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02.02.09

Gewalt gegen Homosexuelle überwinden

Homosexualität ist nach wie vor in der Kirche ein Tabu. Mag man sich in deutschen Kirchen stillschweigend arrangiert haben, so tobt doch in der weltweiten Ökumene die scharfe, manchmal hasserfüllte Auseinandersetzung. Ein schwuler Bischof der anglikanischen Kirche ist Anlass für eine kaum verhüllte Kirchenspaltung. In orthodoxen Kirchen darf man nicht einmal das Wort in den Mund nehmen.

Doch auch in Deutschland nimmt die Gewalt gegen Schwule zu. Der Berliner Soziologe Bastian Finke, der in dem Anti-Gewalt-Projekt "Maneo" arbeitet, meinte kürzlich: "Die Bedrohung gehört zur Alltagserfahrung bei Schwulen und Lesben." Zwar wird homophobe Gewalt in keiner bundesdeutschen Kriminalstatistik aufgeführt, aber sie ist enorm. Allein in Berlin haben sich in drei Jahren die Fälle von Hasskriminalität aufgrund sexueller Orientierung verdreifacht.

Aufklärung in  Schulen ist eine Möglichkeit der Prävention. Eine Befragung unter Schülern ergab Schwulenfeindlichkeit bei 40 % der muslimischen, 23% der katholischen und 12% der evangelischen Jugendlichen. Ist das ein Erfolg des Religionsunterrichts?


Wichtiger ist aber wohl der alltägliche offene Umgang. In der Evangelischen Akademie Bad Boll gibt es seit Jahren eine nicht von allen geliebte, aber doch geduldete Tagung für und mit lesbischen Frauen. Ein Pendant für Männer fehlt. Wäre es nicht an der Zeit, dass die schwulen Männer aus der Deckung kommen und die anderen ihre Solidarität erweisen?  Der Lern- und Umdenkungsprozeß in der Evangelischen Kirche in Deutschland hat zwar immerhin schon 1979 auf dem Nürnberger Kirchentag begonnen, aber er ist noch längst nicht zu Ende. Man hat sogar den Eindruck, dass Rückschläge zu überwinden sind. Die Evangelische Akademie ist bereit, entsprechende Initiativen zu unterstützen.


Wolfgang Wagner 


 

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