Klaus Olbert – von angesicht zu angesicht

AUSSTELLUNG: 03. OKTOBER BIS 12. DEZEMBER 2021

Sehr verhalten wirken die Zeichnungen von Klaus Olbert, fast unscheinbar. Das feine Liniengespinst, mit dem Graphitstift aufgebracht, schließt sich zu einem Gesamteindruck, wird zu einem „Ge-sicht“ im wörtlichen Sinn – und entzieht sich wieder.

Diese Irritation des Blicks ist beabsichtigt. In seinen Zeichnungen begibt sich der Künstler auf die Suche und ertastet, erzeichnet das Rätsel des Menschlichen. Auf die Frage, warum er immer wieder das Motiv des menschlichen Kopfes aufgreife, antwortet Olbert: „Einfach gesagt, ist es mir eine Notwendigkeit, mich mit dem Menschenbild auseinanderzusetzen. Allerdings ist das Verhalten meiner Artgenossen in den letzten 150 Jahren (…) derart, dass ich mich frage: verbietet es sich nicht überhaupt, ein Konterfei dieser Spezies auf Papier zu bannen?“ 

Diese Frage der Abbildbarkeit von Gesichtszügen greift eine alte theologische Streitfrage auf, die in den ersten Jahrhunderten der Christenheit zu großen Konflikten führte: Darf man von Gott ein Bild malen? Darf man die Gesichtszüge Christi, des Sohnes Gottes, wiedergeben? Und wenn ja, wie? Klaus Olbert greift diese alte und immer wieder neue Frage nach dem Recht und den Grenzen von Abbildern auf.

Einen weiteren, vielleicht zunächst befremdlichen Titel tragen diese Zeichnungen auch: „Cranium – Schädel“ nennt der Künstler viele seiner Arbeiten. Das ist ein Hinweis auf die Vergänglichkeit allen menschlichen Daseins – und aller Versuche, die Züge des Menschlichen zu erfassen. Es ist aber wohl auch ein Hinweis auf die besondere Methode, mit der der Künstler diese Gesichtszüge wiederzugeben versucht. Durch die Reduktion auf das Grundgerüst eines Kopfes, die tragende Struktur des Schädels, will sich der Künstler von individuellen Merkmalen eines einzelnen Gesichts lösen.

„von angesicht zu angesicht“ – der Titel und die Thematik der Ausstellung greifen auf, was die Akademie, was jeden und jede von uns persönlich, unsere Gesellschaft und die ganze Welt in den zurückliegenden Monaten beschäftigt hat, was eingeschränkt war, was wir vermisst haben: Die Begegnung „von Angesicht zu Angesicht“, der Kontakt mit einem lebendigen Gegenüber, in dem jedes Mal das Rätsel des Menschen erscheint. Ein „Energiefeld“ nennt Olbert solche Begegnungen, die er auch in seinen Zeichnungen hervorrufen möchte.

Studienleiter Prof. Dr. Hans-Ulrich Gehring im Gespräch mit dem Künstler Klaus Olbert im Video auf dem Akademie-YouTube-Kanal. Filmproduktion: Werner Schmidtke.

Am 03. Oktober eröffnet die Akademie die Kunstausstellung in den Räumlichkeiten der Evangelischen Tagungsstätte Bad Boll mit einer Vernissage um 16 Uhr. Weitere Informationen zur Vernissage und Anmeldung über die Webseite unter https://www.ev-akademie-boll.de/tagung/933021.html. Informationen zu Klaus Olbert: http://klaus-olbert.com.

Eine Anmeldung zu allen Terminen ist aus gegebenem Anlass erforderlich cornelia.daferner@ev-akademie-boll.de.

Dauer der Ausstellung: 03. Oktober bis 12. Dezember 2021
Öffnungszeiten: Um eine Anmeldung unter 07164 79-100 wird gebeten. Die Besichtigung der Ausstellung ist kostenfrei.
Leitung: Prof. Dr. Hans-Ulrich Gehring, Studienleiter
Informationen: cornelia.daferner@ev-akademie-boll.de
Titelbilder: „cranium.geneigt“. Fotograf des Bildes ist Werner Schmidtke.

Werner Schmidtke

Öffnungszeiten

montags bis freitags
9-18 Uhr
An Feiertagen und am Wochenende auf Anfrage
(Telefon 07164 79-100)

Kontakt

E-Mail an: Hans-Ulrich Gehring

Tel.: 07164 79-218

Cornelia Daferner

Cornelia Daferner

Tagungsorganisatorin

E-Mail an: Cornelia Daferner

Tel.: 07164 79-342