Hochbegabte besser fördern

<p><em>Kultusminister Helmut Rau sieht Fortschritte bei der Enttabuisierung der Eliteforschung</em></p><p>&nbsp;</p><h1>Zusatzinfos</h1>Abdruck honorarfrei. Bei Veröffentlichung Belegexemplar, bzw. Hinweis auf den Sendetermin erbeten!<br /><br />Dieser Text hat 2890 Anschläge (ohne Überschriften und Absätze); das entspricht etwa 72 Zeilen zu je 40 Anschlägen.</p>

"In Deutschland liegen Begabungen brach", kritisiert der Ulmer Psychologe und Bildungsforscher Prof. Albert Ziegler. Zum Auftakt eines internationalen Kongresses über Hochbegabung in der Evangelischen Akademie Bad Boll sprach er sich am Montag (6.2.06) für mehr individuelle Förderung und eine Qualifizierung der Lehrkräfte aus. In Deutschland herrsche "Aufbruchsstimmung beim Thema Hochbegabung", sagte Ziegler, aber viele Defizite müssten noch aufgearbeitet werden.

Einen Mangel sieht er zum Beispiel in der Ausbildung der Lehrkräfte. Seinen Erkenntnissen nach besuchen weniger als ein Prozent der Lehrerinnen und Lehrer einschlägige Veranstaltungen zur Begabtenförderung an den Universitäten. Insofern sei es auch kein Wunder, dass von 42 Kindern, die an einer von ihm durchgeführten Untersuchung teilgenommen haben, kein einziges als hochbegabt eingestuft worden ist, obwohl bei allen ein Intelligenzquotient von über 130 gemessen wurde.

Stark zulegen sollte man nach Ansicht Zieglers bei der Kindergartenerziehung, der besonders an den Universitäten mehr Bedeutung zugemessen werden sollte. Kritisch sieht Ziegler auch die Situation an den Schulen. "Weniger als ein Prozent der Hochbegabten erhalten eine nachhaltige Individualförderung wie man sie aus anderen Bereichen wie der Musik und dem Sport kennt." Insgesamt komme in Deutschland auf 10.000 Hochbegabte eine einzige Beratungsstelle.

Der baden-württembergischen Kultusminister Helmut Rau erklärte zum Kongress-Auftakt, dass es in beträchtlichem Umfang gelungen sei, die Eliteförderung in Deutschland zu enttabuisieren. Ihre Bedeutung in der Bildungspolitik erschließe sich allerdings "immer noch nicht jedem". Rau betonte, "Hochbegabte zu fördern ist nicht Privilegierung, aber es zu unterlassen ist Benachteiligung." Nach seinem Verständnis bedeute Hochbegabtenförderung daher auch nicht, "eine Machtelite heranzubilden, die sich nach unten abschließt, sondern eine Verantwortungselite zu fördern, die sich für andere einsetzt."

Rau zeigte sich überzeugt, dass hoch begabte Kinder "an jeder Schule integrativ" gefördert werden können. Darüber hinaus habe das Land Baden-Württemberg mit dem Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd ein besonderes Ausbildungsangebot geschaffen. Rau wies außerdem darauf hin, dass Baden-Württemberg als erstes Bundesland an öffentlichen Gymnasien Hochbegabtenklassen einrichte. "Noch in diesem Jahrzehnt wird es in jeder Region des Landes erreichbare Bildungsstätten für Hochbegabte geben", sagte der Kultusminister.

Die Zahl der Hochbegabten wird weltweit auf etwa 150 Millionen geschätzt, mit 1,8 Millionen rechnet man in Deutschland. Der Anteil hoch begabter Kinder im Primarschulbereich liegt bei etwa einem Prozent. An dem noch bis Mittwoch dauernden Kongress in Bad Boll nehmen etwa 240 Bildungsexperten, Pädagogen und Schulpraktiker aus insgesamt 15 Ländern teil.

Uwe Walter

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