Corona und Plan B

Und der Gedanke, dass Ostern auch etwas mit Plan B zu tun haben könnte

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Ein Jahr Corona – ein Jahr Dauerzustand an latenter Anspannung, lediglich unterbrochen durch einen nahezu unbekümmerten Sommer und hoffentlich vielen heiteren Momente für jeden und jede von uns.

Vor einem Jahr haben sich die Corona-Ereignisse und Meldungen überschlagen: Ischgl, Klinikkollaps in Italien und Spanien, Engpässe bei Mehl, Hefe und Klopapier, selbstgeschneiderte Stoffmasken, Lockdown, Grenzschließungen, Rückholaktionen von Urlaubern. Im zweiten Jahr der Pandemie prägen andere Überschriften das Thema: nationale Eigeninteressen, Corona-Verweigerer, Verteilungskampf um Impfstoffe, Masken-Skandal, politische Schlingerkurse.

Es sind keine einfachen Zeiten. Einfache Antworten helfen nicht weiter bei komplexen Sachverhalten. Krisen werden nicht bewältigt, indem man mit dem Finger auf andere zeigt oder angebliche Sündenböcke ausmacht. Solche Zeiten tragen es in sich, dass niemand den Königsweg weiß. Und nicht zuletzt ahnt jede und jeder von uns, dass uns die offenen Fragen und Folgen der Pandemie in wirtschaftlicher, sozialer und globaler Hinsicht noch lange beschäftigen werden.

Seit einem Jahr sind wir gezwungen, in der Arbeit und im Privaten immer einen Plan B mitzudenken und mitzuplanen. Was machen wir, wenn analog nicht geht? Welche Option haben wir, wenn die Inzidenzwerte wieder steigen? Mit solchen Eventualitäten, Unsicherheiten und Ausnahmen zu leben, ist auf Dauer anstrengend.

Gleichwohl gibt es Lichtblicke. Vor allem in Gestalt nachbarschaftlicher Solidarität und in zahlreichen Initiativen und Projekten vor Ort, die der Vereinzelung und Lähmung entgegenwirken und das gemeinsame Leben stärken wollen.

In letzter Zeit werde ich immer wieder gefragt, welches wegweisende Wort die Kirche für die Menschen hätte. Was sagen, was tun wir als Christen in solchen besonderen Zeiten?

In der Tat gilt es selbstkritisch zu fragen, ob wir in der Pandemie eine Stimme waren und sind für alle diejenigen, die unter Corona besonders leiden. Haben wir uns beispielswiese genug eingesetzt für die Kranken und Pflegebedürftigen, die in Krankenhäusern und Heimen ohne Abschied und Begleitung hygiene-isoliert und einsam starben? „Die Kirchen haben auf erschreckende Weise nichts falsch gemacht“, meint der Theologe und Soziologe Reimer Gronemeyer. Brav und staatserhaltend nennt Gronemeyer unser Verhalten.

Dabei könnte die Pandemie auch als eine unerwartete „Sternstunde“ betrachtet werden. Zum einen als Sternstunde für die Menschheit, die nicht mehr der unangenehmen, aber höchst notwendigen Frage aus dem Weg gehen kann, ob denn unsere Art und Weise zu leben zukunftsfähig sei. Zum anderen für die Kirchen. Wenn, wie durch die Pandemie geschehen, die Selbstverständlichkeit volkskirchlichen Handelns verwehrt wird, dann ist das zugleich die Chance einer Neubesinnung. 

Wo sind wir jetzt besonders gefragt? Was ist unsere vordringlichste Aufgabe? Wo ist unser Platz in der Welt? Der Bedeutungsverlust der Kirchen wird zunehmen. Die Kraft des Evangeliums dagegen nicht. Auch eine kleine Schar kann etwas ausrichten: kann den Vergessenen und Armen zur Seite stehen, kann trösten, kann unbequeme Fragen stellen, kann öffentlich wirksam sein und Raum für Gottes Wirklichkeit eröffnen.

Sich vom gewohnten, selbstverliebten Plan A „Volkskirche zu sein“ verabschieden zu müssen, tut weh. Aber Plan B „als Minderheit mit umso mehr Evangeliumskraft zu leben“ muss nicht die schlechtere Alternative sein.

Hoch lebe Plan B!

Er führte viel zu lange ein Schattendasein.

Plan B,

das sind Patchwork-Familien,

Camping an der Müritz, statt Trecking in Nepal.

Balkon statt Garten

Gummistiefel statt Flip-Flops,

Schuldnerberatung statt Wirtschaftsanwalt,

Kaiserschmarrn, statt Pfannkuchen.

Plan B ist die Antwort des Lebens,

wenn das Leben nicht so spielt wie es geplant ist.

„Schokolade ist aus, nehmen Sie Maracuja.“

Muss nicht schlechter sein, ist nur anders.

Mir waren schon immer Coachs suspekt, die fragten, was ich in zehn Jahren machen will.

Woher soll ich wissen, was das Leben so vorhat?

Die halbe Bibel ist auch ein Plan B.

Ich weiß, der Satz ist gewagt. Aber: denkt an den Garten Eden.

Die Sache war schnell gescheitert,

aber draußen kann man auch ganz gut leben.

Denkt an die Sintflut.

Die ganze Menschheit wollte Gott vernichten.

Im zweiten Anlauf beschloss er: doch keine so gute Idee.

Ich glaube, alle diese Geschichten zeigen,

dass Gott ein Meister des Plan B ist.

Er kann aus dem größten Mist Gutes machen.

Hoffnung siegt über Resignation.

Mit Plan B kommt man durchs Leben.

Weil es immer weiter geht.

Weil es Verwandlung gibt.

Manche nennen es

Auferstehung.

Susanne Niemeyer

In diesem Sinne viel Kraft und Hoffnung beim Leben des eigenen Plan B, eine gute Karwoche und frohe Ostern.

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Reinhard Becker

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Miriam Kaufmann

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Referentin Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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