Dutschke und Bloch

Das Bild zeigt (v.l.) Wolf-Dieter Marsch, Ernst Bloch, Klaus Reblin und Rudi Dutschke (© von Kulessa)

Am 8. Februar 1968 kam es in der Evangelischen Akademie Bad Boll zu einer historischen Begegnung. Erstmals traf sich der Tübinger Philospoh Ernst Bloch mit dem Berliner Studentenrebellen Rudi Dutschke. Moderiert wurde das Gespräch von Studienleiter Klaus Reblin. Weitere Diskutanten waren Werner Maihofer und Ossip K. Flechtheim.

Diese Bad Boller Begegnung war Ausgangspunkt einer intensiven Freundschaft zwischen Dutschke und Bloch. Die Tagung selbst verlief mit geringen Turbulenzen, allerdings mit heftigen Protesten und Einflussversuchen im Vorfeld und Nachgang des Ereignisses. Zugleich mobilisierte sie ein kolossales Medienintersse: Insgesamt hatten sich 47 Journalisten für die Tagung akkreditiert.

  • Rudi Dutschke auf der Bad Boller Tagung im O-Ton über die bürgerliche Öffentlichkeit, Parlamentarismus und die "Harmonie der Repression"

  • Rudi Dutschke über die (katholische) Kirche, Fidel Castro und die kommunistischen Parteien

  • Ernst Bloch resümiert die Diskussion mit Rudi Dutschke auf der Bad Boller Tagung im Februar 1968

  • Mitschnitt des Podiumsgesprächs: "Revolution in Deutschland". Mit Ernst Bloch, Rudi Dutschke, Ossip K. Flechtheim, Werner Maihofer, Wolf Dieter Marsch, Klaus Reblin:

Gerüchte...

Das Faksimile zeigt die Honorar-Quittung von Dutschke (© Evangelische Akademie Bad Boll).

... gab es auch - vor und nach der Tagung. Hat die Akademie die Subversion der Studenten durch ein Horror-Honorar an Dutschke mitfinanziert? Von 500 DM, ja sogar von 2000 DM war die Rede. Nachdem schließlich von Professorenseite für Vorträge in der Evangelischen Akademie nach einer Angleichung an das Dutschke-Honorar gefragt wurde, ließ der damalige Akademie-Direktor Dr. Eberhard Müller in einer Pressemitteilung die nüchterne Wahrheit verlautbaren: Dutschke hatte ein Honorar von 50 DM erhalten sowie 162 DM Reisekosten.

30 Jahre später...

hat die Akademie Bad Boll zu einem Rückblick auf die 68er Tagung eingeladen. Mit dabei waren der ehemalige Tagungsleiter Klaus Reblin, Zeitgenossen wie Nevermann und Rabehl, der Bruder Dutschkes, aber auch Vertreter politischer Jugendorganisationen aus aktuellen politischen Zusammenhängen.

Im Talheimer Verlag ist eine Dokumentation mit den Beiträgen der Tagung mit erschienen:

  • Helmut Geiger, Armin Roether (Hrsg.): Dutschke und Bloch. Zivilgesellschaft damals und heute. Talheimer Verlag, 1999, sammlung kritisches wissen, Bd. 32, 192 Seiten (Leser-Rezension bei amazon.de)

Auch im Internet ist eines der Referate der Tagung zu finden: