„Ich bin bereit, ohne Schutz militärischer Rüstung zu leben“

40 Jahre „Ohne Rüstung Leben“: Rückblick und Ausblick bei der Jubiläumstagung

Die Friedensarbeit von Ohne Rüstung Leben - Würdigung, Rückblick und Ausblick: Podiumsgespräch mit Kerstin Deibert, Reinhardt Seibert, Paul Russmann und Sören Widmann. Es moderiert Karen Hinrichs. Auf dem Bild fehlt Dolores Gonzalez Saravia (© Claudia Mocek).

Bad Boll. Deutschland liefert weiterhin Waffen in Staaten, die die Menschenrechte verletzen und Krieg führen. „Für das im Jemen kriegführende Saudi-Arabien sind im dritten Quartal 2017 Ausfuhren im Wert von 148 Millionen Euro genehmigt worden - dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres“, kritisierte die Referentin für Rüstungsexportkontrolle bei „Ohne Rüstung Leben“ (ORL) heute (17.11.2017) bei der Tagung „Friedenslogik politisch entwickeln“. Und für Rüstungsexporte an das menschenrechtsverletzende Regime in Ägypten wurden im dritten Quartal dieses Jahres sogar Genehmigungen im Wert von 298 Millionen Euro erteilt.

Mit der Tagung zum 40-jährigen Gründungsjubiläum der Aktion „Ohne Rüstung Leben“ blicken die Initiative und die Evangelische Akademie Bad Boll auf die vergangenen vier Jahrzehnte zurück und diskutieren mit den rund 45 Teilnehmenden die friedenslogische Perspektive der Zukunft: Die ORL-Referentin Charlotte Kehne gibt Impulse zu Waffenexporten von Heckler und Koch nach Mexiko. Der Friedens- und Konfliktforscher der Stiftung Weltethos Dr. Markus Weingardt referiert über „Mehr Gandhi – religiös motivierte Friedensarbeit“. Dolores Gonzalaz Saravia von Servicios y Asesoría para la Paz berichtet über die Transformation sozialer Konflikte in Mexiko.

„Ich bin bereit, ohne Schutz militärischer Rüstung zu leben. Ich will in unserem Staat dafür eintreten, dass Frieden ohne Waffen politisch entwickelt wird.“ Mit dieser doppelten Selbstverpflichtung begann1977 die „Aktion Ohne Rüstung Leben“: Acht Pfarrer um Werner Dierlamm, der die Idee entwickelt hatte, hatten diese Selbstverpflichtung zunächst diskutiert und weiterentwickelt. Im April 1978 traten sie an die Öffentlichkeit, und die Erklärung „An alle Christen“ verbreitete sich in Deutschland rasch. Bis 1983 konnten sie rund 23 800 Unterzeichner gewinnen, darunter auch viele Prominente und Nichtchristen. Es war die Hoch-Zeit des Kalten Krieges, der mit dem NATO-Doppelbeschluss vom Dezember 1979 eine zusätzliche Eskalation zwischen Ost und West bekommen hatte. In dieser Zeit wurde „Ohne Rüstung Leben“ ein wichtiger Akteur der Friedensbewegung mit Fasten- und Schweigeaktionen, Demonstrationen und Blockaden vor Militärgeländen in Deutschland.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs engagierte sich die gemeinnützige Nichtregierungsorganisation für die Abschaffung von Atomwaffen, gegen Rüstungsproduktion und -exporte sowie für den zivilen Friedensdienst. Die Organisation setzte sich besonders für Frieden und Versöhnung auf dem Balkan und im Kaukasus ein und unterstützte dort Friedensfachkräfte. „Ohne Rüstung Leben“ wurde 2011 mit dem Göttinger und 2012 im Rahmen der „Aktion Aufschrei- Stoppt den Waffenhandel!“ mit dem Stuttgarter Friedenspreis sowie dem internationalen deutschen PR-Preis ausgezeichnet.

Gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Bad Boll veranstaltete „Ohne Rüstung Leben“ seit den 1990er Jahren regelmäßig friedenspolitische Tagungen, etwa zur Außen- und Sicherheitspolitik der EU und zur Einschätzung der Atomwaffenfrage.

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