Ausbildung von interkulturellen Lotsen

Der Zuzug von Frauen und Männern mit Migrationshintergrund stellt die Gesellschaft nach wie vor große Herausforderungen. Dabei zeigt sich immer mehr, dass das Vertrauen in eine Lösbarkeit der sich aus Zuwanderung der Asylsuchenden ergebenden Aufgaben in Teilen der Bevölkerung geringer wird: Der wachsende Anteil rechtspopulistischer Parteien in allen europäischen Demokratien unterstreicht diesen Sachverhalt; die Revitalisierung nationaler Lösungsmodelle in der Gegenwart kann als Ausflucht aus der als unlösbar empfundenen Problemlage verstanden werden. Zugleich ist absehbar, dass die Zuwanderung von Frauen und Männern aus Regionen auch in Zukunft anhalten wird. Transkulturelle Verständigungsbemühungen in praktischen Vollzügen bleiben damit ein wesentlicher Bestandteil einer offenen, demokratischen und zukunftsfähigen Gesellschaft.

In Kooperation mit einem Sozialverband (Johanniter Unfallhilfe e. V.) sowie einem Naturschutzverband (NABU) im Land Baden-Württemberg werden in diesem Projekt aus diesem Grund Mitarbeitende zu „interkulturelle Lotsen“ durch modularisierte Fortbildungsmaßen ausgebildet. Sie sollen über ein geeignetes methodisches und fachliches Wissen verfügen, um in der konkreten Arbeit in den Einrichtungen/Regionen auf Zukunft hin transkulturelle Lernerfahrungen zu initiieren. Vor Ort soll es ihre Aufgabe werden, solche Lernerfahrungen in die konkrete und praktische Flüchtlingsarbeit zu implementieren. Die Arbeit der „Interkulturellen Lotsen“ wird in den beiden Verbänden durch die Rückendeckung der dieses Projekt mittragenden Führungskräfte unterstützt. Eine Kultur der Achtsamkeit als Grundlage eines jeden demokratischen Gemeinwesens kann sich auf solch einer Basis entfalten.

Wenn für dieses Projekt weiterhin von „Interkulturellen Lotsen“ gesprochen wird, so geschieht dies in der Ermangelung eines in der öffentlichen Diskussion noch nicht wahrgenommenen Begriffs der Transkulturalität, der die Absicht verfolgt, Demokratieförderung unter Einschluss kultureller Ressourcen auf Augenhöhe zu betreiben.