30.11.07
Islam als Thema in der kirchlichen Erwachsenenbildung
Wolfgang Wagner, Ökumenereferent in der Evangelischen Akademie Bad Boll, gibt Tipps zur Bildungspraxis.
Wer erstmals in der Erwachsenenbildung das Thema „Islam“ behandeln möchte, sollte sich Rat holen bei Personen, die teilweise über eine jahrelange Erfahrung verfügen. Die verschiedenen Dienste der Landeskirche sind gern behilflich. Zu überlegen ist, ob man nicht von vornherein, dass Gespräch mit ökumenischen Partnern vorbereitet. Wo es eine ACK gibt, ist diese der richtige Ansprechpartner. So wird deutlich, dass das Christentum kein monolithischer Block ist, aber in der Vielfalt dennoch eine Zusammenarbeit erprobt ist.
Zunächst muss man sich über den Rahmen und die Ziele klar werden. Da es kaum noch einen Ort gibt, in dem keine Muslime leben, sollte die Bemühung um gute Nachbarschaft an erster Stelle stehen. Theologische und politische Klärungen sind ein weiterer Schritt. Im innerchristlichen Diskurs ist ja nicht von vornherein klar, dass alle einen offenen Dialog wollen. Viele haben Zweifel und Einwände, manche wollen Muslime missionieren. Die eigenen Motive und Ziele müssen geklärt sein. Schließlich kann es trotz Differenzen in vielen Fragen zu einer interreligiösen Zusammenarbeit kommen.
1. Ein erster Schritt ist die allgemeine Information über den Islam, seine Geschichte und Gegenwart. Man verschaffe sich einen Überblick über die verschiedenen Richtungen und Gruppierungen. Denn der Islam ist mindestens so vielfältig und pluralistisch wie das Christentum. Dazu kann man unterschiedlichste Referenten einladen. Bei der Auswahl trifft man eine inhaltliche Vorentscheidung. Diese kann man relativieren durch eine Vielzahl von sich inhaltlich unterscheidenden Referenten. (Islamgegner bzw. Islamfreund, Islamwissenschaftler, Journalist, Theologe etc). Schon hier ist es gut, wenn man nicht nur über Muslime spricht, sondern auch mit ihnen. Möglicherweise sind sie dann auch interessiert, mehr Informationen über den christlichen Glauben zu bekommen. Denn ein Dialog ist keine Einbahnstraße.
2. In einem zweiten Schritt kann man Kontakt aufnehmen zu örtlichen islamischen Gruppierungen. Möglicherweise konzentriert man sich zunächst auf eine Gruppierung am Ort. Man wird feststellen, dass es leichter ist, wenn deren Dachverband grundsätzlich den christlich-islamischen Dialog unterstützt. Es ist sicherlich hilfreich für weitere Veranstaltungen, wenn man anfangs nicht das Trennende herausstellt, sondern das Gemeinsame sucht. Die Differenzen kommen meistens von selbst in die Debatte. Es schadet nichts, wenn man das Trennende klar benennt. Doch mache man sich klar, dass es sich bei Muslimen in Deutschland vielfach um Migranten handelt, die ihren Platz in der Gesellschaft noch suchen. Manche Moscheevereine haben ihn aber längst gefunden und wenden sich einladend an die Öffentlichkeit. So laden viele am 3.Oktober zu einem „Tag der offenen Tür“. Falls es Hemmungen gibt, solche Einladungen anzunehmen, kann man sich in einer Gruppe vorher gemeinsam vorbereiten.
3. In einem weiteren Schritt wird man prüfen, wie weit eine Zusammenarbeit gewünscht wird. Wir sind ja nicht nur durch unsere Religion bestimmt, sondern haben vielleicht gemeinsame Interessen als Eltern von Kindergarten- oder Schulkindern. Die Frage, wie die Religion an die nächste Generation vermittelt wird, treibt Christen und Muslime um. Gewalt überwinden im Stadtteil kann zu einer gemeinsamen Aufgabe werden. Seelsorge an Kranken und Sterbenden – wie gehen wir aufgrund unserer religiösen Tradition damit um?
Es wird nicht ausbleiben, dass sich Angehörige unterschiedlicher Religionen verlieben und heiraten. Dann sollte man die verschiedenen Anschauungen und Rechtsgrundsätze kennen.
4. Die globalen Herausforderungen treiben viele Menschen um. Durch die Medien wird man mit Bildern von Krieg und Terror aus aller Welt überschwemmt. Es kann sinnvoll sein, solche öffentlichen Ereignisse gemeinsam anzusprechen. Der Kampf gegen den Fundamentalismus ist beispielsweise nicht möglich ohne die Muslime, da sie die hauptsächlichen Opfer sind.
Hat man erst einmal Vertrauen aufgebaut, findet man in Kirche und Moschee vielleicht Menschen, die überregionale Initiativen vor Ort umsetzen. Die jährlichen Aktionen des Projekts „Weißt Du, wer ich bin“ sind anregend und ermutigend.
Vgl. www.weisstduwerichbin.de.
Ein eindrucksvolles Beispiel internationaler christlich-islamischer Friedensarbeit sind die „Grünhelme“, deren Mitarbeiter man zu einer Veranstaltung einladen kann. Vgl. www.gruenhelme.de.
Am 23.11.07 wurde auf einer Dialogtagung in Bad Boll die Christlich-islamische friedensinitiative vorgestellt. Weiteres unter www.cm-fi.de
Methodisch wird man dann reine Informationsveranstaltungen ergänzen durch echte Begegnungen in Kirche, Moschee und Nachbarschaft, durch gemeinsame Feste oder gar interreligiöse Feiern.
Gemeinsame Ausflüge oder Reisen können den Horizont von Christen und Muslimen erweitern. Man denke aber auch an gemeinsame Freizeitangebote für jung und alt oder an Sportwettkämpfe. Überhaupt bietet die Kultur einunerschöpfliches Betätigungsfeld.
Wolfgang Wagner



