Ausschreibung des Preises des Förderkreises der Evangelischen Akademie Bad Boll

Seit ihrer Gründung in den ethisch-moralischen und politischen Trümmern des nationalsozialistischen Deutschlands versteht sich die Evangelische Akademie Bad Boll als innovativer Mit-Akteur bei der Gestaltung einer demokratischen, sozialen und zukunftsfähigen Gesellschaft. Die Akademie will Meinungsbildung ermöglichen und Urteilskraft stärken. Menschen sollen in ihren persönlichen und beruflichen Kontexten unterstützt und zu verantwortlichem Handeln ermutigt werden. Um diesen Auftrag weiter in die Öffentlichkeit zu tragen und um Initiativen zu unterstützen, die sich selbst diesen Zielen verpflichtet haben, schreibt die Evangelische Akademie mit ihrem Förderkreis seit 2017 jährlich einen eigenen Preis unter dem Motto „Werte leben – Zukunft gestalten“ aus. Die Preisträger-Initiative erhält ein Preisgeld von 3.000 Euro. Neben der finanziellen Anerkennung des Beitrags, den diese Initiativen und Projekte zur Gestaltung eines demokratischen Gemeinwesens leisten, hat der Preis das Ziel, den Preisträgern und ihrem Anliegen, aber auch der Evangelischen Akademie Bad Boll mehr Öffentlichkeit und Unterstützung zu verschaffen und über die Zeit ein gemeinsames Netzwerk aus Initiativen und Projekten aufzubauen.

Die Evangelische Akademie Bad Boll und der Förderkreis der Akademie rufen deshalb Projekte, Initiativen, Institution und Personen zur Bewerbung auf, die aus einer wahrnehmbaren christlichen Wertehaltung heraus auf innovative Weise aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen oder zukünftige Herausforderungen in den Blick nehmen, die noch nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen sind. Thematisch sollten sich die Bewerberinnen und Bewerber in einem oder mehreren Schwerpunktthemen der Evangelischen Akademie Bad Boll verankern können. Die aktuellen Schwerpunktthemen finden sich hier.

Für die dritte Ausschreibung des Preises legt der Förderkreis der Evangelischen Akademie Bad Boll 2019 den Schwerpunkt auf die Themen „Die Grenzen des Planeten respektieren“ und „Öko-Soziale Marktwirtschaft in Zeiten der Globalisierung“ in besonderem Hinblick auf das Thema „Kleidung“.

Die Katastrophe im Rana Plaza, bei der im April 2013 über 1.000 Menschen starben, die meisten Arbeiterinnen in den Textilfabriken im Gebäude, hat eine breitere Öffentlichkeit auf die Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht, in denen unsere Kleidung, aber auch andere Konsumprodukte hergestellt werden. H & M oder Primark sind nur die bekanntesten Mode-Marken, die für diese Arbeitsbedingungen kritisiert werden. Aber auch teure Markenkleidung oder elektronische Produkte werden unter gefährlichen, krank machenden oder ausbeuterischen Bedingungen produziert. Unser konsum- und wachstumsorientierter Lebensstil zerstört nicht nur die natürlichen Ressourcen der Erde für die nachfolgenden Generationen, sondern zwingt schon jetzt Menschen vor allem in der südlichen Hemisphäre ungerechte und unmenschliche Arbeits- und Lebensbedingungen auf. An Appellen an Konsumenten, unseren individuellen Lebensstil und damit auch die Produktionsbedingungen für die Menschen im Süden zu ändern, mangelt es nicht. Aber sie können gerade in den Ohren von Menschen, die in unserer Gesellschaft in prekären ökonomischen Verhältnissen leben, unerfüllbar, sogar abwertend klingen: Ihre finanziellen Möglichkeiten erlauben es nicht oder nur sehr beschränkt, nachhaltig und fair produzierte Kleidung oder andere Konsumartikel zu kaufen. Individuelle Lebensstil-Änderungen allein sind deswegen kein Ausweg aus dem Dilemma, vor das uns unsere Produktions- und Konsumweisen stellen, wenn wir allen Menschen und zukünftigen Generationen gute Lebensbedingungen verschaffen wollen. Wie wir dahin kommen – das ist eine Frage, die sich bereits viele Menschen stellen und für die Lösungen gesucht werden. Die Lösungsansätze sind vielfältig: von Gütesiegeln für faire und nachhaltige Produktionsbedingungen, Eine-Welt-Projekten und fairen Mode-Marken bis hin zu Sharing-Plattformen, Reparatur-Cafés und Maker-Spaces, in denen andere Konsumformen erprobt werden.

Im Fokus der Ausschreibung 2019 stehen deshalb Projekte, Initiativen, Organisationen und Unternehmen, die sich mit der Herausforderung nachhaltiger und fair Produktions- oder Konsumbedingungen auseinandersetzen.

Eine Jury aus Mitgliedern der Direktion der Akademie, des Kuratoriums und des Förderkreises sowie Vertreterinnen und Vertretern des öffentlichen und kirchlichen Lebens wird die Preisträgerinnen und Preisträger bestimmen. Die Bewerbungsfrist endet am 30. April 2019