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13. Jan. 2006

Leichter Rückgang bei Jugendgewalt

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Lesezeit: 2 min.

Die Zustimmung zu Macho-Sprüchen steht unter den gewaltfördernden Faktoren an erster Stelle. Zu diesem Ergebnis kommt der Hannoveraner Kriminologe und ehemalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer in einer soeben abgeschlossenen Befragung von 5800 Schülern. Unter anderem wurden die Jugendlichen mit Aussagen konfrontiert wie: „Ein Mann darf seine Frau schlagen, wenn sie ihn betrügt“ oder „Als Vater ist der Mann das Oberhaupt der Familie und darf sich notfalls auch mit Gewalt durchsetzen.“ Männliche Jugendliche, die solchen Sprüchen zustimmen, sind nach Pfeiffer um 20 Mal häufiger in der Gruppe gewalttätiger Mehrfachtäter zu finden als Jugendliche, die solche Normen ablehnen.

Nach den erstmals am Freitag (13.1.2006) auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll präsentierten Untersuchungsergebnissen gibt es erhebliche Unterschiede je nach ethnischer Zugehörigkeit der Befragten. So liege die Zustimmungsquote zu diesen sog. „gewaltlegitimierenden Männlichkeitsformen“ unter männlichen deutschen Jungendlichen bei lediglich vier Prozent, bei türkischen dagegen bei fast 25 Prozent. Auch bei anderen gewaltfördernden Faktoren schneiden die nicht-deutschen Jugendlichen nach den Zahlen Pfeiffers schlechter ab. Dies gelte etwa für den Umgang mit elektronischen Medien, den Pfeiffer grundsätzlich schädlich für die Persönlichkeitsentwicklung hält, dem sich aber Ausländerkinder seinen Erkenntnissen nach weit stärker aussetzen.

Insgesamt sieht der Kriminologe eine leichten Rückgang bei der Gewalttätigkeit Jugendlicher, – und zwar in fast allen ethnischen Gruppen. So sei die Gewaltauffälligkeit unter türkischen Jugendlichen um 3,5 Prozent gesunken, ebenso bei den Aussiedlern aus Russland. Lediglich unter dem osteuropäischen Jugendlichen gäbe es einen leichten Anstieg. In den Schulen sei seit 1997 bei den Raufdelikten ein Rückgang um 27 Prozent, bei den Körperverletzungen mit Knochbrüchen sogar um 37 Prozent zu verzeichnen. Auffällig sei aber, dass nicht mehr Konflikte innerhalb, sondern zwischen den Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen vorherrschen. Pfeiffer erkennt darin ein deutliches Versagen von Integrationsbemühungen. Deshalb fordert er in diesem Punkt erheblich größere Anstrengungen, die schon im Kindergarten beginnen sollten.

Uwe Walter

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