Die Initiative Klischeefrei

Für eine Berufs- und Studienwahl ohne Scheuklappen

© Servicestelle der Initiative Klischefrei

Im Moment ist es, als ob wir auf einem weißen Blatt mit unzählig vielen weißen Punkten nur auf den einen schwarzen Punkt schauen: die Coronakrise. Die vielen anderen weißen Punkte nehmen wir nicht in den Blick.

Dennoch gibt es viele andere Themenbereiche, die unsere Aufmerksamkeit erfordern. Ein solches möchte ich Ihnen hier vorstellen:

Die Initiative Klischeefrei und ihr Engagement für eine von Geschlechterstereotypen befreite Berufswahl.

Unzählig viele junge Menschen stehen vor der Herausforderung, Weichen für ihre zukünftige Berufswahl zu stellen. Geprägt wird ihre Wahl sehr oft von der Einteilung in typische Männer- und Frauenberufe. Diese Klischees halten sich hartnäckig. Obwohl die Erwerbstätigkeit von Frauen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen ist, zeigen die Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dass die Mehrzahl aller Berufe im deutschen Arbeitsmarkt entweder überwiegend von Frauen oder von Männern ausgeübt wird. Dabei gelten Pflege, Erziehung, Reinigung und einfache Bürotätigkeiten weiterhin als Frauen-, technische und verarbeitende Berufe eher als Männerdomänen. Hierbei gibt es eine stabile Top 20 der beliebtesten Männer- und Frauenberufe, die sich in den letzten 20 Jahren kaum verändert hat.

Doch beinhaltet diese kulturell verankerte Zuordnung zu geschlechtstypischen Berufsfeldern Nachteile in individueller, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Dies begründet Miguel Diaz, Projektleiter der Initiative Klischeefrei folgendermaßen:

Wenn Jugendliche aufgrund von Geschlechterklischees einen Teil ihrer beruflichen Möglichkeiten von vornherein ausschließen und sich lediglich auf Berufe konzentrieren, die mit der eigenen Geschlechtszugehörigkeit in Einklang zu stehen scheinen, kann dies die persönliche Zufriedenheit und Lebensqualität schmälern.

Eine wettbewerbsfähige Volkswirtschaft ist darauf angewiesen, dass alle jungen Menschen ihre Fähigkeiten unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Lebensentwürfe bestmöglich realisieren. Auf diese Weise kann der Fachkräftemangel abgesichert werden.

Während für Frauen bei einer klischeefreien Berufswahl stärker die gleichen Verwirklichungschancen auf dem Arbeitsmarkt (Verdienstmöglichkeiten und Karrierewege) im Vordergrund stehen, ist es bei Männern vor allem die Vereinbarkeit von Beruf, Freizeit und Familie. (Positionspapier der Initiative Klischeefrei)

Über die Eltern hinaus, sind alle Erwachsene im Umfeld von Jugendlichen gefragt, um ihnen eine klischeefreie Berufs- und Studienwahl zu ermöglichen. Schon Fachkräften in Kitas und Horten kommt eine Vorbildfunktion zu. Menschen in Schulen, Hochschulen, Unternehmen und Einrichtungen bis zur Berufsberatung können Einfluss nehmen und klischeefreies Denken und Handeln vorleben. (Homepage der Initiative Klischeefrei)

Unter der Schirmherrschaft von Elke Büdenbender wurde die Initiative Klischeefrei gebildet. Dieses von der Bundesregierung initiierte Bündnis aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung setzt sich für eine Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees ein und unterstützt dies aktiv durch konkrete Maßnahmen.

Die Initiative verfolgt das Ziel, Schritt für Schritt die geschlechtliche Konnotation der Berufe abzubauen. Ihre Maßnahmen sind: Bündelung von Informationen, Vernetzung von Interessengruppen sowie das Herausstellen relevanter Maßnahmen zur Erweiterung des Berufs- und Studienwahlspektrums junger Menschen.

Um dieses Ziel zu erreichen, baut die Servicestelle der Initiative Klischeefrei ein Netzwerk mit Partnerorganisationen aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung auf (Partnerorganisationen der Initiative Klischeefrei). Seit 2020 ist die Evangelische Akademie Bad Boll ebenfalls Mitglied dieses Bündnisses.

Digital- und Präsenz-Seminare, Fortbildungen und Workshopangebote sowie jährliche Fachtagungen bieten die Möglichkeit, sich zu vernetzen, auszutauschen und neue fachliche Impulse zu gewinnen.

Die Servicestelle der Initiative hat ansprechend gestaltete, zielgruppenspezifische Materialien entwickelt. Vielfältige Informationen, Daten und Fakten, gute Praxisbeispiele und verschiedene Materialien finden sich auf dem Fachportal klischee-frei.de. Auf diese Weise unterstützt sie fachlich alle Zielgruppen dabei, eine klischeefreie Berufs- und Studienwahl zu etablieren – von der Frühkindlichen Bildung, über Schulen, Berufsberatung, Hochschulen, bis hin zu Unternehmen und Einrichtungen.

Besonders gut gefallen mir die kostenfreien Methodensets „Klischeefrei fängt früh an“ und „Klischeefrei macht Schule“ für Fachkräfte im Elementarbereich und Lehrkräfte an weiterführenden Schulen.

Sie bieten viele Anregungen, um Geschlechterklischees in Bezug auf Rollenbilder und Berufe spielerisch zu hinterfragen. 

Die Themendossiers zur „Frühen Bildung“ oder „Warum lohnt sich klischeefreie Berufs- und Studienwahl?“ stellen Interessierten vielfältige Hintergrundinformationen und Anregungen zur Verfügung.

Das Klischeefrei-Quiz für Erwachsene und Jugendliche ermöglicht einen leichten und spielerischen Einstieg ins Thema und die vielen verschiedenen Faktenblätter bieten komprimierte Informationen rund um das Thema Klischeefrei. Diese Materialien stehen kostenfrei auf klischee-frei.de im Bereich „Angebote“ zur Verfügung.

Vielleicht bestellen Sie sich diese Materialien für Ihre berufliche Tätigkeit oder richten Ihr Augenmerk darauf, wie Sie zukünftig junge Menschen bei einer klischeefreien Berufswahl unterstützen können.

Claudia Schmengler ist Studienleiterin für Bildungspolitik und Pädagogik an der Evangelischen Akademie Bad Boll und Oberstudienrätin an der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen.

Kontakt

Alexander Bergholz

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