Die anstehenden Tarifverhandlungen in der Automobil- und Zulieferindustrie lenken den Blick auf eine Branche im Wandel. Doch was bewegt die Menschen, die diesen Wandel mitgestalten? In dieser Episode von Glaube. Liebe. Hoffnung. spricht die Stuttgarter Wirtschafts- und Sozialpfarrerin Kathinka Kaden mit Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg.
Im Mittelpunkt steht die Person hinter dem Amt. Barbara Resch erzählt von ihrem Weg an die Bezirksspitze der größten deutschen Gewerkschaft, spricht über ihre Werte, ihre Führungsphilosophie und darüber, was ihr in Zeiten tiefgreifender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen Hoffnung und Orientierung gibt.
Man kann nicht Zukunft gegen die Menschen machen, sondern nur mit den Menschen.
Zugleich geht es um die großen Fragen unserer Zeit: Wie kann die Transformation der Industrie gelingen, ohne Menschen zurückzulassen? Welche Rolle spielen Gewerkschaften für Zusammenhalt, Vertrauen und soziale Gerechtigkeit? Und wie sieht eine Zukunft aus, in der gute Arbeit, wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung zusammenfinden?
Ein persönliches und zugleich hochaktuelles Gespräch über Arbeit, Haltung, Verantwortung und die Menschen hinter den Tarifverhandlungen.

Kapitel dieser Episode
Barbara Resch und die IG Metall Baden-Württemberg [00:00:48]
Transformation der Automobilindustrie: Warum der Industriestandort unter Druck steht [00:04:06]
Soziale Gerechtigkeit, Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung [00:18:08]
Arbeit, Hoffnung und neue Zukunftsbilder [00:29:32]
Frauen in Führungspositionen [00:36:29]
Vom Lehrling zur Bezirksleiterin [00:43:20]
Das Auto der Zukunft [00:58:32]
Kathinka Kaden: Ich freue mich sehr, heute mit einer Frau sprechen zu können, die derzeit sehr oft in den Medien vorkommt. Und ich denke, ihr Name ist in Baden-Württemberg und darüber hinaus sehr bekannt. Barbara Resch von der IG Metall IG Metall Baden-Württemberg. Da ist Barbara Resch, die Bezirksleiterin. Wir werden gleich uns über das Duo unterhalten. Das gewerkschaftliche Duo könnte auch sagen Hallo Barbara, schön, dass du hier bist und dass ich mit dir reden kann. Und zwar nicht nur über Tarifverhandlungen und Gewerkschaftliches, sondern auch persönlich mit dir ins Gespräch kommen darf. Mein Name ist Katinka Kaden. Ich bin Pfarrerin im kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt und Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Bad Boll. Ja Barbara, noch mal ganz herzlich herzliches Willkommen Dir hier in unserem Podcast. Katinka. Ich sage erst mal auch Du und bedanke mich, dass ich dabei sein kann.
Barbara Resch: Ich bin total gespannt auf unseren gemeinsamen ersten Podcast.
Kathinka Kaden: Ja, ich auch. Denn wir haben oft Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler da und wir haben natürlich auch Praktikerinnen und Praktiker da. Aber wir haben denke ich mal selten eine so Berufspolitiker Aktive in unserem Podcast. Glaube, Liebe, Hoffnung, die jetzt auch so vorne steht und vorne stehen muss und viele Verhandlungen führt und sozusagen bündeln muss.
Eine so komplexe Struktur wie die IG Metall Industrie Gewerkschaft habe ich in unserem Vorgespräch schon gelernt, dass es Industriegewerkschaft heißt und dass es längst nicht nur um die Metallbranche geht. Egal, worum es geht, wir werden es vielleicht gleich noch mal von dir hören. Alle duzen sich, die Mitglieder sind richtig?
Barbara Resch: Ja, richtig, wir duzen uns alle. Und es gibt über 2 Millionen Mitglieder. Genau. Bundesweit sind es über 2 Millionen Mitglieder und in Baden Württemberg roundabout 400.000 Mitglieder.
Kathinka Kaden: Das ist die größte Gewerkschaft. Auch glaube ich historisch mit die erste und umfasst nicht nur Metall, sondern welche Branchen sind noch die dabei, die ihr vertretet?
Barbara Resch: Also die größte Branche ist natürlich die Metall und Elektroindustrie und das die, die gerade auch in der Öffentlichkeit im Fokus ist. Aber wir sind auch zuständig für Handwerksbereiche, also beispielsweise für die KFZ Kolleginnen, die in Werkstätten arbeiten, für den Holzbereich vom Schreiner bis zum Glaser, für den Textilbereich, einmal für die Wäschereien, also textile Dienste, aber auch die Textilindustrie. Und wir haben auch Besonderheit in Baden Württemberg, in der Region, vom Vorzeigen. Da gibt es beispielsweise die Edelmetallindustrie stammt aus der historisch, aus der Schmuckproduktion, da gibt es noch ein bisschen was, aber die machen zum Teil jetzt auch Automobilzulieferer. Also wir haben relativ breites Spektrum an Branchen, die bei uns vertreten sind, in der IG Metall.
Transformation der Industrie
Kathinka Kaden: Am meisten. Um das aufs Aktuelle zu sprechen zu kommen, beschäftigt dich jetzt denke ich im Moment die Automobilindustrie. Dieser steht ja ein Umbruch bevor. Die steht mitten in einem Umbruch, den wir so in der Bundesrepublik nicht kennen. Seit 50 Jahren gab es nicht mehr so große Veränderungen und Ankündigungen vonseiten der Arbeitgeber. Vorgestern, das war jetzt am Montag, das war der 21. September ein großer Aktionstag. Und was du auch mittendrin.
Barbara Resch: Genau. Ich war mittendrin. Wir waren bundesweit 175.000 Kolleginnen und Kollegen, die am Montag aktiv waren, in unterschiedlichen Aktionen. Ich selbst war oder durfte mit dabei sein in Sindelfingen bei Mercedes. Und das ist natürlich eine große Fabrik mit vielen Beschäftigten. Und dementsprechend waren da über 20.000 Leute am Tor. Sieben Vielleicht kommst du auch mal mit. Ich weiß nicht, ob du da schon mal warst. Das ist schon beeindruckend, weil man da dann sieht, wie die Leute, die Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichen Werksteilen auch zur Demo kommen. Und das gibt mir beispielsweise auch ganz, ganz viel Kraft. Wenn man dann sieht, nicht nur über Solidarität spricht, sondern die Solidarität dann auch echt sieht. Und in Baden Württemberg hatten wir so 50.000 Leute, die aktiv waren am Montag.
Kathinka Kaden: Am Samstag will ich auf jeden Fall dabei sein. Da wird dann eine große Aktionstag des DGB sein und das Motto selber von jetzt IG Metall ist ja Menschen brauchen Zukunft, Zukunft braucht Menschen. Und da werdet ihr auch unter dem Motto antreten am Samstag.
Barbara Resch: Ja, also da gibt es noch mal vom DGB auch das heißt hart verdient. Also so unter dem Motto wir gehen ja am Samstag jetzt auf die Straße zu dem ganzen Thema, was passiert da gerade mit dem Sozialstaat? Und da ist das Motto vom DGB hart verdient, weil der Sozialstaat fällt nicht vom Himmel, sondern wir müssen alle Beiträge dafür zahlen.
Barbara Resch: Und es ist aber richtig, dass es einen Sozialstaat gibt, da ist das Motto. Aber in der Tat haben wir jetzt in Baden Württemberg ganz viele Aktionen gemacht Unter diesem Slogan Zukunft braucht Menschen und Menschen brauchen Zukunft. Weil du ja richtigerweise gerade die Metall und Elektroindustrie angesprochen hast und die ist ja gerade überwiegend mit schlechten Nachrichten in der Öffentlichkeit, mit vielen Abbau Plänen der Arbeitgeber. Ich ich wenn ich mal darf, würde ich es mal ein bisschen noch mal so zusammenfassen, was da gerade passiert und das gerne mit dem auch ein bisschen mit einem Rückblick machen. Wir wussten vor ein paar Jahren und ich will es jetzt nicht zu lang machen, aber wir wussten vor ein paar Jahren, dass sich gerade im Automobilbau ziemlich viel ändern wird. Also dass der Antriebsstrang der Verbrenner auf kurz oder lang, ob wir das wollen oder nicht, verschwinden wird, weil es einfach die politische Entscheidung hinzu gab. Und wir haben uns das IG Metall auch darauf vorbereitet. Und ich hatte auch einen Eindruck, wir hatten mit mit der Politik und auch mit der Arbeitgeberseite Commitment. Das war jetzt kein Vertrag, aber Commitment, dass diese Transformation sozial gerecht und ökologisch wird.
Und wir haben dann natürlich auch unsere Leute darauf vorbereitet, dass sich wahnsinnig viel ändern wird in den Fabriken, dass wir auch zum Teil, dass Arbeitsplätze verschwinden, neue entstehen, dass wir uns qualifizieren müssen und auch als Stückweit schauen müssen, dass man möglichst viel Wertschöpfung auch hier behalten. Und mittlerweile muss man aber leider sagen, diese Transformation ist weder aus meiner Sicht sozial gerecht ist.
Und das ist auch gar nicht mit einer Schuldzuweisung das sind einfach in der Zwischenzeit jetzt so viele Sachen passiert. Beispielsweise kam bis zum Ukrainekrieg einfach billige fossile Energie aus Russland. Das ist nicht mehr der Fall. Die Energiekosten sind nach oben geschnallt. Wir haben das Problem mit China, die als großer Konkurrent jetzt auf den Markt kommen und und und.
Und Deswegen ist es gerade ein harter Kampf in der Metall und Elektroindustrie. Und da geht es uns zum einen, dass wir diesen Wandel natürlich mitgestalten wollen. Aber wir wollen, dass die Leute nicht auf der Strecke bleiben. Und wenn dann ständig Schlagzeilen kommen, da wird entlassen, da wieder entlassen. Es macht was mit dem Menschen und mit diesem, Mit diesem Motto wollten wir einfach zum Ausdruck bringen Wenn man Zukunft will, wenn man gute Zukunft will, dann braucht man auch die Menschen.
Man kann nicht Zukunft gegen die Menschen machen, sondern nur mit den Menschen.
Kathinka Kaden: Wie du es richtig sagst, es ist alles nicht kommt nicht überraschend dieser Wandel in der Automobilindustrie weg vom Verbrenner. Da gibt es riesige politische Auseinandersetzungen um die richtige Zukunft, sagen wir. Und Visionen gibt es im Moment nicht, hat man den Eindruck. Also man kämpft jetzt doch Die Auseinandersetzung ist jetzt doch sehr hart geworden. Das, was man vor ein paar Jahren versucht hat, das so langsam einzuführen, langsam umzustellen.
Transformation heißt ja eigentlich eher eine langsame Umstellung, aber schon nachhaltig. Es war alles gut gedacht, alles aufwendig, gut eingefädelt, soweit ich das beobachtet habe. Es hätte auch besser laufen können. Was hätte man denn aus deiner Sicht schon deutlich früher sagen müssen? Warum hat es jetzt gut? Der Ukrainekrieg ist das eine, aber das ist eine große Umstellung. Wird war doch vielleicht nicht so bewusst vielen.
Barbara Resch: Ich glaube schon, dass das vielen bewusst war. Aber ich ich habe so einen Eindruck, dass in der Verantwortung für diesen Industriestandort Deutschland, dass sich da was gedreht hat. Und auch da mache ich einen kurzen Rückblick. Jeder Mensch lebt ja so ein bisschen mit, historisch drauf zu schauen, was war, weil man ja selten weiß, was kommt denn hundertProzentig in der Zukunft.
Barbara Resch: Und ich habe ja selbst eine Ausbildung gemacht in der Metall und Elektroindustrie in den 90er Jahren, und da war auch eine große Automobilkrise um. Mein Erlebnis damals war, dass ich als Auszubildende beim Bewerbungsgespräch noch mitgekriegt habe, ich werde übernommen. Und dann hieß es auf einmal Kein Azubi wird mehr übernommen. Und mein Erlebnis war, dass mein Vater, der auch in der Metall Betrieb gearbeitet hat, mit 58 auf einmal daheim war.
Barbara Resch: Und das war auch, glaube ich, eine sehr anstrengende Zeit für die damaligen Betriebsräte, für die IG Metall Leute. Und da gab es aber einen Unterschied. Da hatte ich einen Eindruck, es gibt so ein Wollen, auch der Manager, der Arbeitgeber, dass man schaut, wie man wieder wettbewerbsfähig wird und wie man hier Wertschöpfung halten kann beispielsweise. Da war das Problem, dass die Japaner auch gute Autos baut haben und ähnlich wie jetzt, die uns das so ein bisschen überholt haben.
Barbara Resch: Und dann sind Gewerkschafter und auch Arbeitgeber nach Japan geflogen und haben sich angeschaut, wie die da produzieren. Und mit den Ideen sind die zurückgekommen. Und ich will an dem Beispiel sagen Jetzt ist es anders. Es gibt gerade zu wenig Ideen, zu überlegen, wie man jetzt wieder nach vorne kommt. Die Lage ist ja tatsächlich prekär und man muss dazu sagen, dass natürlich die Autobauer jetzt auch jahrelang davon gut gelebt haben, dass man in China Autos verkauft hat, also die es klasse aus Sindelfingen ist.
Barbara Resch: Da ist ganz viel nach China auch exportiert worden und jetzt bauen die eigene Autos. Aber es gibt zu wenig, sage ich mal, so Commitment, dass man sagt, was muss man jetzt hier machen, um wieder Wertschöpfung zu halten? Sondern unser Eindruck ist, es wird jetzt gerade nur noch gesagt, die Arbeitskosten sind sproblem. Und da müssen wir natürlich dann sagen, weil die sind es auch nicht.
Barbara Resch: Aber das macht die Situation so besonders, glaube ich. Also einmal dieser Transformationsdruck und dann noch mal so dieses fehlende Verantwortung oder zu sagen, hier kann Industrie bleiben.
Kathinka Kaden: Gut, ich meine, Kinder wurde oft als verlängerte Werkbank bezeichnet für Deutschland. Das ist ja eigentlich auch schön, dass sich dort die Arbeitsbedingungen verbessern. Das kann man ja nur wollen. Das gilt auch für andere Länder, gilt auch für die EU Länder, wo ausgelagert wird. Aber natürlich ist sie die Vertretung hier der deutschen Arbeitnehmenden. Und im Moment, so wird es eben durch den Umbruch in der Automobilindustrie Schlüsselindustrie hier für unsere Region.
Kathinka Kaden: Auch Region Stuttgart wird es besonders wahrgenommen, dass das ist.
Kathinka Kaden: Hohe Arbeitskosten sind und man sich auch daran gewöhnt hat, an diese hohen Arbeitskosten. Und das ist das eine. Ich denke mal, das ist schon auch eine Verantwortung oder aufseiten der Arbeitnehmenden. Ich habe auch das Gefühl, das wird von der IG Metall auch ein Stück weit gesehen. Das Problem. Aber es sind natürlich auch nicht die Lösung, dass man sagt, wir sind mit goldenen HandShakes jetzt Verabschiedungs schenken einverstanden.
Kathinka Kaden: Wir brauchen wirklich eine Zukunft, eine Perspektive, eine Kontinuität. Arbeit ist mehr als das Geld verdienen. Und das Leben wird bestimmt von den vielen Arbeitnehmenden. Es gibt die Bosch Familie. Es gibt dieses Selbstverständnis, oder Ich arbeite.
Barbara Resch: Einmal bei Bosch, immer bei Bosch. Genau, oder?
Kathinka Kaden: Das Gleiche gilt aber auch für Daimler oder für Porsche, für für die ganzen großen Firmen und Betriebe. Ich meine die Arbeit gebenden. Du bist auch in verschiedenen Aufsichtsräten dabei, und zwar auch schon ein Weilchen. Vielleicht kannst du da auch noch drauf eingehen, wie du das in den letzten Jahren wahrgenommen hast. Dass es da auch einen Unterschied gibt zu früher sagt es gerade schon damals hattest du den Eindruck Anfang der 90er Jahre.
Kathinka Kaden: Es wird vonseiten der Arbeit gebenden und auch der Gewerkschaften mehr noch wurde mehr darauf geschaut was kann Deutschland jetzt verändern, damit man hier die Wertschöpfung behält, hier die vielen Arbeitsplätze behält und attraktive Produkte für die Zukunft herstellt? Wie ist es jetzt heute? Hat sich was geändert in der Mentalität von Arbeit Gebenden?
Barbara Resch: Das ist schon mein Eindruck als jetzt mit Blick auf diesen Wirtschaftsstandort Deutschland. Weil eigentlich könnte man jetzt auch sagen, wir müssen Stärken stärken. Also es ist klar, wir sind da Hochlohnland. Das war mir jetzt aber die letzten Jahre vor allem in der Metalle und Elektroindustrie und das hatte drei Treiber. Einmal hatten wir einfach die innovativsten Produkte. Wir waren einfach in ganz vielen Sachen technologisch spitze, sei es im Maschinenbau oder auch beim Autobau.
Barbara Resch: Also Made in BaWü war ist er Exportschlager. Dann hatten wir am Massenproduktion also ganz hohe Stückzahl und wir hatten relativ gute Entwicklung der Produktivität. Und das waren die drei Treiber, wo wir als Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten sagen, wir wollen das sozial machen und wollen, dass die Arbeitnehmenden auch davon profitieren. Und alles drei ist gerade total unter Druck.
Barbara Resch: Also bei dem Thema Die innovativsten Produkte sind wir ins Hintertreffen kommen. Jetzt noch mal mit Blick auf China. Bei der Massenproduktion muss man auch sagen es gibt einfach zu viele Autos. Zum Teil sind die Fabriken nicht mehr ausgelastet. Und bei dem Thema Produktivität, das ist eine 90er Jahre dann passiert mit Lean, da haben die versucht, einen Produktivitäts fortschritt zu machen.
Barbara Resch: Auch da kann man so ein Stück weit ins Hintertreffen. Das ist wahrlich auch nicht einfach für uns, dann über so Sachen zu sprechen. Aber ich würde gerade lieber über so Sachen sprechen wie Wenn ich ständig höre, vergeht bei mir kein Tag, wo nicht sicher Betriebsrat meldet und sagt Ich habe jetzt auch Ankündigung, dass bei uns Stellen abgebaut werden.
Barbara Resch: Und das da hat sich, glaube ich, ich ich will da gar nicht einzeln einen Vorwurf machen, aber ist das Stück weit in der Haltung oder wie sieht man denn diesen Standort, was verändert, sondern es ist wieder eher so, da macht man es woanders, also bei der CS beispielsweise, dann baut man Werke in in Ungarn. Jetzt will ich auch, dass die ungarischen Beschäftigten auch Arbeit haben.
Barbara Resch: Und ich weiß auch, dass das mit dem Thema Export natürlich dann oft auch zum Lasten für andere Länder geht. Aber ich bin Lobbyist, denn für die Beschäftigten in Baden Württemberg und ich will, dass wir hier Industrie behalten, weil alles, was einmal weg ist, das kommt nicht mehr zurück. Und die Industrie ist natürlich in Baden Württemberg auch der Garant für, ich sage es mal Wohlstand für alle, weil dadurch können wir Kindergärten finanzieren, Schwimmbäder, also dass wenn das nicht mehr der Fall ist, dann geht halt auch.
Barbara Resch: Wenn in der Werkshalle das Licht ausgeht, geht irgendwann im Schwimmbad aus Licht aus. Vielleicht mal so erklärt Und zum Teil gibt es natürlich das Management.
Barbara Resch: Die gibt es immer noch. Da gibt es auf der Schwäbischen Alb Arbeitgeber, die sind total verwurzelt mit der Region und die wollen auch das schaffen, dass man hier bleibt und überlegen sich, wie sie innovativ nach vorne kommen. Die haben dann auf der finanzielles Problem. Aber es gibt halt zum Teil auch schon auch in der Großindustrie Manager, der werden alle paar Jahre ausgewechselt.
Barbara Resch: Also ich habe es jetzt nicht im Kopf, aber der Audi Betriebsrat hat mir gesagt, wie viele Manager er schon erlebt hat und die haben dann natürlich auch weniger Verbindungen und schauen sich vielleicht nur irgendwelche Exceltabellen an, Wohlstand.
Demokratie, Sozialstaat und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Kathinka Kaden: Demokratie ist ja auch so ein Stichwort, dass unsere Demokratie deswegen so gut funktioniert, weil es uns eben wirtschaftlich so gut gegangen ist in den letzten Jahrzehnten. Andererseits haben die Gewerkschaften ja auch immer wieder kämpfen müssen. Also Arbeitskämpfe gab es ja schon früh in der Industrialisierung überhaupt. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Arbeitskämpfe, auch in dem Wirtschaftswunderland Deutschland.
Kathinka Kaden: Und jetzt wäre die Frage ist ist vergleichbar mit den 70er Jahren die Situation ja nicht. Aber vielleicht so der Arbeitskampf, der kommen wird.
Barbara Resch: Ich glaube, es kommt darauf an, ob wir, also wir haben tatsächlich viele Konflikte in die Betriebe. Wir haben aber jetzt auch wenn ich jetzt das letzte Jahr anschauen, haben wir ohne große Konflikte auch Pakete geschnürt, wo die Beschäftigten was hergegeben haben. Die Arbeitgeber haben Sicherheit versprochen. Wir merken aber, die kommen jetzt noch mehr unter Druck. Jetzt ist es für mich Ich bin 1975 geboren und kenne natürlich die Zeit in die 70er auch nur aus Büchern, Filmen und weiß natürlich, dass es da auch große Ehrungen schaften gab, der Gewerkschaften in der Zeit da war.
Barbara Resch: Aber ich glaube, der große Unterschied zu jetzt ist einfach, dass wir da einfach ein Wachstum hatten, Wirtschaftswachstum und es eher so, es gab eher so eine Aufbruchsstimmung auch der Bevölkerung, dass wenn man einen guten Job macht, wenn man sich auch einsetzt für was, dass sich auch was zum Positiven verändert. Und da habe ich gerade den Eindruck, dass uns das so ein bisschen verloren gegangen ist, dass die Leute eher skeptisch in die Zukunft schauen.
Barbara Resch: Und das ist eigentlich schade, weil an sich, glaube ich, bräuchten wir so was auch wie Vision klingt immer gleich. Man muss zum Arzt gehen. Aber wie stellen wir uns eigentlich ein Leben vor in der Zukunft? Wie soll da die Arbeitswelt sein? Und was gehört auch da alles mit dazu an an Zusammenhalt und so? Und das ist ja alles gerade so dermaßen unter Druck, dass die Leute, glaube ich eher wie du das wahrnimmst, aber dass die Leute eher negativ in die Zukunft schauen.
Barbara Resch: Es ist tatsächlich.
Kathinka Kaden: Habe ich den Eindruck, eine große Ratlosigkeit und wir machen uns zu wenig klar, dass es tatsächlich ein Verteilungsproblem auch gibt. Ihr seid ja insgesamt auch ein soziales Unternehmen sozusagen oder eine soziale Unternehmung. Er macht ja auch in den Betrieben viel für und kriegt auch mit für die anderen. Also jeder. Die Vertrauensleute machen das ehrenamtlich. Es ist ganz viel eigentlich soziales Empfinden da, füreinander ausgedrückt in dem Du, in dem gewerkschaftlichen ist man sich auch nahe.
Kathinka Kaden: Also was würdest du sagen, kann die IG Metall da auch eine soziale Kraft entwickeln oder ist es vorwiegend Arbeitsmarktpolitik?
Barbara Resch: Also ich glaube, wir waren ja seit jeher immer beides. Wir waren Gestalter in den Betrieben, aber auch Treiber für soziale Gerechtigkeit würde ich es mal nennen. Und du sprichst natürlich das Richtige an mit dem Thema Wie ist eigentlich der Wohlstand verteilt? Also wie viel arme Menschen gibt es? Und wenn man jetzt auch die letzten Krisen Jahren anschaut, gibt es zwar auch so einen ganz kleinen Einbruch bei den Vermögenden, aber letztendlich haben die sogar profitiert von dieser Krisensituation.
Barbara Resch: Und es gibt viele Menschen, die mittlerweile auf der Strecke bleiben. Von dem her sind wir schon aus Gewerkschaften bei das, dass wir einmal gestalten, Also das ist unser ureigenste Aufgabe, mit Tarifverträgen die Arbeitswelt zu human zu gestalten, aber zum anderen schon auch eine soziale Bewegung, wo es glaube ich auch viele Überschneidungen gibt zwischen deiner Aufgabe und auch meiner Aufgabe.
Barbara Resch: Du machst ja da auch viel in der Arbeitswelt. Und da sind wir. Da ist noch Luft nach oben, sage ich mal bei diesem, bei diesem Gerechtigkeitsthema in Deutschland finde ich.
Kathinka Kaden: Die IG Metall ist ja nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auferstanden, sozusagen. Im Nationalsozialismus waren die Gewerkschaften verboten und das Vermögen wurde eingezogen. Und nach dem Krieg wurde dann ja die IG Metall wieder aufgebaut aus den beschlagnahmten Geldern ursprünglich und war auch friedenspolitisch oder sagen wir mal von der Ethik her auf Frieden ausgerichtet.
Kathinka Kaden: Jetzt würde mich persönlich interessieren, diese IG Metall Kommt die jetzt in eine Zwickmühle, wenn die Rüstungsindustrie als Ausweg gesehen wird?
Barbara Resch: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil es da in der Tat Widersprüche gibt. Also bei uns sind das seit jeher auch organisiert. Die Beschäftigten in der Rüstungsindustrie, also beispielsweise bei Rheinmetall, machen wir auch Tarifverträge. Und das ist seit jeher auch immer Diskussionsstoff, weil.
Barbara Resch: Natürlich sind wir auch Friedensorganisationen von dem her Ich ich persönlich kann da ganz gut damit umgehen, weil es immer mal wieder Widersprüche gibt im Leben, wo man auf der einen Seite sagt, man ist Friedensaktivisten, auf der anderen Seite sagt man, da gibt es aber auch Menschen, die haben auch einen Anspruch darauf, dass die Arbeitsbedingungen gut gestaltet werden. Ich glaube, dass sich in der ganzen Diskussion jetzt mit mit mehr Kriegen.
Barbara Resch: Was ich voll schlimm finde, Stück weit auch was verändert hat. Unsere Beschlusslage hat sich überhaupt noch nicht verändert. Aber im Diskurs innerhalb der IG Metall vielleicht aus pragmatischen Gründen. Auch, weil natürlich der eine oder andere, der jetzt im Automobilbau war, wechseln kann in in die Wehrtechnik. Auch wenn das nicht unser Problem lösen wird, weil so viel kann man gar nicht bauen an Dingen und hoffentlich muss man auch gar nicht bauen.
Barbara Resch: Aber wie soll ich denn das sagen? Diese das Thema Verteidigung, was da passiert und was wir auch brauchen, glaube ich, hat sich der Diskurs innerhalb der IG Metall auch geändert. Aber die IG Metall ist ja vorher gesagt 400.000 Mitglieder. Wir haben natürlich und wir sind ja Einheits Gewerkschaft. Wir sind auch sehr, sehr bunt und wir haben Menschen, die ganz arg Friedensaktivisten sind.
Barbara Resch: Für die ist es, glaube ich, noch mal schlimmer auszuhalten. Wie für jemanden, der sagt ziemlich pragmatisch okay. Die sind auch Arbeitnehmenden. Es sind Beschäftigte, um die muss man sich kümmern. Aber in der Tat bleibt es ein Widerspruch. Und wir mobilisieren natürlich immer noch zu den Ostermärschen und so und sind auch Friedensaktivisten. Aber auf der anderen Seite haben wir es schon immer aushalten müssen, dass wir beschäftigt.
Barbara Resch: Wir haben in der in der Wer Technik.
Kathinka Kaden: Aushalten ist, glaube ich, ein gutes Stichwort auch für die moralischen Dilemmata. Also diese ganzen moralischen Zwickmühlen gibt es ja auch mit der Ökologie. Ja, aber das Sozialstaat, so wie es im Moment diskutiert wird, wird erhalten bleiben müssen. Da werden wir, denke ich, aus meiner Einschätzung überhaupt keine Alternative dazu haben. Wenn wir als Gesellschaft zusammenhalten wollen. Und es stimmt, das haben die Kirchen genauso, ist natürlich genauso das Ziel von kirchlicher Arbeit Zusammenhalt, Gemeinschaft, Versöhnung, Miteinander, die Probleme lösen, die das Leben für jeden mitbringt.
Kathinka Kaden: Das hast du auch als Ziel für die IG Metall beschrieben, sowohl jetzt schon länger, immer schon in den Betrieben, aber auch gesamtgesellschaftlich. Konflikt muss aber auch sein, damit die Interessen ganz klar sind.
Barbara Resch: Letztendlich müssten ja alle gesellschaftlichen, und zwar die demokratischen gesellschaftlichen Akteure überlegen unter welchen Bedingungen wollen wir eigentlich leben und wie kann man das fair gestalten? Für mich ist es echt schwer, weil das so weit weg ist von meiner Realität. Weil die Realität ist ja eher gerade damit bei mir. Also täglich Brot ist eher zu verteilen, schon auch ein Stück weit zu verteidigen, was wir haben.
Barbara Resch: Weil ich auch feststelle, dass es gerade wenig gelingt, dass wir einen echten politischen Diskurs machen. Also an sich ist ja so viel unter Druck und so viel in Gefahr. Du hast vorher auch angesprochen So ein Ruck nach rechts, die Demokratie bröckelt. Manchmal macht man sich auch Sorgen. Hält die Demokratie in Deutschland Und eigentlich müssten sich ja alle, alle politischen Akteure irgendwie Gedanken machen Was ist Ihr Beitrag zu diesem großen Ganzen?
Barbara Resch: Und das findet halt null statt. Also auch wenn ich jetzt mal skeptisch auf uns schaue, sagen wir auch das müssen jetzt die Arbeitgeber liefern, das muss die Politik liefern. Die Arbeitgeber sagen, das müssen die Arbeitnehmer liefern. Ich Ich mache es jetzt mal ein bisschen plastisch. Die Politik sagt auch das müssen die Arbeitnehmer liefern. Und wir kommen aber nicht weiter.
Barbara Resch: Und wir verlieren ja, finde ich, viel Zeit. Und wir hängen tatsächlich auch Menschen ab. Und eigentlich, wir haben ja vorher von diesem großen Wandel gesprochen. Wir haben noch gar nicht angesprochen, was KI mit der Arbeitswelt macht und so, eigentlich müssten wir die Leute eher begeistern zu sagen Hey, wir müssen irgendwas anders machen. Und ich will jetzt mal die IG Metall so einschätzen, auch mich mehr werden natürlich bereit, auch was zu verändern, weil das ist auch unser täglich Brot, dass wir was weiß ich auch historisch.
Barbara Resch: Es gab in Baden Württemberg eine riesengroße Unterhaltungselektronik, Industrie oder uhren. Industrie oder Textilindustrie war immer schon Wandel. Aber momentan nehme ich nicht wahr, dass es Akteure gibt. Jetzt sei es in der Politik und auch zu wenig in der Arbeitgeberseite, die wirklich sagen Ja, lass es uns mal von hinten her denken, wie soll das denn eigentlich ausschauen? Und wir eben zu wenig von von eher wie könnte der Industrie, wie könnte auch erleben in Baden Württemberg auch schon.
Barbara Resch: Was brauchen wir alles, da brauchen wir ökologische Produkte, sondern jeder ist so in. Eigentlich sagt jeder gerade, was der andere liefern müsste und keiner liefert. Aber so richtig. Und das klingt jetzt vielleicht ein bisschen naiv, aber eigentlich wäre es gut, wenn man würde sich an den Tisch setzen und erst wieder aufstehen. Man sagt Jetzt haben wir ein Stück weit Erlösung, weil ich merke, unsere Leute verlieren auch den Glauben an die Politik, weil viele Sachen ja auf der Hand liegen, die man machen müssten.
Barbara Resch: Und der Eindruck ist ja eher, da passiert zu wenig oder die kloppen sich nur. Und das glaube ich, hat ist auch ein Thema. Warum?
Barbara Resch: Ich sage jetzt mal das Vertrauen auch sinkt in in Parteien und dann manche einfach auch auf den Leim gehen und sagen ja, da gibt es ja einfache Antwort wenn der Verbrenner bleibt. Ich mache es mir an dem Beispiel fest Wenn der Verbrenner bleibt, bleiben auch die Arbeitsplätze bei.
Kathinka Kaden: Dieser Podcast hier heißt Glaube, Liebe, Hoffnung und deswegen kannst du ruhig auch sagen, was du hoffst, was du glaubst. Und ich finde den Gedanken von dir sehr schön, dass wir das von hinten anschauen. Also in 20 30 Jahren und dann davon ausgehen. Wir meinen es alle gut miteinander und dass dies das darf nicht weiter bröckeln. Wir meinen es gut miteinander.
Kathinka Kaden: Glaube, Liebe, Hoffnung. Liebe ist die höchste Wir. Liebe heißt eben Das ist ein Zitat aus der Bibel, aus dem Korintherbrief und natürlich sehr berühmt. Die Frage ist eben Was macht man mit? Mit ganz vielen, die sich umstellen müssen in ihrem, in ihrem Alltag. Weil die Arbeit wahrscheinlich wegfallen wird und sie tatsächlich erst mal einer Beschäftigungslosigkeit sehen müssen. Unser Sozialstaat fängt auch eigentlich auf die meisten.
Kathinka Kaden: Die Frage ist natürlich schon auch was passiert mit Arbeitnehmenden, die sehr viel Geld verdient haben, die dann noch ein Jahr lang auch, aber über das Arbeitslosengeld recht viel verdienen werden. Aber dann fängt es an mit richtig schwierigen, prekären Situationen da was aufzubauen. Das sehe ich jetzt als Frau im Dienst in der Arbeitswelt schon eine Herausforderung. Dass wir die Arbeitslosen Beratung da noch mal verstärken.
Kathinka Kaden: Das sehe ich aber auch Arbeit gebende in der Verantwortung, dass sie da sich auch überlegen, diese Beschäftigten, die wir hatten, dann die können wir ja nicht einfach irgendwie da raus manövrieren, raus vermitteln irgendwohin und dann sind sie uns wurscht. Ja, sondern die haben mit uns diesen Wohlstand erarbeitet, diesen diese schönen Jahre, die wir hatten, so gesehen. Jetzt gibt es auch noch eine Verantwortung.
Kathinka Kaden: Wird in die Richtung auch schon was überlegt, dass wir sagen, wir sind auch noch für die Ehemaligen zuständig?
Barbara Resch: Auch. Aber vielleicht muss man da noch mal die Klammer machen. Der Auftrag der IG Metall ist natürlich gerade, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Also wir haben in ganz vielen Betrieben dazu auch Pakete geschlossen, wo die Beschäftigten was hergeben. Es wäre jetzt mal so das erste Ziel, möglichst viel Wertschöpfung hier zu behalten. Und wenn man demografisch drauf schaut, ist es ja so, dass wir weniger werden an dass man eigentlich Zuwanderung auch brauchen, um alle Arbeitskräfte hier zu halten.
Barbara Resch: Von dem her ist erst mal der erste Schritt zu sagen, möglichst viel Beschäftigung zu erhalten. Und der zweite Schritt ist natürlich wie geht man mit den Menschen um, die entweder das hattest du ja vorher mal ausgeführt was anderes machen müssen oder dürfen, je nachdem wie man das sagen will. Und das Gefühl ist gerade, glaube ich für die Leute eher, sie müssen was anderes machen.
Barbara Resch: Und wie gehen wir auch in in der Gesellschaft damit um? Und ich habe vorher das Beispiel von meinem Papa gemacht, 58 der ging auch mit einer guten Abfindung nach Hause. Jetzt reden wir aber nicht mehr über die acht 50-jährigen, gerade in der Metall und Elektroindustrie, sondern ich weiß von einzelnen Konzernen, da redet man über den Jahrgang 75. Ich habe mir das so eingeprägt, weil es mein Jahrgang ist, also 51-jährige, die jetzt rausgehen sollen.
Barbara Resch: Jetzt gönne ich das jedem Einzelnen, weil die in der Tat gerade momentan noch. Die Frage ist, wie lange geht das noch mit einem guten Abfindung spaket? Rausgehen aus der Beschäftigung und sich dann vielleicht der Wohnmobil kaufen und irgendwie ihr die Rente mit einer 50 in Anführungszeichen genießen? Aber gesellschaftlich finde ich es eigentlich schrecklich und auch volkswirtschaftlich finde ich nicht gut, weil er jetzt gerade Milliarden Euro auch ausgeben werden, um die Leute früher rauszukriegen.
Barbara Resch: Und ich finde auch da gehört eigentlich noch mal Diskurs hin. Was ist das eigentlich das Richtige? Oder haben wir andere Ideen? Wir haben da kleine Sachen gemacht. Wir haben vor kurzem einen Tarifvertrag macht, der nennt sich regionale Personalüberlassung, wo wir versucht haben, jetzt in Regionen Leute praktisch mal schnuppern zu lassen am anderen Betrieb, dass man sechs Monate einfach mal reinschauen kann.
Barbara Resch: Taugt mir das? Oder wo sich die Unternehmen auch die Leute ausleihen können. Der eine hat vielleicht über Auslastung, der andere weniger. Aber das ist, glaube ich, wenn man die Größe der Metall und Elektroindustrie anschaut, irgendwie Der Tropfen auf den heißen Stein. Aber ist zu wenig. Aber ich finde schon. Es bräuchte eine gesellschaftliche Diskussion und das sind nicht nur die Gewerkschaften gefragt.
Barbara Resch: Wir machen natürlich auch Arbeitslosenberatungen. Bei uns hat man Rechtsschutz, wenn man auch arbeitslos ist. Aber wollen wir das eigentlich, dass die Leute jetzt und das kostet uns ja allen was und noch mehr Ich gönne es jedem Einzelnen, aber es ist ja eigentlich Wahnsinn, weil da gibt es Menschen, die haben, sind hochqualifiziert. Gibt es auch Menschen, die wollen eigentlich auch noch was machen, Die wollen jetzt nicht bis 60 arbeiten, aber wenn man einer 50 ist, will man vielleicht auch welche Angebote machen wir?
Barbara Resch: Und da könnte man ja auch mal anders darüber nachdenken. Wir haben zum Teil Familien, die finden für ihre Kinder keine Unterstützung, wenn die Kita Öffnungszeiten sind so gering also wo man vielleicht auch mal darüber nachdenken könnte, was machen wir denn mit den Menschen? Und da bin ich jetzt nicht nur beim Ehrenamt, sondern wie? Wie geht man da als Gesellschaft auch um?
Barbara Resch: Weil die Metall und Elektroindustrie natürlich riesig und wenn ich jetzt was, was wir nicht wo wir dagegen kämpfen werden. Aber wenn ich die Region Heilbronn anschaue, Neckarsulm mit dem Werk, das sind 15.000 Leute, die im Werk beschäftigt sind. Das soll, ja, gibt es ja jetzt die Diskussionen, wo die Menschen ja sogar aus der Zeitung die Mitteilung kriegt haben, dass das Werk geschlossen werden sollen.
Barbara Resch: Wir da halten wir dagegen. Aber was? Das macht ja mit so einer Region sehr irre, weil es sind denn nur die 15.000, sondern das sind dann nur die Zulieferer, das ist der Bäcker um die Ecke, der auch kein Geschäft mehr macht, wenn die Leute eigentlich. Eigentlich bräuchte man viel mehr Diskussion. Wieder bin ich wieder bei dem von hinten her denken was wie könnte auch ein Industrie Zielbild ausschauen und wie kann auch ein gesellschaftliches Zielbild ausschauen?
Barbara Resch: Wie wollen wir in 2030 arbeiten und leben? Und was muss man jetzt machen, damit man dahin kommt? Weil das ist auch gerade unser Problem. Man hat das zu wenig Macht bei dieser Umstellung vom Verbrenner zur Elektromobilität. Es ist beschlossen worden, aber es ist zu wenig gedacht worden. Wie kriegt man denn das hin?
Frauen in Führungspositionen
Kathinka Kaden: Du bist als Frau da drin und Frauen würde das so traditionell zugeschrieben, dass sie doch eher auch das das füreinander sorgen übernehmen usw. Jetzt würde mich da zweierlei interessieren. Zum einen du bist ja wie gesagt in Aufsichtsräten dabei. Du bist, Du führst Verhandlungen, Tarifverhandlungen. Hast du das Gefühl, du wirst anders wahrgenommen als männliche Kollegen?
Barbara Resch: Ich finde, da hat sich was verändert. Ich bin jetzt 25 Jahre bei der IG Metall hauptamtlich beschäftigt und ich will da erst mal Danke sagen an die Frauen, die vor mir auch in so Rollen waren, weil dies glaube ich erst möglich gemacht haben, dass es jetzt eine Frau aus Bezirksleiterin gibt Bei der IG Metall ist natürlich auch die Metall ist natürlich geprägt, haben viele männliche Beschäftigte und die Metall hat sich da aber auch irre verändert.
Barbara Resch: Wir haben ganz viele Frauen, auch bei uns in den Geschäftsstellen, die sich für die Arbeit vor Ort, die organisieren, kümmern und Verantwortung übernehmen. Da gibt es viele Frauen, aber ich glaube schon, insgesamt natürlich anders wahrgenommen, glaube ich, wie die Männer. Es fällt mir dann ich finde, es ist kein Hindernis. Ich habe jetzt nicht den Eindruck, dass ich damit zu kämpfen habe, aber ich denke schon, weil das immer noch eine Männerdomäne ist.
Barbara Resch: Es gibt zwar diese Quotierung in den Aufsichtsräten, da hat sich echt was getan. Aber wenn man so die Vorstandsebene anschaut, was ich mache. Ein Beispiel Bei Mercedes gibt es eine Frau, im Vorstand ist die Arbeitsdirektorin und das ist in vielen Firmen noch so, dass es weniger Frauen in Führungsverantwortung gibt. Aber es ist für mich jetzt nicht so, dass ich sage, das ist, ähm, also so ganz offensichtlich, Ich glaube, das traut man sich heutzutage auch nicht mehr.
Kathinka Kaden: Also das ist das eine, dass man sich freuen kann, dass es möglich ist, als Frau heute in solche Spitzenpositionen zu kommen und auch als Frau. Natürlich wird man wahrgenommen. Kenne ich auch als Pfarrerin jetzt auch schon in den einzelnen Gemeinden. Ist ja auch ganz oft vorher nicht so nie so gewesen. Hatten wir ja noch nie eine Frau auf der Stelle.
Kathinka Kaden: Das begegnet Frauen immer wieder, zumindest meiner Generation. Also als ich tätig geworden bin, in den 90er Jahren in den aktiven Dienst gegangen bin, da war ich auf mancher Stelle die erste Frau.
Barbara Resch: Das glaube ich ja.
Kathinka Kaden: Also dieses öffentliche Wahrgenommen werden als Frau, und dass dann natürlich auch Kollegialität sich verändert. Da gibt es auch genügend Untersuchungen, das tut auch gut. So eine Diversität tut auch gut. Wäre auch natürlich jedem Unternehmen zu wünschen. Viele sind auf auf dem Weg, aber auch für dich persönlich. Also das ist das eine. Du wirst so wahrgenommen. Wahrscheinlich nicht. Also du hast noch nicht so genau beschrieben, was du Verhandlungsbereitschaft wahrgenommen, oder?
Kathinka Kaden: Hast du das Gefühl, dass Männer kompromisslos unterwegs sind?
Barbara Resch: Ich glaube schon, dass Männern mehr andere Eigenschaften zugeschrieben werden. Ob die die dann haben oder nicht, ist die Frage ist die Frage, sondern dass man sich bei Frauen dann eher an diesen soften Sachen abarbeiten. Also was mir auffällt beispielsweise Ich werde ganz oft gefragt Geht es dir gut? Also es ist jetzt so, das ist irgendwie, wo ich mir denke, ein Mann in meiner Position würden die so was nicht fragen oder anders fragen.
Barbara Resch: Es gibt schon so paar Sachen, wo ich sage, das ist so stereotypisch, da müsste man tatsächlich vielleicht auch mal die Arbeitgeber fragen bei Südwestmetall, wie die das einschätzen. Ich bin jetzt, wir haben ja bei der IG Metall sieben Bezirksleiter und ich bin die einzige Frau. Wir haben die Christiane Benner aus Vorsitzende und die Nadine Bogoslav im Vorstand, die für Tarif und für die Kasse zuständig ist.
Barbara Resch: Wir sind drei Frauen und wir sind insgesamt zwölf, also sieben Bezirksleiter und fünf geschäftsführende Vorstandsmitglieder. Sind wir schon in der Minderheit, aber immerhin drei. Und ich glaube schon, dass den, den es gab, jetzt erst Zeitungsartikel. Wo trainiert die junge und unerfahrene Bezirksleiterin? Das hätten die über den PEN, glaube ich nie geschrieben. Muss ich auch dazu sagen. Musste ich schmunzeln.
Barbara Resch: Über das Jungen habe ich mich gefreut.
Kathinka Kaden: Also es wird schon. Können wir das gut vorstellen, dass viele mit dem Wie geht es dir ja gleich so eine persönliche Dimension betreten, sag ich mal, wo man so das Gefühl hat, das ist mir jetzt eigentlich zu nahe, ein bisschen distanzlos, das kenne ich auch. Also sowohl das gibt es ja von Frauen wie von Männern, wo man glaube ich, wirklich als Frau viel eher mal mit so persönlichen Kommentaren rechnen muss, oder Das sieht jetzt gut aus, was du an hast oder das kommt auch oft.
Kathinka Kaden: Oder kann ich dir ein Temporeichen oder so ungefähr Das war doch jetzt und du denkst Nein, das ist. Hallo? Ja, also ich glaube da ist das in der Respekt Frage auch aber das wird Männern noch. Also da kann ich mir schon vorstellen, wenn dann so ein Arbeitgeber so auftritt, geradezu so ein 2 Meter Mann und vielleicht noch ein 2 Meter Mann, dann wirkt das schon mal ganz anders.
Kathinka Kaden: Und es sind viele schon sehr viel ruhiger. Eingeschüchtert kann man vielleicht auch sagen ja und hören auch noch mal ganz anders zu. Der kann auch eine andere Sprache verwenden. Das finde ich schon. Das ist gar nicht so einfach. Voll ernst ernstgenommen zu werden. Wird man schon, aber man muss sich, man muss die Worte doch noch mal ganz genau überlegen und sich auch überlegen, wie man die diplomatisch mit diesen Annäherungen, sag ich mal, diesen Distanzlosigkeit umgeht.
Barbara Resch: Obwohl ich wirklich sagen muss Ich bin das will ich wiederholen. Ich bin den Frauen, die vor meiner Generation aktiv waren, wirklich dankbar, weil ich in meiner Biografie glaube ich, schon einiges nicht mehr erleben musste wie Frauen vor mir. Ich glaube, das war noch viel anstrengender und viel nerviger. Also da gab es ganz viel, glaube ich, Pionierarbeit von sehr emanzipierten Frauen vor mir innerhalb, aber auch außerhalb der IG Metall, sodass das überhaupt möglich ist, sage ich jetzt mal, und das ist auch gut so für die Gesellschaft.
Barbara Resch: Es wäre schlimm, wenn da bestimmte Leute, also wegen dem Geschlecht bestimmte Sachen machen kann. Aber es gibt da auch noch was zu tun, dass das ganz gleich wird.
Persönlicher Weg zur IG Metall
Kathinka Kaden: War Dir das in die Wiege gelegt, dass du Gewerkschafterin wirst. Mhm.
Barbara Resch: Nein, gar nicht.
Kathinka Kaden: Das ist was anderes. Wo? Du bist Ja. In Oberbayern geboren.
Barbara Resch: Genau.
Kathinka Kaden: Und wie ging es dann los mit der Berufstätigkeit?
Barbara Resch: Also, ich glaube, auch sehr klassisch. Ich habe mittlere Reife gemacht. Und dann gibt es ja so was wie Schnupperpraktiken, die man machen kann. Und ich hatte schon immer ein Faible, so ein bisschen für Technik auch. Also es hat mir immer Spaß gemacht. Jugendliche Meine Tante hat bei Fischer geschafft in Baden Württemberg und diese Fischertechnik, das ist zum Bauen und so und dann habe ich ein paar Praktika gemacht und unter anderem in dem Betrieb, wo mein Vater auch geschafft hat und da war Einmal hat mich das interessiert.
Barbara Resch: Ich habe Elektronik erinnern gelernt, irgendwie so dieses Handwerkliche, also was mit den Händen zu machen. Und zum anderen auch ganz pragmatisch habe ich gesehen, dass die Ausbildungsvergütung, Metall und Elektroindustrie gut ist, dass die Arbeitszeit ganz okay ist und dass es wohnortnah war. Und da habe ich dann meine Ausbildung begonnen und ich hatte eigentlich von meinem Elternhaus her wenig Berührung mit Gewerkschaften, habe bei uns keine Rolle gespielt und ich war dann in dem Betrieb.
Barbara Resch: Und dann kam da der Betriebsrat und meinte, wenn man in der Metall arbeitet, muss man auch Gewerkschaftsmitglieder sein. Und da habe ich erst mal gesagt Nein, wieso? Und ich bin, ich kann für mich selber sprechen. Und ich muss ehrlich sagen, im Nachhinein bin ich ihm dankbar, weil der so hartnäckig war. Der kam dann immer wieder zu uns. Und dann bin ich eigentlich Mitglied worden.
Barbara Resch: Wenn man dachte, okay, dann kommt er jetzt nicht noch mehr um die Ecke und dann bin ich aber aktiv worden, dann haben die gesagt Geh doch mal aufs Seminar und dann habe ich erst auch so was wie ein Interessen Gegensatz zwischen Arbeit und Kapital kennengelernt und auch kennengelernt. Dass es wichtig ist, dass man im Kollektiv was erreicht, Dass man, wenn man allein was machen will, verändern will, dass es dann nicht möglich ist, sondern dass es wichtig ist, dass man das gemeinschaftlich macht.
Barbara Resch: Und so bin ich dann als Ehrenamtliche zur IG Metall kommen und dann ein paar Jahre später ins Hauptamt und das wahrscheinlich, wenn mich jemand mit 13 gefragt hätte, hätte ich gesagt Was ist eigentlich Metall?
Kathinka Kaden: Und dass du mal Bezirksleiterin wirst, Das war dir dann irgendwann schon ein Ziel. Oder wird man das einfach bei der IG Metall? Man muss vielleicht mal was zur Struktur sagen, also das vorher schon gesagt. Das gibt in Baden Württemberg 27 Bezirke oder. Geschäftsstellen Geschäftsstellen mit ersten Bevollmächtigten. Auch wie es die Struktur so insgesamt.
Barbara Resch: Also wir haben eben in den Regionen in ganz Baden Württemberg 27 Geschäftsstellen, die führende auch ihre Geschäfte mit mit sehr demokratischen Einheiten. Wir haben halt so Begriffe, die von außen, glaube ich wenig damit anfangen kann. Da gibt es einen Orts Vorstand, das ist so was wie die Regierung vor Ort und die Delegiertenversammlung Parlament. Und dann haben wir eben diesen Vorstand, den ich vorher erwähnt habe in Frankfurt, der wird gewählt, auch alle vier Jahre.
Barbara Resch: Das sind nicht nur die fünf Vorstandsmitglieder, sondern da gibt es ehrenamtliche Vorstand. Vorstände sind auch die, die Liane beispielsweise, die erste Bevollmächtigten. Stuttgart ist auch Mitglied im ehrenamtlichen Vorstand. Und dann haben wir Bezirke und die Bezirke, die sind zuständig, vor allem für die Tarifpolitik, also Tarifverhandlungen zu machen in den verschiedenen, also in der Metallindustrie, aber auch beim Holz und Kfz, was man vorher hatten.
Barbara Resch: Und die Bezirksleiter werden bestellt. Und jetzt so von meiner Biografie hier war das auch nicht ganz vorbestimmt, aber ich hatte schon sehr großes Interesse daran. Ich war selbst auch schon in zwei verschiedene Geschäftsstellen in Bayern und bin dann in die Tarifabteilung im Bezirk Bayern. Und das, das fand ich genial, das Angebot, weil ich finde, die Tarifarbeit ist aus meiner Sicht das Herzstück der Gewerkschaftsarbeit, weil man da am meisten auch den Nutzen merkt und wirksam wird in den Betrieben und weil man es viel mehr in der Hand hat, was selber zu gestalten.
Barbara Resch: Manchmal ist es sehr mühsam, auch mit der Politik zu sprechen. Es dauert alles ewig. Wenn man Tarifverhandlungen macht, dann geht das relativ, finde ich zeitnah, dass man sagt das wollen wir. Und wie schaut dann am Ende des Tages der Kompromiss aus? Und.
Barbara Resch: Da war ich eben in Bayern und dann haben die Baden Württemberg anklopft und durch das, dass meine Mutter aus Baden Württemberg kommt, habe ich gedacht, das ist gar nicht schlecht. Und Baden Württemberg ist natürlich in der Tarifpolitik auch herausragend, weil die ganz viel Pilotabschlüsse Arbeitskämpfe in der Vergangenheit gemacht haben. Und dann bin ich eben in die in die Bezirksleitung und habe da Tarif Arbeit gemacht.
Barbara Resch: Und als Roman mein Vorgänger sich entschieden hat, was anderes zu machen, dann wusste ich, da hätte ich richtig großes Interesse daran, ihm nachzufolgen. Und das hat dann geklappt.
Arbeitsalltag und Kraftquellen
Kathinka Kaden: Ich stelle mir das ja als 24 sieben Job vor, Bezirksleiter in der IG Metall, jetzt in diesen Zeiten in Baden Württemberg zu sein. Viele andere schauen auf das Land und schauen jetzt hier auf die Abschlüsse hier 24 sieben kann aber kein Mensch arbeiten. Ich kämpfte ja selber dafür, dass es humane Arbeitszeiten gibt. Sozialverträgliche Kommst du noch überhaupt zu Freizeit und Erholung?
Kathinka Kaden: Und jetzt in diesen Tagen ja.
Barbara Resch: Also es ist zwar jetzt nicht unendlich viel Freizeit, weil in der Tat die Tage lang sind und ich weiß jetzt, wenn wir jetzt auch in die Verhandlungszeit einsteigen, am 7. Oktober beginnen ja die Tarifverhandlungen, dass dann der Kalender einfach voll ist und dass das im Fokus ist. Da macht man dann natürlich auch andere Sachen dann einfach mal nicht, die man sonst macht.
Barbara Resch: Aber ich komme schon dazu. Und ich glaube, es braucht auch jeder Mensch braucht nur mal irgendwie einen Ausgleich. Also am Samstag beispielsweise war ich auf einer Kundgebung in Münsingen, weil da werden auch 160 Arbeitsplätze verlagert und die Kolleginnen und Kollegen haben da am Samstag eben demonstriert. Und dann bin ich nachher wandern gegangen, zumindest noch Nachmittag. Ich versuche schon immer wieder, für mich auch Auszeiten zu generieren, weil ich glaube, das braucht jeder.
Barbara Resch: Und da gibt es Phasen, da ist es leichter. Und dann gibt es Phasen, wo man einfach, ich sage jetzt mal, dem Auftrag gerecht werden muss. Und da gibt es halt dann mal Phasen, wo es einfach. Da kann man dann nicht auf der Schwäbischen Alb passieren gehen, weil man sich um andere Sachen kümmern muss.
Kathinka Kaden: Und wo schöpfst du Kraft für dich persönlich, dass das so dass alles bestehen kannst? Die ganzen Diskussionen, Auseinandersetzungen.
Barbara Resch: Schon in der Natur. Also ich gehe gern wandern. Ich war jetzt auch im Urlaub in Oberbayern und habe so ein paar Wandertouren gemacht. Das tut mir gut, wenn man in der Natur ist, wenn man dann einfach auch mal nur gucken kann und sich bewegt. Auch das tut mir auch gut, das schöpfe ich auch. Gerafft. Manchmal macht man es zu wenig.
Barbara Resch: Und was mir auch Kraft gibt, ist einfach die die IG Metall und damit meine ich die Menschen, die da aktiv sind in der IG Metall. Also wir hatten gestern ja Tarifkommission und da gibt es so viele tolle Leute, die sich so mit Herzblut engagieren, Betriebsräte, Vertrauensleute und da, die machen ja auch ganz viel ehrenamtlich mit uns, für uns, für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, da kriege ich Kraft.
Barbara Resch: Oder wie beispielsweise der Montag jetzt bei dem Aktionstag in Sindelfingen, Da kriegt man ja auch Gänsehaut, wenn man sieht, dass die Leute davor das Tor kommen und dass die.
Barbara Resch: Bei ZF beispielsweise schon ein paar Monate her, da hat man auch einen Aktionstag. Dann hat genau in der Sekunde, wo wir die Kundgebung angefangen, Es hat geregnet ohne Ende und ich dachte mir, die gehen jetzt bestimmt alles sofort, weil die wollen nicht nass werden und die sind stehenblieben und haben uns zugehört und haben haben sich für ihre Interessen eingesetzt.
Barbara Resch: Und das gibt mir, das gibt mir Kraft. Das ist also ein schönes Erlebnis, wo man Kraft tanken kann. Und dann gibt es natürlich wieder andere Termine, die einem eher Kraft ziehen.
Kathinka Kaden: Also ich gebe Metall, Arbeit macht Spaß. Höre ich da raus, gibt Kraft. Ja, natürlich, absolut Solche und solche Termine. Aber diese, diese große Gewerkschaft muss man ja auch sagen. Das bedeutet einfach auch viel, viel Austausch, Zuspruch, Leben in Fülle sozusagen. Warum ist die IG Metall die größte? Das kann man sich erklären mit der Industrie natürlich den Branchen, den die ihr vertretet.
Kathinka Kaden: Aber es wäre ja wünschenswert, genau so ein Leben auch in anderen Branchen zu haben. Es gibt aber viele Branchen, wo die Gewerkschaften eigentlich kaum vorhanden sind.
Barbara Resch: Es bedauerlich.
Kathinka Kaden: Finde ich diese Einsicht, dass das Kollektiv stark macht. Das wäre ja auch so Zukunftsthema. Wie kriegen wir denn wieder diese Einsicht hin, dass nur die Gemeinsamkeit quasi stark macht? Da sind wir Kirchen ja auch immer dran. Also wir versuchen ja auch, möglichst vor Ort viele Leute zu verbinden. Natürlich gibt es bei uns die konfessionelle Trennung und Religion wird wird kritisch wahrgenommen von ganz, ganz vielen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen.
Kirche, Glaube und Hoffnung
Kathinka Kaden: Spielt die Kirchen für dich eine Rolle, eine wichtige Rolle oder was würdest du uns als Griechen Leuten empfehlen?
Barbara Resch: Ich glaube, dass die Kirchen auch ähnliche Schwierigkeiten. Vielleicht haben wir, die Gewerkschaften, diese Binde Kraft Aber ich denke schon, dass also Organisationen wichtig sind für die für die Gesellschaft. Absolut. Und Glaube kann ja auch unterschiedlich funktionieren, Aber Glaube was Wichtiges. Ich habe vorher immer gesagt, man braucht ja auch einen Glauben, dass das Leben gut weitergeht an Glauben, dass man selber an Wert hat.
Barbara Resch: Als Mensch und Sonntag sind finde ich Kirchen ein wichtiger Teil. Und ich glaube schon, dieses Thema binde Kraft und so, die schwindet. Wir haben die noch ganz gut, aber wir machen uns auch Gedanken wie wie wir die Binde, Kraft oder auch das Vertrauen weiter behalten. Und von dem her, finde ich, sind Kirchen ein wichtiger gesellschaftlicher Akteur und ganz oft für Gewerkschaften ja auch ein Partner.
Barbara Resch: Also gerade in der Arbeitswelt. Und du hast ja vorher die Schwierigkeiten angesprochen und viele Menschen verlieren jetzt ihren Job und so und da weiß ich, dass es da auch viele Initiativen dann vor Ort gibt, wo es Unterstützung für uns gibt, weil es macht ja was mit den Menschen. Also verlieren ja gerade auch viele Hochqualifizierte im indirekten Bereich ihren Job, die eigentlich gedacht haben.
Barbara Resch: Ich habe gute Ausbildung, ich kann was, ich bin Ingenieur, ich ich bin in meinen, in meinen Themen gut und die hätten wahrscheinlich ihr Leben nicht glaubt einmal beim Bosch, immer beim Bosch, dass sie jetzt so Schwierigkeiten haben. Das macht was mit den Menschen. Und von dem her, glaube ich, gibt es da viele Verbindungen. Und ich habe in meiner Tätigkeit das immer für sehr gut befunden, was ihr auch in der Arbeitswelt macht.
Barbara Resch: Das ist ja gar nicht so sichtbar, finde ich nach außen, dass ihr auch mal mit unsere Betriebsräte sprecht, weil auch die haben gerade einen mega schwierigen Job. Also das ist ja, ähm, ich meine, vielleicht waren wir auch alle, alle miteinander sehr erfolgsverwöhnt die letzten Jahre, weil es halt wirtschaftlich auch so gut ging. Da mussten die auch viel leisten, weil die immer mit Betriebsvereinbarungen die Regelungen.
Barbara Resch: Aber es ist natürlich einfacher in so einer guten Zeit Betriebsrat zu sein wie jetzt in der Zeit. Und die erleben natürlich schon auch viel. Man kann sie nie jemand allen recht machen, wenn man, wenn man auch einen Kompromiss am Ende schließen muss. Aber manchmal denke ich mal, das ist irre, wie die auch, mit welcher Kraft die auch ihren Job jetzt gerade machen, weil das ist wahrlich nicht einfach und man ist da ja manchmal auch zerrissen, wenn der Arbeitgeber sagt, Ihr müsst jetzt hier und hier nachgeben, dann könnten wir Jobs retten.
Barbara Resch: Und Teil der Beschäftigten sagt ja, ich würde das letzte Hemd hergeben, um den Job zu retten. Und Andreas sagt Nichts gebe ich hier. Und dann das auch so sicher zu machen, dass man sich auch nicht irgendwie über den Tisch ziehen lässt. Und da weiß ich, seid ihr auch gute Partner. Dass man mal auch vertrauliches Gespräch und wo man auch mal über den Frust reden kann und wo wo ihr auch Stärke in der Arbeitswelt gebt.
Kathinka Kaden: Ich denke, das ist wirklich die Aufgabe vom kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt auf evangelischer Seite oder eben Betriebsseelsorge auf katholischer Seite. Es wird ja immer schon gut zusammengearbeitet, Ist jetzt im Moment wirklich in der Arbeitswelt. Egal, wo du hinkommst, bist du eigentlich am Zuhören und am Verstehen der persönlichen Situation und der persönlichen Nöte. Und natürlich auch das Trösten.
Kathinka Kaden: Also das verbindet uns auch mit Vertrauensleute. Da gibt es ja wirklich auch viele, die, die sagen wir mal, ganz wichtig sind, dass die Leute überhaupt verkraften, ein Stück weit diesen Druck, den Druck auch auszuhalten. Und ich glaube, das wäre wünschenswert, wenn wir einfach noch mal die Stärke auch in in der Not erkennen. Als ich sage jetzt nicht, wir brauchen Not, damit wir es beten lernt.
Kathinka Kaden: Aber diesen Spruch gibt es ja auch noch lehrt beten.
Kathinka Kaden: Ich würde aber sagen, da liegen auch Chancen drin, jetzt in diesen Bedrängen, in dieser Bedrängnis und in diesem, in diesen Aussichten, die jetzt erst mal noch nicht um die Ecke schauen lassen.
Barbara Resch: Ich würde es teilen. Wir können also wenn man ich finde ja Stuttgart ist so ist auch bildlich zeigt auch diese Widersprüche. Diese Stadt lebt vom Auto, hat aber total mittwochs Auto, weil alles verstopft ist und eigentlich wir noch mal anders. Aber wir sind auch wir sind ja auch zuständig für Betriebe, die Eisenbahn Sachen, die Busse bauen, die in öffentlichen Nahverkehr, das haben wir ja auch.
Barbara Resch: Aber für mich gehört es also gerade in Baden Württemberg gehört das Auto mit dazu und ich würde mir, mache ich noch mal so den Witz zuvor Ich würde mir wünschen, dass wir viel mehr darüber sprechen. Wie schaut denn das ökologische Auto der Zukunft aus und wie können wir das schaffen, dass man das hier auch bauen, damit die Wertschöpfung hierbei hier bleibt?
Barbara Resch: Und wie muss der Weg passieren, dass man die Menschen auch mitnimmt, weil jetzt in dem Hochlaufen Mobilität, der war einfach verstolpert und da hat man auch viele Leute einfach abgehängt. Aber ich würde viel mehr darüber reden Was machen wir? Welche Produkte braucht zur Gesellschaft, damit wir alle gut leben können und wo auch, wo wir den Klimawandel bekämpfen können, also wo er gutes Leben einfach möglich macht?
Barbara Resch: Und wie müssen wir da die Arbeit auch so gerecht verteilen, dass wir eben nicht so einen Spalt auch in der Gesellschaft. Die einen arbeiten sich kaputt, weil die ohne Ende arbeiten müssen und die anderen haben gar keine Arbeit. Oder die einen haben Geld wie Heu und die anderen können nicht mal ihre Mieten zahlen. Also das da, das wäre viel schönere Debatte wie die, die man jetzt gerade haben.
Kathinka Kaden: Ja, dann wünsche ich dir ganz viel Möglichkeiten, dir dieses Auto vor der Zukunft vorzustellen, diese Produkte der Zukunft vorzustellen. Und ich glaube, da gibt es in den Belegschaften auch viele Ideen. Gerade Ingenieure sind ja auch daran. Und vielleicht sollte man das wirklich noch viel mehr in den Vordergrund stellen. Aber jetzt kommt erst mal dieser Herbst auf dich zu.
Kathinka Kaden: Und da wünsche ich dir jetzt einfach viel, viel. Ja, jetzt wünsche ich dir auch Kraft, aber wünsche ich dir auch wirklich. Ich sag mal Kraft von oben, vom Lieben Gott.
Kathinka Kaden: Danke. Möge mögen dich alle guten Geister begleiten. Vielen.
Barbara Resch: Vielen Dank.
Kathinka Kaden: Die braucht man.
Barbara Resch: Ja. Danke schön. Danke für das tolle Gespräch.








