Aus Begriffen wurden Projekte
Evangelische Akademie - seit ich lesen kann, fragte ich mich bei jedem Vorbeifahren wieder und wieder: Was geschieht eigentlich in diesen Gebäuden, auf die man mit einem Wegweiser im 60er-Jahre Look aufmerksam gemacht wird?
Die häufige Antwort, dass dort Seminare und Fortbildungen aller Art stattfinden, war nicht wirklich befriedigend. Erste interessante Einblicke wurden mir später durch Jobst Kraus, dem Vater meines Freundes Jakob, ermöglicht.
Als sich dann trotz sehr kurzfristiger Anfrage die Möglichkeit zu einem Praktikum bot, war ich wild entschlossen diese geheimnisvolle Institution Akademie auch einmal von innen zu begutachten.
Mein Interesse war von Anfang an von einer gewissen Skepsis begleitet. Zu abgehoben schienen mir viele Ideen, zu unkoordiniert viele Tätigkeiten.
Auch an meine eigene Freiheit musste ich mich erst gewöhnen. Diese anfänglichen Zweifel wurden aber bald von meiner immer größer werdenden Begeisterung abgelöst.
Aus abstrakten Begriffen und hehren Idealen wurden interessante Aufgabengebiete und konkrete Projekte. Die ungewohnte Freiheit stellte sich bald als sehr positiv heraus. Die Motivation ist ungleich größer, wenn man sich mit Themen beschäftigt, die einen auch selber interessieren oder wenn man Projekte unterstützen kann, deren Ziele man persönlich für erstrebenswert hält.
So konnte ich nicht nur Jobst Kraus bei seinen eigenen Projekten, wie z. B. begleitende Vorgespräche für den Bau einer Biogasanlage oder die Planung des „Gläsernen Restaurants“ beim Kirchentag unterstützen, sondern auch eigenverantwortlich Aufgabenbereiche übernehmen. So hatte ich z. B. die Möglichkeit Projekte photographisch zu dokumentieren oder aber auch Werbeplakate und den Katalog zur Ausstellung "Lernen im Vorübergehen" graphisch zu gestalten.
Für mich ist die Akademie zu einer Art Treffpunkt für die verantwortungsbewussten, weltoffenen und vor allem kritisch denkenden Menschen geworden.
Um den kleinen Bericht abzuschließen nun noch die obligatorischen mahnenden Worte, welche manchmal aber vielleicht doch ganz angebracht sind: Sollte das öffentliche Interesse an solch einer Einrichtung in Zeiten von miserablen PISA-Ergebnissen und täglich neuen pseudo-skandalösen BILDchen nicht um ein Vielfaches größer sein?
Johannes Preuner
Boll, August 2005



