Evangelische Akademie verleiht zum zweiten Mal Akademiepreis

Preisträger kommt aus Tettnang

Thomas Weise vom Förderverein (v. li.), Lothar Reger (Bau- und Sparverein Ravensburg eG), Diakon Michael Hagelstein (Kath. Kirche St. Gallus, Tettnang), Sebastian Merkle (Baugenossenschaft Familienheim Villingen-Schwenningen), Akademiedirektor Jörg Hübner und Dr. Ulrich Bausch bei der Verleihung des Akademiepreises (© Giacinto Carlucci).

Bad Boll. Das Projekt St. Anna Quartier in Tettnang „Leben und Wohnen in Vielfalt“ wurde gestern mit dem Akademiepreis ausgezeichnet. Der Preis wurde zum zweiten Mal beim 73. Gründungsfest der Evangelischen Akademie Bad Boll verliehen. Er ist mit 3000 Euro dotiert. Um die Auszeichnung unter dem Motto „Werte leben – Zukunft gestalten“ hatten sich 29 Initiativen und Projekte beworben. Eine Jury aus Vertretern der Direktion, des Kuratoriums und des Förderkreises der Evangelischen Akademie hat mit dem Projekt St. Anna-Quartier in Tettnang den Bewerber ausgewählt, der sich am überzeugendsten dafür einsetzt, dass Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen bezahlbaren Wohnraum finden. 
In seiner Laudatio wies Kuratoriumsmitglied Dr. Ulrich Bausch darauf hin, dass die Armut in Deutschland zunehme: „Innerhalb der OECD gibt es kein Land, in welchem die Schere zwischen Reichtum und Armut sich so schnell und dynamisch öffnet wie in Deutschland, komplementär ist die Zahl der Obdachlosen in unserem Land Jahr für Jahr gestiegen.“ Bausch betonte, dass es einer der größten sozialpolitischen Irrtümer gewesen sei, vor rund 25 Jahren den Sozialen Wohnungsbau zurückgefahren zu haben. „Der Irrglaube der Markt könne alles richten, wird uns zum Verhängnis. Das Thema Wohnungsnot ist inzwischen auch in der Mittelschicht angekommen; in unseren Ballungszentren können Stellen für Krankenschwestern, Polizisten oder Altenpfleger häufig nicht besetzt werden, weil für diese Zielgruppen kein bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht.“
Bausch beeindruckte an dem Projekt vor allem das Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure: „Eine Baugenossenschaft, eine Kirchengemeinde, die Stadt Tettnang und eine Stiftung  haben sich zusammengeschlossen, um das neue St. Anna-Quartier zu schaffen. Wir sehen, es ist möglich, neuen integrativen Wohnraum zu schaffen.“ Das St. Anna Quartier befindet sich seit 3/2018 im Bau und soll in ca. einem Jahr bezugsfertig sein.

Zur Preisverleihung waren Sebastian Merkle, Geschäftsführer der Familienheim Schwarzwald-Baar-Heuberg eG für die Bauherrengemeinschaft genossenschaftliches Wohnen (BGWo), Diakon Michael Hagelstein von der katholischen Kirche St. Gallus und Lothar Reger vom Bau- und Sparverein Ravensburg eG gekommen. Sebastian Merkle sagte zur Preisverleihung: „Wir sind überwältigt von dieser Ehrung und sehr dankbar - vor allem weil wir seit heute von der Qualität und Innovationskraft der anderen Bewerbungen wissen. Als überzeugter Vertreter der Wohnungsbaugenossenschaften sage ich mit Gewissheit, dass die Genossenschaft sich hier in diesem Quartier dauerhaft engagieren will, damit diese Initiative nicht zu einem Strohfeuer, sondern einem Leuchtturm mit langer Strahlkraft wird.“ Und zur geplanten Nutzung des Geldes ergänzte Diakon Hagelstein: „Das Preisgeld werden wir für die Kinder einsetzten, vielleicht für irgendein besonderes Spielgerät, welches im gemeinschaftlich genutzten Innenhof stehen wird.“

 
ZU DEM PREISTRÄGER

Der Ausgangspunkt für die vier Akteure im Projekt St. Anna Quartier (die Baugenossenschaft Familienheim Schwarzwald-Baar-Heuberg eG & Bau- und Sparverein Ravensburg eG., die Stadt Tettnang, die Kirchengemeinde St. Gallus und die Stiftung Liebenau) war folgender: „In Zeiten von Wohnungsknappheit und Mietpreisbremse ist es für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen oder körperlichen Einschränkungen schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden.“ Nun wird seit März 2018 unter dem Motto „Leben und Wohnen in Vielfalt“ rund um die St. Anna Kapelle in Tettnang das St. Anna Quartier mit 127 genossenschaftlichen Mietwohnungen realisiert, „deren Mietpreise bei 50 Prozent der Wohnungen deutlich unter dem durchschnittlichen Niveau der 11,68 €/m2 der Stadt liegen. Mit 30 Prozent Sozialwohnungen, 20 Prozent mietpreisreduzierten Wohnungen für Schwellenhaushalte, insgesamt 4 Wohngemeinschaften für Menschen mit Handicap sowie einem modifizierten Quartierstreff übernimmt das St. Anna Quartier eine hohe soziokulturelle und integrative Funktion für die Stadtgesellschaft Tettnangs.“
www.bgwo.de

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