Effi Briest, Hermann Hesse und die Blumhardts in Bad Boll

Überarbeitete Neuauflage von Albrecht Esches Bestseller „Reich Gottes in Bad Boll“ ist jetzt erschienen

Weil Bad Boll in seiner Entwicklung nicht stehen bleibt, muss auch seine Geschichte immer wieder neu geschrieben werden. Albrecht Esche, ehemaliger Studienleiter an der Evangelischen Akademie und Autor, hat dies bravourös bewältigt. Mit seinem Buch „Reich Gottes in Bad Boll“ legte er 2005 die erste Fassung über den Einfluss von Vater und Sohn Blumhardt auf Kurhaus und Dorf vor, die er nun in einer neuen Ausgabe aktualisiert sowie reich und farbig bebildert überarbeitet hat. Die Neuauflage des Buches ist jetzt im Handel und in der Akademie erhältlich. In sechs Kapiteln, die in der literarischen Form eines Spazierganges entfaltet werden, öffnet sich eine große thematische Breite: Geist und Natur, Wege zum Dialog, Glaube und Heilung, Kirche und Politik, Protestantismus und Kultur sowie Blumhardts Vermächtnis.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden kurz nacheinander drei religiös grundierte Heilungsorte: 1852 Bad Boll, 1855 Wörishofen und 1858 Lourdes. „Innerhalb eines Jahrzehnts“, so resümiert der Autor, „entstehen also drei Wallfahrtsorte, von denen zwei weltbekannt werden und bis zum heutigen Tag florieren, einer dagegen, ausgerechnet unser Bad Boll, aber der Provinzialität und fast der Vergessenheit anheimgefallen ist. Über die Gründe wird nachzudenken sein.“

Welche Entwicklungschancen warten also in der Gegenwart darauf, neu entdeckt zu werden. Das ist für das Klinikum Christophsbad, das seit 2014 die Rehaklinik im Kurhaus betreibt, eine große Herausforderung. In einem spannenden Kapitel weist der Autor nach, welche historischen Beziehungen sich auftun: 1852 kauft Dr. Heinrich Landerer das Christophsbad in Göppingen und Pfarrer Blumhardt das Kurhaus in Bad Boll. Beide sind vom Glauben erfüllt, dass jede Heilung immer auch eine spirituelle Komponente enthält, verbunden mit dem Hoffnungsglauben, der sich am erwarteten Reich Gottes orientiert. So ist es schon ein bewegender Gedanke, dass sich die beiden Heilungsstätten seit Kurzem in einer Hand befinden.

Dass in diesem Buch darüber hinaus ein bedeutendes Stück Kulturgeschichte niedergelegt ist, wird an Personen wie Theodor Fontanes Figur Effi Briest und dem Schriftsteller Hermann Hesse deutlich. Erstere repräsentiert ein Frauenschicksal, eine Ehebruchgeschichte wie es hunderte anderer gibt (so Fontane), steht aber exemplarisch für die Ausstrahlung der Blumhardts und ihres gastfreundlichen Hauses, in dem eine gesellschaftlich geächtete Frau aufgenommen und wieder aufgerichtet wird. Und der junge Hesse spiegelt ein Pubertätsschicksal, das in seiner Auflehnung gegen alle Autoritäten an Brisanz nichts verloren und darüber hinaus Bad Boll in der Novelle „Heumond“ literarisch verewigt hat. Aber auch das provokante Geschwisterpaar von Kirche und Politik wird ausführlich thematisiert, gilt doch der junge Blumhardt mit seiner Kapitalismuskritik als Prophet des religiösen Sozialismus und als Vorläufer einer gesellschaftskritischen Theologie.

Dem summarischen Urteil Esches ist nichts hinzuzufügen: „Ich wüsste keinen Ort in ganz Württemberg, der die Themen von Heil und Heilung, Kultur und Natur, Kirche und Politik, Mission und Interreligiosität so positiv besetzt hätte wie Bad Boll.“

Weitere Informationen:

Das „Reich Gottes in Bad Boll“ (208 Seiten und 113 Abbildungen) ist von der Evangelischen Akademie Bad Boll herausgegeben und kann über den Buchhandel oder über die Akademie (reinhard.becker@ev-akademie-boll.de) zum Preis von 9,90 Euro bezogen werden. Albrecht Esche: Reich Gottes in Bad Boll. Religion, Kultur und Politik bei Johann Christoph Blumhardt und Christoph Blumhardt, Evangelische Akademie Bad Boll, 20164, ISBN 978-3-936369-53-3.

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