Hiob oder Harari? Erlösungshoffnungen in Zeiten der digitalen Transformation

Hiob ist bekannt, Harari mittlerweile auch. Die Erlösungshoffnung des einen hat Menschen über mehr als 3000 Jahre hinweg getragen, die Erlösungshoffnung des anderen beflügelt in Zeiten der digitalen Transformation den Technikdurst des modernen Menschen. Es ist an der Zeit, sich der Frage zu stellen: Was zählt heute?

Fangen wir bei dem einen an: Die Hiob-Legende, die den Rahmen des Hiob-Buches in der Bibel bildet, ist bekannt:

Hiob ist ein gottesfürchtiger, rechtschaffener und zugleich reicher Mann. Im Himmel stellt sich nun die Frage: Kann Hiob auch seinen Glauben bewahren, wenn ihn Unheil trifft? Hiob, dieser Mann, der sein Leben so wunderbar geordnet hat, wird auf die Probe gestellt: Ohne eigenes Verschulden verliert er seinen Besitz, seine Kinder und schließlich auch noch seine Gesundheit. Es ereilen ihn wahre Hiobsbotschaften.

In vielen Reden stellen sich Hiob und mit ihm auch seine Freunde dieser Frage: Was ist mit dem Leiden eines gottesfürchtigen Menschen? Hiob hält an der Gewissheit fest: Gott ist der Schöpfer dieser Welt. Er kann erretten. In einer dieser Reden heißt es in dieser Gewissheit:

„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ (Hiob 19,25)

Angesichts dieser Bewährung erfährt Hiob, so die Legende des Buches, schließlich seine Wiederherstellung, ja, er wird noch reicher gesegnet. Die Botschaft des Hiob-Buches ist damit klar: Gottvertrauen hilft. Gott wird es sein, der uns befreit. Gott steht an unserer Seite. Der Versucher im Himmel – ein Nichts. Gott ist unser Erlöser.

Soweit die Erlösungsbotschaft des Hiob.

In unseren Tagen ist angesichts der Dunkelheiten, die sich auf unser Leben legen können, ein anderer an seine Seite getreten: Yuval Noah Harari mit seinem Buch: „Homo Deus. Eine Geschichte von morgen.“

Für Harari ist Religion und ihr Erlösungsverständnis etwas von gestern. Religionen schrieben in der Vergangenheit Gott die Macht zu, den Tod zu beherrschen und in die Grenzen zu weisen. Nur Gott – und keinem anderen. Das sei in der Zukunft anders – und die Gegenwart wäre schon dabei, das Fundament für eine neue Zeit zu legen. Der Mensch werde nämlich mittels digitaler Technik immer mehr an göttlichen Eigenschaften gewinnen. Durch Kombination aus Künstlicher Intelligenz und Biotechnologie werde der Mensch älter werden. Das heutige 90 sei dann das zukünftige 50. Der Mensch wird sich mit Maschinen verbinden, bevor er schließlich von menschenähnlichen, KI-gesteuerten Lebewesen abgelöst wird. Der digital entwickelte Mensch wird dann unsterblich. Das ist die Erlösungshoffnung im digitalen Zeitalter.

Und die Religion? Sie wird ad acta gelegt. Sie wird durch eine neue Datenreligion ersetzt. Harari nennt sie „Dataismus“. Der Glaube der neuen Datenreligion ist der Glaube daran, dass alles, aber auch wirklich alles in der Welt, auch der Mensch, als Datenstrom beschrieben werden kann. Computeralgorithmen werden jede Minute unseres Daseins kontrollieren, unseren Geist verändern und durch virtuelle Welten ersetzen. Das ist dann die perfekte Erlösung aus allem Leid, die Befreiung von jedem Unheil, die Ablösung des Glaubens.

Hararis Buch provoziert. Hararis Buch wird vielfach diskutiert. Es stellt letztlich die Frage nach dem, was uns ausmacht. Und so endet sein Buch auch mit drei Fragen, die es in sich haben:

"Wenn wir in Monaten denken, sollten wir unser Augenmerk vermutlich auf unmittelbare Probleme wie die Wirren im Nahen Osten, die Flüchtlingskrise in Europa und die Abschwächung der chinesischen Wirtschaft richten. Wenn wir in Jahrzehnten denken, spielen der Klimawandel, die wachsende Ungleichheit und der Zusammenbruch des Arbeitsmarkts eine zentrale Rolle. Wenn wir aber das Leben im Großen und Ganzen in den Blick nehmen, werden alle anderen Probleme und Entwicklungen von drei miteinander verknüpften Problemen überschattet: 1. Die Wissenschaft konvertiert zu einem allumfassenden Dogma, das behauptet, Organismen seien Algorithmen und Leben sei Datenverarbeitung. 2. Intelligenz koppelt sich vom Bewusstsein ab. 3. Nicht-bewusste, aber hoch-intelligente Algorithmen könnten uns schon bald besser kennen als wir uns selbst. Diese drei Prozesse werfen drei Schlüsselfragen auf: 1. Sind Organismen wirklich nur Algorithmen, und ist Leben wirklich nur Datenverarbeitung? 2. Was ist wertvoller – Intelligenz oder Bewusstsein? 3. Was wird aus unserer Gesellschaft, unserer Politik und unserem Alltagsleben, wenn nichtbewusste, aber hochintelligente Algorithmen uns besser kennen als wir selbst?“

Ja, Hararis Buch provoziert. Es fragt danach: Was macht die digitale Transformation mit uns, mit unserem Bewusstsein und mit unserer Gesellschaft? Es konfrontiert uns neu mit der Frage, was Grundlage unserer Existenz ist, was uns ausmacht und wer bzw. was uns erlöst. Natürlich hat Harari darin recht, dass die Bibel auf diese provozierenden Fragen unserer Zeit nach der digitalen Transformation keine Antwort gibt. Aber er hat nicht recht, wenn er denkt, unsere religiöse Grundlage habe nicht die Substanz, unser Leben zu deuten und zu verstehen.

Denn: Die Hiobsbotschaft hat es in sich. Sie hat sogar das Zeug dazu, Hararis Fragen orientierend zu beantworten.

Erstens: „Ist Leben nur Datenverarbeitung?“ So fragt Harari. Hiob: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Wir sind keine perfekten Lebewesen. Das macht doch unseren wunderbaren Reiz aus. Wir setzen uns mit den Widersprüchlichkeiten des Lebens auseinander, arbeiten uns an ihnen ab und wachsen daran. Wir sind eben keine Götter, sondern auf Erlösung angewiesene Wesen. Sollte uns das nicht demütig und dankbar machen?

Zweitens: „Ist Intelligenz oder Bewusstsein wertvoller?“ So fragt Harari. Hiob: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Ich weiß es, heißt es hier. Oder: Ich bin mir dessen gewiss. Das ist etwas ganz anderes als Intelligenz. Was wären wir doch für armeselige Wesen, wenn alle mit optimaler und optimierter Intelligenz ausgestattet wären. Das würde unser Leben zur wahren Hölle machen. Bewusstsein hat dagegen jeder – und das ist gut so. Das Bewusstsein verleiht uns doch die nötige Farbigkeit und Beweglichkeit. Also: Lasst uns mit Hiob vom Bewusstsein reden und Gott dafür loben, wie bunt doch das Leben ist.

Drittens: „Was geschieht, wenn Algorithmen uns beherrschen?“ So fragt Harari. Hiob: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Natürlich sehnt sich der Mensch, den Tod zu besiegen. Hiob stellt dem entgegen: Es ist gut so, dass Menschen Grenzen gesetzt sind. Verbunden ist damit die Botschaft: Der Tod ist besiegt – aber nicht durch uns, sondern durch Gott in Jesu Auferstehung. Das ist nicht die Zusage der unendlichen Verlängerung des Lebens. Es ist aber der wunderbare Auftrag, in der Hoffnung dieses Glaubens diese Welt so zu gestalten, dass alles dem Leben dienen kann. So farbig ist mit dieser Lebens-Aufgabe dann doch unser Leben.

Die Hiobsbotschaft ist bestechend einfach und klar!

Mit der digitalen Transformation gehen wir Zeiten mit vielen Fallstricken entgegen. Aber sie wird auch dazu führen, dass wir uns intensiver mit dem beschäftigen, was uns als Menschen auszeichnet. Wenn es gut geht, wachsen wir darin in unserer Menschlichkeit: Der Mensch ist mehr als funktionierende Materie – er ist erlösungsbedürftiges, gerade aber deswegen auch buntes und farbiges Leben.

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Reinhard Becker

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