Ein Brückenbauer verläßt Bad Boll

Die Evangelische Akademie Bad Boll verabschiedet ihren ehemaligen Direktor

<em>Immer im Gespräch: Jo Krummacher bei seiner Abschiedsfeier in Bad Boll</em><p>&nbsp;</p><p><h1>Zusatzinfos</h1>Abdruck honorarfrei. Bei Veröffentlichung Belegexemplar, bzw. Hinweis auf den Sendetermin erbeten!<br /><br />Dieser Text hat 4573 Anschläge (ohne Überschriften und Absätze); das entspricht etwa 114,325 Zeilen zu je 40 Anschlägen.</p>

Gut neun Jahre lenkte Jo Krummacher als Geschäftsführender Direktor die Geschicke der Evangelische Akademie Bad Boll. Bei den Wahlen im September holte er für die CDU ein Direktmandat im Stuttgarter Süden und wurde Abgeordneter im Berliner Bundestag. Am Samstag (3.12.2005) haben ihn Kollegen, Mitarbeiter und Wegbegleiter in seiner ehemaligen Wirkungsstätte verabschiedet.

Joachim L. Beck, Kollege in der Akademie-Direktion und kommissarischer Nachfolger, ließ bei der Feier einige Stationen aus Krummachers Bad Boller Zeit Revue passieren. Schon als er im April 1996 seine Leitungsaufgabe in der Akademie angetreten habe, seien Sparauflagen und Stellenabbau zu managen gewesen. Diese Drucksituation habe nicht nachgelassen. Dennoch sei es Krummacher gelungen, das Profil der Akademie zu schärfen und bei allen Kürzungsnöten die inhaltlichen Ziele im Auge zu behalten.

Verbunden seien mit der Ära Krummacher ein Schwerpunktprogramm zum Thema Zivilgesellschaft, die Suche nach neuen Zielgruppen im Bereich von jungen Eliten und Verantwortungsträgern, aber auch neue Veranstaltungsformen, wie etwa der alljährliche Benefizabend "Michaelisakademie" oder der "Boller Bußtag der Künste". Auch an baulichen Veränderungen in der Zeit Krummachers erinnerte Beck: Renoviert wurde das Akademiestammhaus, die Villa Vopelius, neu gebaut das Akademie-Restaurant "Symposion". Beide Bauvorhaben, so Beck, zeugen von der Handschrift Krummachers und dem von ihm geprägten Motto "Eleganz der Bescheidenheit".

Besonders zu würdigen sei Krummacher als "Botschafter und Lautsprecher der Akademie", sagte Beck. Krummacher habe viele Türen geöffnet, und durch seine vielfältigen Kontakte habe er "maßgeblich das Bild der Akademie als Ort des interdisziplinären Diskurses" geprägt.

Auch Landesbischof Frank Otfried July dankte Krummacher dafür, dass er mit seinem Engagement in Wirtschaft und Politik neues Vertrauen für die Akademie erworben habe und dass es ihm stets gelungen sei, die Sphären Evangelium und Welt in Verbindung zu halten. Insofern sei Krummacher "zwar nicht als Pontifex maximus, wahrhaftig aber als Pontifex, als Brückenbauer" zu bezeichnen. Zugleich betonte der Landesbischof, er freue sich auf die weitere Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Bad Boll, - auch wenn es bisweilen unterschiedliche Sichtweisen gäbe.

Mit weiteren Dankesworten wandten sich der Vorsitzende des Akademie-Kuratoriums Martin Bauch, die Staatssekretärin im baden-württembergischen Kultusministerium Monika Stolz, und Jürgen Hilse, Vorstandsvorsitzende der Göppinger Kreissparkasse, an den scheidenden Akademiedirektor.

Jo Krummacher selbst sagte vor den rund 150 Gästen seiner Abschiedsfeier, er habe sich in seiner Amtszeit vor allem als "Hüter des Hauses" verstanden. Dabei sei er von einem Verständis von Akademiearbeit ausgegangen, demzufolge "geistige Auseinandersetzung und Orientierung ohne Rücksicht auf Autoritäten, also in Freiheit stattfinden sollen." Dazu gehöre auch, dass unterschiedliche Auffassungen zu tage treten: "Ein bisschen Krach muss sein, damit Erkenntnis aufblitzen kann und Akademiearbeit sich lohnt."

Krummacher bekannte sich dazu, dass es ihm ein Anliegen war, möglichst viele gesellschaftliche Gruppen am Gespräch in der Akademie zu beteiligen. Einen besonderen Akzent habe er deshalb in seiner Arbeit darauf gesetzt, "Korrekturen in unserer Klientel vorzunehmen". Der Akademie wünschte er für die Zukunft, "dass sie, was das Spektrum des Politischen anlangt, nie unter Blickverengung leidet."

Zugleich hoffe er zuversichtlich, dass die Akademie als Ort der geistigen Orientierung und Bildung auch bei den landeskirchlichen Zukunftsplanungen eine Schlüsselrolle spielt. "Es ist ein Vergnügen", sagte Krummacher, "wenn man diese Landeskirche darum beneidet, dass sie eine eigene Querdenkerzelle ihr eigen nennen kann."

Neben seiner Tätigkeit als Akademiedirektor war der 58 jährige Theologe Jo Krummacher Mitglied im ZDF-Fernsehrat und in der Präsidialversammlung des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Zu dem Wechsel in die Politik hatte er sich überraschend im Juni dieses Jahres entschlossen. Die Nachfolge Krummachers in Bad Boll ist noch nicht vollständig geklärt. Bis zu einer endgültigen Entscheidung, die das Kuratorium der Akademie, der Stuttgarter Oberkirchenrat sowie der Landeskirchenausschuss zu treffen haben, ist Joachim L. Beck kommissarisch mit der Aufgabe des Geschäftsführenden Direktors beauftragt.

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