KontaktImpressumSitemapNewsletteraboRSS

 

03.02.11

Neue Wirtschaftsordnung für die EU: Wettbewerb und Gerechtigkeit verbinden

Spitzenvertreter aus Kirche, Wirtschaft und Politik haben am Vorabend des EU-Gipfels Grundwerte der europäischen Wirtschaftsordnung in der Evangelischen Akademie Bad Boll diskutiert.

Bad Boll / Kreis Göppingen - Welche Grundwerte müssen bei der Reform der europäischen Wirtschaftspolitik, die heute von den Staats- und Regierungschefs in Brüssel diskutiert wird, verwirklicht werden? Diese Frage haben gestern Spitzenvertreter der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), der Wirtschaft und der europäischen Politik in der Evangelischen Akademie Bad Boll debattiert. Ihr Fazit: Wettbewerb und Werte wie soziale Gerechtigkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die Europaabgeordnete Heide Rühle (Die Grünen) forderte die Staats- und Regierungschefs auf, die Weichen für eine nachhaltigere Wirtschaftsordnung zu stellen: „Die Wirtschaftskrise hat alle zu der Erkenntnis geführt, dass in der EU  über einheitliche Wirtschaftspolitik und Sozialstandards debattiert werden muss. Dabei darf es aber nicht nur um Sozialabbau, sondern muss es auch um Verbesserungen gehen – zum Beispiel durch die Einführung eines Mindest-lohns“.

„Wettbewerbsfähigkeit und hohe Sozialstandards eines Staa-tes schließen sich nicht aus“, betonte Marcel Haag, verant-wortlicher Abteilungsleiter der Europäischen Kommission für die Wirtschaftsstrategie der EU. „Unter den Top Ten der wettbewerbsfähigsten EU-Staaten finden Sie vor allem jene mit den höchsten sozialen Standards.“

Eckart Hengstenberg, Verwaltungsratsvorsitzender des Tradi-tionsunternehmens Hengstenberg und Mitglied des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU), stellte Maßstäbe einer Werte-orientierten Unternehmenspolitik vor: „Wir müssen die Umsetzung von Werten im unternehmerischen Handeln sichtbar und damit vergleichbar machen. Schon Cäsar hat festgestellt: ‚Was nicht gemessen wird, existiert nicht.’“

Thomas Keller, Managing Director der Deutschen Bank, und der Unternehmensberater Daniel Dietzfelbinger erinnerten auf der Tagung an die evangelischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft. „Der Protestantismus, lutherisch wie reformiert, bildete die geistesgeschichtliche Situation, in der die Soziale Marktwirtschaft gestaltet werden konnte", so Dietzfelbiger. Die evangelischen Kirchen sollten deshalb ihre Stimme einbringen, wenn es darum gehe, eine europäische Soziale Marktwirtschaft zu gestalten.

Der evangelische Bischof Michael Bünker aus Wien hob die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen hervor: „Wir müssen gewährleisten, dass die Kosten der Finanz- und Wirtschaftskrise gerecht finanziert werden. Es ist unverant-wortlich, diese Schulden der zukünftigen Generation zu überlassen.“

Thomas Wipf, Präsident der GEKE, betonte, es sei notwendig, das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherzustellen. „Offensichtlich lebt nicht nur der Staat von Voraussetzungen, die er selbst nicht setzen kann, sondern auch die Marktwirtschaft. Ohne die Wiederherstellung von Vertrauenswürdigkeit wird es weder gelingen, das Bankensystem zu stabilisieren noch die Stabilität des Euro zu garantieren.“

Die Tagung war eine Kooperationsveranstaltung der Evangelischen Akademie Bad Boll mit der Gemeinschaft Evangeli-scher Kirchen in Europa (GEKE) und dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU). Im Rahmen der Tagung wurde Pfarrer Dr. Dieter Heidtmann als Studienleiter für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsethik in der Evangelischen Akademie Bad Boll eingeführt. Der 48-Jährige Theologe arbeitete zuvor in Brüssel als Vertreter der GEKE. In dieser Funktion begleitete er wichtige Gesetzgebungen der Europäischen Union, unter anderem den neuen EU-Vertrag oder die neue EU-Wirtschaftsstrategie „EU 2020“.

Thomas Keller, Deutsche Bank (li.) und Eckart Hengstenberg im Gespräch


 

zurück zurück zu: Meldungen

 
Seite als Bookmark speichern: WebnewsYiggItFolkdMister WongLinkaARENAdel.icio.usgoogle.comoneview