Erneute Kürzungen an der Evangelischen Akademie Bad Boll

(Bad Boll) Einschneidende Beschlüsse hat die Württembergische Landessynode am 17. Juli in Freudenstadt vorbereitet. Verabschiedet sich die Kirche ins Private?

Joachim L. Beck, Geschäftsführender Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll

Der prognostizierte Rückgang von Kirchensteuereinnahmen zwingt die Landeskirche zu mittelfristiger Reduktion der dauerhaften Ausgaben. Deshalb beschloss das Kirchenparlament ein Einsparvolumen in Höhe von ca. 10,2 Mio Euro. Der Rahmenbeschluss, der in der Herbstsynode konkretisiert werden soll, muss mit den theologischen Leitlinien, die Bischof July formuliert hat, abgeglichen werden. Die Evangelische Akademie Bad Boll soll 732.000 Euro erbringen. Dahinter verbergen sich Strukturveränderungen, aber auch ein massiver Abbau von Stellen. Allein für die klassisch diskursive Tagungsarbeit sollen künftig 400.000 Euro weniger zur Verfügung stehen. Dies ist in personalintensiven Arbeitsbereichen nur über Stellenabbau zu realisieren. Die Ausgliederung von Fachdiensten der Akademie, von Arbeitsbereichen wie z.B. Treffpunkt Senior, STUBE, Gesellschaftsdiakonische Kurse, verändert die Wirkungsweise und Reichweite der gesellschaftsbezogenen Arbeit von Kirche allgemein.  Derzeit werden Prüfaufträge abgearbeitet: Erkennbar ist, dass die gesellschaftspolitische Arbeit von Kirche, die bisher in der Evangelischen Akademie prominent und auch strittig wahrgenommen wurde, unter den geänderten Rahmenbedingungen so nicht mehr stattfinden kann: Viele drängende Themen können nicht mehr aufgegriffen werden. Die Evangelische Akademie Bad Boll – und mit ihr die Kirche – verabschiedet sich aus gesellschaftlichen Feldern und Milieus, die bisher in der Akademie ihre »Heimat« hatten und »Kirche auf Zeit« erlebten. Ich befürchte, dass sich damit weitere gesellschaftlich relevante Gruppen aus der Kirche verabschieden und die Abwärtsspirale, in der sich die Kirche in der Öffentlichkeit befindet, fortsetzt. Die Zahl der Tagungen wird bei weniger Studienleitenden – wie in den letzten Jahren als Folge des Stellenabbaus mit dem Namen »Bildungskonzeption« – weiter zurückgehen. Wir stehen für eine Kirche, die den öffentlichen Auftrag des Evangeliums gestaltet, die sich gesellschaftlich einmischt, parteilich für die Armen und die nicht Privilegierten steht. Wir stehen für eine Kirche, die ethisches Bewusstsein schärft und darauf vertraut, dass Frieden und Gerechtigkeit gestaltet werden können und dass die Be-wahrung der Schöpfung ein Auftrag für uns Christinnen und Christen ist. Diese Kürzungsbeschlüsse, dieser Rahmenbeschluss der Sommersynode gefährden die öffentliche Wirksamkeit von Kirche.

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