Fußball unterm Hakenkreuz

Der Deutsche Fußball Bund will aus seiner Geschichte lernen und lädt zusammen mit der Evangelischen Akademie Bad Boll zu einem Symposium ein.

"Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV, dem ich seit 1902 angehöre, meinen Austritt anzeigen." Der KFV war der Karlsruher Fußball Verein, der Autor dieser Zeilen Julius Hirsch. 1910 hatte er den KFV zum Deutschen Meister gemacht, insgesamt sieben Mal spielte er in der Nationalmannschaft. Sein Austrittsschreiben verfasste er im Frühjahr 1933, - er wollte einem Ausschluss zuvor kommen. Denn Julius Hirsch war Jude und Juden schon wenige Wochen nach der sog. Machtergreifung in den Fußball-Verbänden und Vereinen nicht mehr gelitten. Zehn Jahre später wurde Julius Hirsch nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Lange hat es gedauert, bis der DFB als gesellschaftliche Großorganisation seine Verstrickung in das System des Nationalsozialismus eingestehen konnte. Inzwischen hat der Verband einen Julius-Hirsch-Preis gestiftet, mit dem der besondere Einsatz für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit geehrt wird. Und er hat eine unabhängige Untersuchung in Auftrag gegeben, die Licht in das finsterste Kapitel seiner Geschichte bringen sollte.

Im Herbst vergangenen Jahres wurden die Ergebnisse der Untersuchung veröffentlicht. Nils Havemann, Autor der Studie "Fußball unterm Hakenkreuz", stellt fest, dass die meisten Mitglieder des DFB zur Stabilität nationalsozialistischer Herrschaft beigetragen haben, zumeist aus "Gedankenlosigkeit, willentlicher Ignoranz, Opportunismus oder beruflichem Ehrgeiz". Insofern seien sie "mitschuldig an Unterdrückung, Verfolgung, Krieg und Vernichtung."

Der amtierende DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte es mit der bloßen Beschreibung von Schuld und Verstrickung nicht bewenden lassen. Welche Konsequenzen aus der Geschichte zu ziehen sind, soll am 7./8. April auf einem Symposium diskutiert werden, zu dem der DFB und die Evangelische Akademie Bad Boll gemeinsam einladen.

Noch einmal wird die Rolle der Fußball-Verbände und Vereine im Nationalsozialismus - u. a. von Nils Havemann - angesprochen, aber auch an die jüdische Sportkultur erinnert. Über Erinnern und Versöhnen diskutiert Joachim Gauck mit Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche sowie des Zentralrats der Juden.

Walter Jens hatte schon beim 75. Jubiläum des DFB im Jahre 1975 einen kritischen Rückblick auf die eigene Geschichte angemahnt. In Bad Boll sitzt er jetzt mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, dem DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und seinem DSB-Kollegen Manfred Freiherr von Richthofen auf dem Podium. Ihr Thema: "Zwischen Vergangenheitsbewältigung und sozialer Verantwortung. Die Verbände und Vereine vor der WM 2006."

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