Eppler: Ökologische Wende ist ein Verdienst der Zivilgesellschaft

Podiumsdiskussion mit Erhard Eppler und Finanzminister Nils Schmid in der Evangelischen Akademie Bad Boll

Nils Schmid, stellvertretender Ministerpräsident

Bad Boll – Das ökologische Umdenken in der Bundesrepublik Deutschland ist eine Errungenschaft der Zivilgesellschaft. „Die ökologische Wende ist gegen die Hierarchien durchgesetzt worden. Darauf dürfen wir als überzeugte Demokraten stolz sein. In keinem Ministerium, keiner Parteizentrale, keiner Kirchenleitung oder großen Zeitungsredaktion hat das Umdenken begonnen, und auch die meisten Wissenschaftler waren zunächst eher ein Hemmnis“, sagte Erhard Eppler am heutigen Sonntag in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Das sei auch bei den Kirchen nicht anders gewesen, so Eppler weiter: „In der Kirche waren es einzelne Pfarrer oder Kirchengemeinderäte, die mitgeholfen haben, bei der Kirchenleitung war lange nichts zu holen.“  (Fotogalerie)

Tagung "Ökologisierung Deutschlands"

Dort diskutierte der 84-jährige SPD-Politiker mit dem stellvertretenden Ministerpräsident Nils Schmid, Bernhard Schwager, Leiter der Geschäftsstelle Nachhaltigkeit bei der Robert Bosch GmbH und Jürgen Stellpflug, Chefredakteur der Zeitschrift „Öko-Test“. Die Diskussion bildete den Abschluss der Tagung „Ökologisierung Deutschlands“, die die Akademie gemeinsam mit dem Freundes-kreis Erhard Eppler e.V. anlässlich des 85. Geburtstag Epplers (9. Dezember) an diesem Wochenende veranstaltet hat.

Schmid: "Wir brauchen weiter Wachstum in der Automobilindustrie"

Finanzminister Schmid betonte, eine ökologische Nachhaltigkeit sei nur mit Hilfe technologischen Fortschritts zu erreichen. „Wir brauchen weiter Wachstum in der Automobilindustrie, die Frage ist eben, welches. Wir brauchen ein Wachstum hin zu schadstoffarmen und Null-Emissions-Antrieben“, sagte Schmid.  Die Landesregierung werde diese Entwicklung fördern. „Es ist durchaus in Ordnung, wenn wir mehr Autos produzieren und exportieren, die Frage ist nur, was für Autos das sind“, so der stellvertretende Minister-präsident. Zum Verzicht auf das Auto und damit zum Verzicht auf Mobilität aufzurufen, halte er für wenig Erfolg versprechend. „Wir dürfen keine Verzichtspredigten halten, sondern müssen die politischen Rahmenbedingungen vernünftig setzen, um Ökologie und Ökonomie zu vereinbaren.“

Technologische Lösungen reichen nicht

Demgegenüber warnte Jürgen Stellpflug, Chefredakteur der Zeit-schrift „Öko-Test“, die Erde verkrafte es nicht, wenn eines Tages die ganze Welt eine Autodichte wie Deutschland habe. „So viele Rohstoffe haben wir gar nicht“, so Stellpflug. „Ich warne davor, in der technologischen Revolution die einzige Lösung für unsere ökologischen Probleme zu sehen.“

Forschungsgelder für erneuerbare Energien erhöhen

Bernhard Schwager, Nachhaltigkeits-Experte bei der Robert Bosch GmbH, gab sich optimistisch, dass Deutschland die notwendigen Schritte zu einer nachhaltigen Gesellschaft schaffe. „Aber die Bevölkerung muss mitmachen und wir werden uns von lieb gewonnen Dingen verabschieden müssen. Wir werden zum Beispiel akzeptieren müssen, dass der Ausbau der Stromnetze kommt und dass das mehr oberirdische Leitungen bedeutet – alles andere ist unbezahlbar“, so Schwager. Er forderte mehr Forschungsmittel für den Bereich der erneuerbaren Energien: „Hätten wir in den vergangenen Jahren in Deutschland mehr für dieses Bereich ausgegeben, wären wie heute sich einen Schritt weiter.“

Programm der Tagung

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