Kirchenvertreter: Wut und Trauer über Schlecker-Pläne

Katholische Betriebsseelsorge, Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) und evangelischer Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA) fordern Unterstützung von der Politik

Bad Boll/Stuttgart – Ihre Solidarität mit den Mitarbeitenden der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker erklären die katholische Betriebsseelsorge, die katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) und der evangelische Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) in einer gemeinsamen Erklärung. Neben Wut und Trauer über das Ausmaß der angekündigten Entlassungen machen die Vertreter der Kirchen der Konzernleitung schwere Vorwürfe und sichern den Betroffenen ihre Unterstützung zu. Außerdem rufen sie Verbraucher auf, als Zeichen der Solidarität weiter bei Schlecker einzukaufen.
Die Drogeriemarktkette Schlecker hatte im Januar Insolvenz angemeldet. In der vergangenen Woche kündigte der Insolvenzverwalter die Entlassung von 12.000 der rund 33.000 Beschäftigten an.

"Unternehmenspolitik ist aus dem Ruder gelaufen"

"Diese desaströse Lage ist unserer Meinung nach Folge einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Unternehmenspolitik mit schwerwiegenden Fehlern, verbunden mit der Weigerung, die wirkliche Lage wahrzunehmen und rechtzeitig entsprechende Änderungen vorzunehmen. Zu dieser Verweigerung gehörte auch die grundsätzliche Missachtung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Recht auf einen menschenwürdigen Umgang und auf Anerkennung", heißt es in der von Pfarrer Wolfgang Herrmann, Leiter Fachbereich Betriebsseelsorge der Diözese Rottenburg-Stuttgart, KAB-Verbandssekretär der Diözese Rottenburg-Stuttgart Peter Niedergesäss und Pfarrerin Esther Kuhn-Luz, Vorsitzende des KDA unterzeichneten Erklärung.
Forderung: Transfergesellschaft gründen
Weiter fordern die Kirchenvertreter die Gründung einer Transfergesellschaft, die gekündigten Mitarbeitenden die Chance zu Qualifizierung und Neuorientierung gibt. "Wir fordern die Landes- wie Kommunalpolitik auf, finanzielle Mittel zur Förderung von Ladengeschäften in der Fläche zur Verfügung zu stellen, um die Grundversorgung der Menschen in den ländlichen Regionen sicherzustellen", heißt es weiter.
Mitbestimmungsrechte und Tarifvertrag einhalten
Großes Gewicht hat für Betriebsseelsorge, KAB und KDA, dass die notwendige Beteiligung von Investoren nur erfolgt, wenn diese Mitbestimmungsrechte und den Tarifvertrag einhalten. "Der mühsame Kampf und damit verbunden die großen Opfer vieler Beschäftigter dürfen nicht umsonst gewesen sein, Be-schäftigte dürfen nicht erneut unter die Räder der Gier und der Arbeitsausbeutung fallen", so die Betriebsseelsorger mit Blick auf den jahrelangen Kampf um Arbeitnehmerrechte bei Schlecker.
Die Kirchenvertreter unterstützen den Vorschlag der Gewerkschaft ver.di, ein Mitarbeiterbeteiligungs-Modell zu schaffen. Die Beschäftigten könnten sich dort nach ihren finanziellen Möglichkeiten engagieren und ihre Verbundenheit zu einem „Schlecker der Zukunft“ zum Ausdruck bringen.

"Familie Schelcker muss das ihr Mögliche beitragen"
"Die Familie Schlecker fordern wir auf, das ihr Mögliche zu tun, damit dieses Beteiligungskonzept für die Beschäftigten finanziell ermöglicht wird. Das muss Anton Schlecker und seiner Familie die bisherige und künftige Belegschaft wert sein", appellieren die Unterzeichner.

Wortlaut der Erkläung

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB)

Katholische Betriebsseelsorge

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