16.04. - 18.04.2018 Evangelische Akademie Bad Boll

Einander begegnen - Seelsorge und Demenz

Die Symptome der demenziellen Erkrankung verunsichern Menschen zutiefst. Bewohner und Bewohnerinnen im Heim können sich das, was sie für ihr Wohlbefinden brauchen, im Fortschreiten der Krankheit immer weniger selbst erfüllen. Wie begegnen Seelsorgende Menschen, die danach fragen: Wer bin ich jetzt noch? Prof. Ralph Kunz ordnet in seinem Beitrag die Demenz in gesellschaftliche Phänomene der Selbstfindung ein und fragt nach dem theologischen Beitrag. Melanie Kunz wird Begegnungsmöglichkeiten aufzeigen und uns dabei unterstützen, ungewöhnliche Momente in der Seelsorge wertschätzend zu lernen.

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Thema

"Wenn ich das nicht mehr kann, wer bin ich dann noch?" In dieser Frage, die in den Augen von Menschen mit Demenz zu lesen ist, verdichtet sich, wie es ihnen geht: Die Symptome der demenziellen Erkrankung verunsichern Menschen zutiefst. Was ich brauche und was mir Not tut, zeigt sich existentiell.

Bewohnerinnen und Bewohner im Heim können sich das, was sie für ihr Wohlbefinden brauchen, im Fortschreiten der Krankheit immer weniger selbst erfüllen. Wie begegnen Seelsorgende solchen Menschen?

Prof. Dr. Ralph Kunz führt in die Seelsorge mit Menschen mit Demenz ein und fragt nach dem theologischen Bezug.

Melanie Werren zeigt aus ihrer Sicht als Pflegefachkraft und Theologin Begegnungsmöglichkeiten auf und unterstützt uns dabei, ungewöhnliche Momente in der Seelsorge zu entdecken.

In zahlreichen Workshops werden Antwort gesucht, wie auf dem Hintergrund der demenziellen Einschränkungen Wohlbefinden erhalten und wie das Personsein gespürt werden kann: In Körpererfahrung, Singen, Gottesdienst feiern und Begegnungen von Mensch zu Mensch.

Wir freuen uns auf Sie und auf Euch und laden herzlich nach Bad Boll ein.

Dr. Dietmar Merz, Evangelische Akademie Bad Boll
Beirat des Konvents der AltenPflegeHeimSeelsorgenden der Evangelischen Landeskirche in Württemberg:
Cornelia Reusch, Johannes Bröckel, Claudia Feine, Gesine Friedrich, Monika Gaiser-Maucher, Matthias Hannig, Claudia Krüger, Agnes Toczek

Programm

Montag, 16. April 2018

09:30

Ankommen bei Kaffee, Tee und Brezeln

10:00

Begrüßung

10:30

"Wenn Worte versagen"

Einführung in die Besonderheit und Herausforderung der seelsorgenden Begleitung von Menschen mit Demenz und theologische Einordnung des Themas

Prof. Dr. Ralf Kunz, Zürich

11:45

Rückfragen, Resonanzen

12:15

Vorstellung der Workshops

12:30

Mittagessen

15:00

Workshops 1 - 5

16:00

Kaffee, Tee und Kuchen

16:30

Workshops 1 - 5 Fortsetzung

18:30

Abendessen

20:00

Abend der Begegnung

Dienstag, 17. April 2018

08:00

Morgenandacht

Pfarrerin Monika Gaiser-Maucher

08:20

Frühstück

09:00

Sein in der Begegnung

Konkretion eines relationalen Würdebegriffes für Menschen mit Demenz

Melanie Werren, Bern

10:00

"Vier-Ecken-Gespräche"

Fragen und Diskussion zum Vortrag in Gruppen

10:30

Kaffee, Tee

11:00

Kurzbericht aus den "Vier-Ecken-Gesprächen"

11:15

Der Mensch als Leib

Die Achtung der Leiblichkeit bei Begegnungen mit Demenzbetroffenen

Melanie Werren, Bern

12:15

Schlussrunde zu offen gebliebenen Fragen
Vorstellung der Workshops

12:30

Mittagessen

15:00

Workshops 6 - 9

16:00

Kaffee, Tee und Kuchen

16:30

Workshops 6 - 9 Fortsetzung

18:30

Abendessen

20:00

Kultureller Abend

Lieder zum Mitsingen mit

Heidrun Speck

dazwischen Klavierstücke von Ludovico Einaudi

Mittwoch, 18. April 2018

08:00

Morgenandacht

Diakonin Gesine Friedrich

08:20

Frühstück

09:00

Konvent

siehe beigelegte Einladung

U.a. Vorstellung des Projekts und Unterstützungsfonds "Inklusion leben"

Wolfram Keppler, Diakonisches Werk Württemberg

11:00

Pause

11:30

Auswertung - Ausblick

12:15

Reisesegen

12:30

Mittagessen

Workshops

Workshop Nr. 1:

WS 1 Leicht gesagt – Leichte Sprache im Altenheimgottesdienst

Leichte Sprache ist keine Kindersprache. Sie gründet auf einem festen Regelwerk. Die leichte Sprache wurde für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt. Sie hilft aber ebenso den Menschen, die schwer hören, die an Demenz erkrankt sind und die nur noch sehr begrenzt aufmerksam sein können. Was im Gottesdienst und in der Kirche vertraut ist, ist für die Besucher_innen von einem Gottesdienst im Altenpflegeheim nicht sofort verständlich. Wir machen uns mit der leichten Sprache vertraut, und wir lernen die Regeln kennen. Wir üben sehr praktisch, verständlich zu beten, die Schrift zu lesen und zu predigen. Eine Liturgie, die verstanden werden soll, muss auf das Wesentliche reduziert und geübt werden.
Pfarrerin Claudia Krüger und Pfarrer Johannes Bröckel

Workshop Nr. 2:

WS 2 Demenzsensibler Gottesdienst in der Gemeinde

Wie müssen solche Gottesdienste gestaltet sein, dass sich Menschen mit Demenz willkommen fühlen mit ihren Bedürfnissen? Worin besteht der ganz eigene Charme solcher Gottesdienste?
Gottesdienstentwürfe aus Esslingen sollen vorgestellt und beleuchtet werden.
Ziel ist es, Lust zu machen auf eigene Versuche!
Pfarrerin Cornelia Reusch

Workshop Nr. 3:

WS 3 Sterbebegleitung in der Demenz

Menschen mit Demenz können ihre Bedürfnisse und Nöte am Lebensende oft nicht mehr verbal äußern. Wie können wir dennoch wahrnehmen, was sie brauchen, sich vielleicht wünschen und was ihnen in ihrem Sterben wichtig ist? Im Workshop wollen wir unsere Erfahrungen dazu teilen und neue Anregungen mitnehmen.
Susanne Kränzle

Workshop Nr. 4:

WS 4 Begegnungen im Tanz "Lebenslust vergisst man nicht"

Menschen mit einer Demenzerkrankung lassen sich gut über die Gefühlsebene ansprechen, auch wenn im Alltag das Gedächtnis nachlässt und das Sprachvermögen abnimmt. Musik spricht Gefühle an und Rhythmen motivieren zur Bewegung. Das Körpergedächtnis erinnert sich und die Freude am Tanzen, sich Begegnen und Lachen beschert glückliche Momente. Das wunderbare Spiel des meditativen Tanzens erlaubt immer wieder die Bewegung aufeinander zu und wieder voneinander weg. In einfachen ruhigen und auch beschwingten Kreistänzen bewegen wir, was in uns klingt und schwingt. Wir geben einander Halt im Kreis, verbinden und lösen, tanzen auch mal frei und lassen uns tragen von Musik, die der Seele gut tut. "Wenn ich tanze, sind alle Sorgen weg." "Das ist für mich eine festliche Stunde." "Ich bin einfach glücklich." "Manchmal fühle ich mich gar nicht mehr und das ist dann unbeschreiblich." Zitate von Mittänzer_innen eines Tanzprojektes "Demenzfreundliche Stadt".
Cornelia Staib

Workshop Nr. 5:

WS 5 Gesangbuchschätze heben:

Freude am Singen mit dementiell erkrankten Menschen
Die Auswahl der Lieder für den Gottesdienst oder für das Singen am Bett ist im Pflegeheim leicht, denn das Repertoire ist überschaubar. Immer wieder erklingen dieselben Klassiker. Was sagen die Lieder? Was tragen sie aus? Was bedeuten sie den Seelsorger_innen selbst? Um die Freude an den immer gleichen Liedern nicht zu verlieren, werden Entstehungskontexte und Hintergründe der Lieder ausgeleuchtet. Im gemeinsamen Singen aus dem evangelischen und katholischen Gesangbuch, in Nachdenken und Diskussion wie im Austausch erforschen wir Unbekanntes im Bekannten. Auch praktische Fragen wie Anstimmen und Tonhöhe werden besprochen.
Den theoretischen Hintergrund unserer musikalischen Reise bilden die Potenziale der Musik und des Singens für die einzelnen Phasen der demenziellen Erkrankung nach Naomi Feil.
Prof. Bernhard Leube, Pfarrer im Amt für Kirchenmusik
Pfarrerin Claudia Feine

Workshop Nr. 6:

WS 6 Blumen in der Wüste entdecken

Seelsorge für Angehörige von Menschen mit Demenz
Angehörige, die sich um einen Menschen mit Demenz kümmern, sind einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Um diese Zielgruppe zu unterstützen ist es sinnvoll, sie in einem ganzheitlichen Sinn in den Blick zu nehmen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Spiritualität und Religiosität eine wichtige Ressource im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen sind. Auf der Grundlage dieser Forschungsergebnisse werden konkrete Möglichkeiten der seelsorglichen Begleitung der Angehörigen besprochen.
Dr. Maria Kotulek

Workshop Nr. 7:

WS 7 Grundlagen und Praxis der basalen Kommunikation

Basale Stimulation ist ein pädagogisches und pflegerisches Konzept. Ursprünglich wurde die Basale Stimulation von Prof. Dr. Andreas Fröhlich in der Arbeit mit schwerstbehinderten Schülerinnen und Schülern entwickelt. Inzwischen ist Basale Stimulation ein anerkanntes Konzept für die personenorientierte Pflege. Hohe Relevanz hat die bewusste Gestaltung des Alltags, den die Betroffenen erleben. Aus dem Bemühen, ihre Perspektive einzunehmen, leiten sich wesentliche Anregungen des Konzeptes ab. Sie integrieren kommunikative Berührungs- und Bewegungsangebote in das pflegerische Handeln. Basale Stimulation versucht in Anlehnung an früh entwickelte Erlebens- und Kommunikationsformen mit den Betroffenen in Kontakt zu treten und diesen aufrecht zu erhalten bzw. zu erweitern. Das Konzept geht davon aus, dass ein Mensch, so lange er lebt, auf elementare Sinnes- und Kommunikationssysteme zurückgreifen kann.
Udo Trichtinger, Diakonie Stetten

Workshop Nr. 8:

WS 8 Diagnose Demenz. Was heißt das genau?

Am 3. November 1906 stellte der Psychiater Alois Alzheimer auf einem Fachkongress in Tübingen Untersuchungsergebnisse und die Krankheitsgeschichte seiner zuvor verstorbenen Patientin Auguste Deter vor. Damit war die Erkrankung erstmals beschrieben, die später nach Alzheimer benannt wurde. Mehr als 100 Jahre später hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Alzheimerdemenz nur eine, wenn auch die häufigste Demenzform ist. Mithilfe einer PowerPoint-Präsentation wird zu vermitteln versucht, wie sich die medizinische Diagnostik weiterentwickelt hat und welche therapeutischen Ansätze es heute gibt. Daran anschließend bietet ein offenes Gespräch die Möglichkeit, eigene Erfahrungen aus Begegnungen mit demenzkranken Patienten einzubringen und zu diskutieren.
Dr. Jörg Lamparter

Workshop Nr. 9:

WS 9 Wenn nur der Augenblick zählt

Das Gegenwartserleben nimmt bei Menschen mit Demenz eine zentrale Rolle ein. Im Workshop wird (ausgehend von einem Beispiel) der Frage nachgegangen, wie der Augenblick zum Ort des Zugangs zur Lebenswelt von Menschen mit Demenz werden kann.
Melanie Werren

Referierende

Leitung

Dr. Dietmar Merz Dr. Dietmar Merz
Studienleiter

Referentinnen, Referenten und Mitwirkende

Johannes Bröckel
Pfarrer, Landeskirchliches Pfarramt Altenpflegeheimseelsorge, Stuttgart

Claudia Feine
Pfarrerin, Esslingen

Dr. Maria Kotulek
Dipl. Theol. (Univ.), Dipl. Religionspäd. (FH), Pastoralreferentin, Fachreferentin für Demenz, Erzbischöfliches Ordinariat München

Susanne Kränzle
Hospiz Esslingen

Claudia Krüger
Pfarrerin, Leonberg

Prof. Dr. Ralph Kunz
Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich

Dr. Jörg Lamparter
Pfarrer und Arzt, Reutlingen

Prof. Bernhard Leube
Pfarrer im Amt für Kirchenmusik beim Ev. Oberkirchenrat in Stuttgart, Dozent für Liturgik, liturgisches Singen, Hymnologie und theologische Grundlagen an der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen

Cornelia Reusch
Pfarrerin, Esslingen

Heidrun Speck
Musikerin, Deizisau

Cornelia Staib
Musik- und Tanzpädagogin, Meditationslehrerin, Bibliodramaleiterin, Weinstadt

Udo Trichtinger
Fachbereitsleiter, Diakonie Stetten

Melanie Werren
Assistentin am Lehrstuhl für Ethik, Universität Bern, Dipl.-Pflegefachfrau HF und Pfarrerin VDM, Bern

Büchertisch

Büchertisch von buch und musik am Dienstag, 17. April 2018

Weitere Infos

Tagungsnummer

410218

Preis

Den größten Teil der Tagungsfinanzierung übernimmt die Evangelische Landeskirche in Württemberg.

Für Seelsorger_innen in Haupt- und Nebenamt trägt die Landeskirche die Kosten für Doppelzimmer mit Dusche/WC. Einzelzimmerzuschläge (33,60 €) sind selbst zu bezahlen.

Eigenbeitrag
für Pfarrer_innen 60,00 €

für Diakon_innen und Ehrenamtliche 40,00 €

für Stellenteiler_innen 30,00 €

Bitte geben Sie bei Ihrer Anmeldung im Bemerkungsfeld an, zu welcher dieser Gruppen Sie gehören.

Ein Hinweis für Ehrenamtliche:
Beantragen Sie die Kostenübernahme bei Ihrer Kirchengemeinde oder Ihrem Altenpflegeheim, in dem Sie Dienst tun.

Tagesgäste sind herzlich willkommen - um Anmeldung, gerne auch kurzfristig, wird gebeten.
Kosten pro Tag 20,00 €
(inkl. eine Mahlzeit)

Anmeldeschluss

27.03.2018

Zielgruppen

Haupt- und Ehrenamtliche in der Alten- und Pflegeheim-Seelsorge.

Veranstalter

Evangelische Akademie Bad Boll

Ort

Evangelische Akademie Bad Boll

Themengebiete

  • Soziales, Gesundheit
  • Religion, Kirche, Ökumene

Kontakt

Romona Böld

Tagungsorganisation

E-Mail an: romona.boeld@ev-akademie-boll.de

Tel.: 07164 79-347

Kooperationspartner

Archiv

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Kontakt

Dietmar Merz

Dr. Dietmar Merz

Studienleiter

E-Mail an: Dietmar Merz

Tel.: 07164 79-235

Das Bild zeigt ein Portraitbild.

Romona Böld

Tagungsorganisation

E-Mail an: Romona Böld

Tel.: 07164 79-347

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