engagierte auf Akademie-Tagungen beraten. Tagungen, wie sie die Evangelische Akademie Bad Boll organisiert, sind Treffen jenseits der Alltagshektik, Gelegenheiten zum Zuhören und Ausreden, Begegnungen mit Leuten, die etwas zu sagen haben, und jenen, denen keine Lobby zu Wort verhilft.
Brücken bauen
Zum Symbol hat sich die Evangelische Akademie Bad Boll die Brücke gewählt. Brückenschlagen will sie vom Gewohnten und Hergebrachten zum Neuen, Fremden, Vergessenen. Gemeint ist: Die Heimat einmal mit den Augen eines Flüchtlings zu sehen; sich nicht zu verschließen, wenn Menschen mit einer Behinderung von ihren Erfahrungen berichten; wahrnehmen, wie Angehörige anderer Religionen Spiritualität empfinden. (Aktuelles Programm)
Tolerant und protestantisch
Die Evangelische Akademie Bad Boll macht auf die Aussagen und den Zuspruch des Evangeliums aufmerksam. Der Bezug auf christliche Humanität und der Geist eines weltoffenen, toleranten Protestantismus begleiten die Tagungen als Angebot bei der Suche nach Orientierung und bei der Klärung ethischer Standpunkte. Von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg ist der Akademie aufgetragen, "an den Bemühungen um christliche Lebensformen und um bessere Gestaltung des gemeinsamen Lebens" mitzuwirken.
Verantwortung für die Gesellschaft
Mit der Akademiegründung im September 1945 signalisierte die Kirche, dass sie bereit ist, Verantwortung beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft zu übernehmen. Sie sollte, so Gründungsdirektor Eberhard Müller, »nicht nur in den Bezirken frommer Innerlichkeit, sondern in den großen Fragen der Welt Rede und Antwort stehen«. So diskutierten Heinemann und von Baudissin über die Wiederbewaffnung, Dutschke und Bloch über die Studentenrevolte. Die Solidarität mit den Apartheidopfern, Mitbestimmung im Betrieb, der Klimawandel waren Gegenstand heftiger Akademie-Debatten. (Mehr zur Akademiegeschichte)
Akademiegeschwister
Die Akademiegründung in Bad Boll hat schnell Schule gemacht. Fast alle Landeskirchen, später auch die katholische Kirche, eröffneten eigene Häuser. Heute sind 15 Akademien im Verband »Evangelische Akademien in Deutschland« (EAD) zusammen geschlossen. Mit den Schwesterakademien der christlichen Kirchen bilden sie in Europa das »Oikosnet Europe«.
Bad Boller Berufsbezüge
Die Evangelische Akademie Bad Boll hat sich in besonderer Weise der Arbeit mit Berufsgruppen verschrieben. Der technologische, demografische und soziale Wandel verursacht vielfältige Verunsicherungen, die besonders im Arbeitsalltag zum Ausdruck kommen. Wie organisieren sich die sozialpsychiatrischen Dienste nach der Verwaltungsreform? Welche aktuellen Veränderungen gibt es für Schwerbehinderten-Vertrauensleute? Wie gestaltet sich Führung in Veränderungsprozessen? Hebammen und Hospizmitarbeiter, Ärzte und Architekten, Schöffen und Schuldnerberater, Unternehmer und Richter nutzen seit vielen Jahren die Akademie zur Klärung und Vergewisserung.
Mehr als Tagungen
Akademie-Mitarbeitende organisieren nicht nur Tagungen, Kongresse, Seminare und Symposien. In »Fachteams« sind sie auch in der Federführung von Projekten und weit über Bad Boll hinaus ausbildend, beratend und begleitend tätig.
Der »Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt« (KDA) arbeitet an Fragen der Ausgestaltung der ökonomischen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen in Betrieben und Unternehmen, stellt Verbindungen her zwischen Kirche und Wirtschaft und ist beteiligt an der Aus- und Fortbildung von Pfarrerinnen und Pfarren.
Die »Akademie für Führung und Verantwortung« (AFV) wendet sich an Personen mit Leitungsaufgaben, bietet auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes Unterstützung durch Coaching und Supervision, berät in Fragen der Organisationsentwicklung und Teambildung.
Das »Studienbegleitprogramm für Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika« (STUBE) ist in Baden-Württemberg das einzige Programm, das dieser Zielgruppe eine Plattform für Reflexion und Erfahrungsaustausch bietet. STUBE hilft, sich in der fremden Universitäts- und Alltagskultur zurechtzufinden und bei der Reintegration in die Heimatländer.
Der »Treffpunkt Senior« vernetzt seit über 25 Jahren die Angebote der Offenen Altenhilfe in Stuttgart und lädt Menschen in der dritten Lebensphase ein zu »Bildung, Begegnung, Beratung und Beteiligung«.
Einen festen Bestandteil zur Ausbildung des Pfarrernachwuchses bietet die Evangelische Akademie Bad Boll mit den »Gesellschaftsdiakonischen Kursen für Vikarinnen und Vikare«.
Um Themen und Sinnfragen von Jugendlichen an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft und Individuum sowie zwischen Schule und Beruf kümmert sich der Fachdienst »Gesellschaftspolitische Jugendbildung«. Ziele sind: Aus der Lebenswelt junger Menschen heraus soziale Kompetenzen und die Befähigung zu demokratischer Teilhabe zu stärken.
Den Dialog mit den Institutionen des Sports gestaltet der »Sportbeauftragte der Württembergischen Landeskirche«. Sonntagsschutz, Integration, ehrenamtliches Engagement sind für ihn wichtige Themen. Lobbyarbeit und die Koordination von Sportprojekten gehören ebenso zu seinen Aufgaben.
Mit einzelnen Angeboten ist die Akademie auch im Fortbildungssektor tätig – etwa mit einer Ausbildung zum »Anwalt des Kindes«. Begleitend zu ihren Tagungen veranstaltet sie außerdem sorgfältig vorbereitete Reisen und bietet ein facettenreiches Ferienprogramm.
Personal und Finanzen
Die Evangelische Akademie Bad Boll beschäftigt derzeit etwa 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon sind rund 35 - zum Teil als teilzeitbeschäftigte Mitarbeitende - mit der inhaltlichen Vorbereitung von Tagungen oder in den Fachteams tätig. Im Durchschnitt stehen jährlich etwa 200 Veranstaltungen auf dem Programm, an denen etwa 18.000 Gäste teilnehmen. Die Kursgebühren decken dabei nur den geringsten Teil der Kosten. Etwa die Hälfte ihrer Einnahmen bekommt die Akademie von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Räume und Technik
Getagt werden kann in der Evangelischen Akademie Bad Boll in drei großen Sälen mit moderner Konferenztechnik und Dolmetscherkabinen. Außerdem gibt es 17 größere und kleinere Gruppenräume (Tagungsräume). Insgesamt können 135 Gäste beherbergt und 250 Gäste bewirtet werden. Für Gesprächsrunden in den Pausen und am Abend steht eine großzügige Cafeteria mit Sonnenterasse zur Verfügung. Beachtenswert ist die stilvoll renovierte »Villa Vopelius« aus der Gründerzeit und das mehrfach für seine architektonische Gestaltung ausgezeichnete Akademierestaurant »Symposion«. Alle diese Räumlichkeiten können Sie auch für Ihre eigene Tagung mieten (Gastbelegung). Setzen Sie sich mit unserem Belegungsmanagement in Verbindung!
Nachhaltig gastlich
Service, Gastlichkeit und beste Lebensmittelqualität mit umweltbewusstem Wirtschaften in Einklang zu bringen, das ist das Konzept von Küche und Hauswirtschaft in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Mehrfach wurde das Bad Boller Küchenteam für kreative Öko-Konzepte im Großhaushalt ausgezeichnet. »Saisonal - regional - fair« heißt der Slogan für die Lebensmittelbeschaffung. Auch mit Regenwassernutzung, Blockheizkraftwerk und Photovoltaik-Anlage will die Akademie etwas für die Umwelt tun. In einem europäischen Pilotprojekt entwickelt die Evangelische Akademie Bad Boll außerdem für die Bereiche Ökonomie und Soziales ein zertifiziertes Nachhaltigkeitsmanagement.
Kunst und Kultur
Die Akademie ist auch Ausstellungsraum, präsentiert Künstler und ist selbst mit ihren Skulpturen, Plastiken und Reliefs ein Kunstort. Die »Villa Vopelius« beherbergt »Blumhardts Literatursalon«, eine in Kooperation mit dem Marbacher Literaturarchiv eingerichtete Gedenkstätte an Johann Christoph und Christoph Blumhardt, die als Seelsorger mit ihren Verbindungen zu Eduard Mörike, Ottilie Wildermuth, Effi Briest und Hermann Hesse den »Genius Loci« Bad Bolls schon vor der Akademiegründung prägten.
Mehr Informationen
In den Publikations-Reihen »edition akademie« und »Bad Boller Skripte« dokumentiert die Akademie ausgewählte Tagungsprojekte. Manuskripte und Audio-Dateien von Vorträgen sind häufig auch als »online dokumente« im Internet verfügbar. Vierteljährlich präsentiert das Akademiemagazin SYM Neuigkeiten aus der Akademie. Monatlich informiert der kostenlose Newsletter »themenüberblick« über Highlights, Promis und Projekte.

