Die Brücke als Logo der Akademie – eine 75jährige Geschichte

„Im Dialog: Gesellschaft gestalten“ – Das Motto des Jubiläumsjahres unserer Akademie ist zugleich Programm. Denn: Dialoge, Begegnungen und Gespräche in Respekt, Achtsamkeit und Menschenfreundlichkeit sind das Markenzeichen einer Evangelischen Akademie. Und: Unsere durch Digitalisierung geprägte Gesellschaft braucht solche Orte des menschenfreundlichen Dialoges und der respektvollen Begegnung mehr denn je. Wenn es heute keine Akademien gäbe, müsste man sie jetzt erfinden!

„Im Dialog: Gesellschaft gestalten“: Nichts bildet dieses Programm unserer Akademie besser ab als unser Logo – die Brücke. Die Brücke ist ein altes Kultursymbol: Eine Brücke verkürzt umständliche Wege, vereinfacht das alltägliche Leben, überwindet Gräben und Täler oder verbindet verschiedene Seiten miteinander. Oft erlauben Brücken einen grandiosen Blick auf die gesamte Umgebung. Vor allem aber machen sie das Leben einfacher und ermöglichen Begegnung. Brücken sind ein Ort der Vermittlung und gerade darin ein Ort des visionären Blicks!

„Im Dialog: Gesellschaft gestalten“: Über die Brücke der Akademiearbeit betritt die Kirche nicht nur das Feld der „argen Welt“, sondern über die Brücke kommt die Gesellschaft auch mitten in die Welt der Kirche hinein und verändert sie. Auch wenn es Auftrag der Akademie ist, Gesellschaft mitzugestalten, wird durch diese Arbeit auch sie selbst und damit die sie tragende Kirche einem Veränderungsprozess unterworfen. Nichts zeigt dies besser als die Geschichte der Ausgestaltung unseres Logos:

1955, zum zehnjährigen Jubiläum, wurde die Brücke als Logo zum ersten Mal zur Einweihung des Hauptgebäudes verwendet. Eine neu gebaute Brücke verband den neuen Bau mit dem „Altbau“, der Villa Vopelius. Das Programm der Akademiearbeit wurde gleichsam in der Architektur des Tagungszentrums abgebildet. Das Logo der Akademie, die Brücke, hatte damals noch die Form eines Omega, des letzten Buchstabens des griechischen Alphabets. Sie war eine Brücke zum Hindurchgehen; zugleich erinnerte sie an biblische Worte: Jesus Christus als das A(lpha) und O(mega) des Lebens. Mit diesem sehr deutlichen biblischen Bezug bildete das Logo die noch präsente Volkskirchlichkeit der 1950er Jahre ab.

1972 veränderte sich das Logo der Akademie sehr erheblich: Die Akademie war durch die 1968er Bewegung hindurchgegangen und war von ihr erheblich geprägt worden. 1968 trafen Rudi Dutschke und Ernst Bloch in der Akademie aufeinander – eine sagenumwobene Tagung, deren Mitschnitt auch heute noch auf der Homepage der Akademie angehört werden kann. Aus einer eher konservativ orientierten Akademie wurde eine Akademie, die die gesellschaftlichen Aufbrüche in ihre Mitte holte und sich mit ihnen identifizierte. Dies spiegelt sich auch im Logo wider: Aus der Omega-Brücke wurde eine Brücke in der Form des Regenbogens. Drei Farbschattierungen bestimmten das Logo; die Vieldeutigkeit von Meinungen und Ansichten, die Friedensarbeit und der Aufbruch in eine neue Zeit bestimmten das Logo. Aus der biblischen Omega-Brücke wurde die sich öffnende Regenbogen-Brücke.

1985 wandelte sich das Logo erneut: Zum ersten Mal wurde das uns heute bekannte Symbol verwandt. Der Farbton für die Brücke war ein leuchtendes Orange. Ihre Form war praktisch, kompakt, gedrungen und schlicht – so, wie die Akademie sich in dieser Phase den praktischen gesellschaftlichen Herausforderungen zuwandte. Die Farbe wurde hausintern auch als „Juso-Orange“ bezeichnet – ein Hinweis darauf, für welche Politik die Akademie als „Faktor“ stand. In dieser Zeit wurde die Akademie auch von manchen Zeitgenossen als „rote Kaderschmiede“ bezeichnet.

1995 wurde das „Juso-Orange“ abgelegt und zum 50. Jubiläum durch ein eher kühles Stahlblau ersetzt. Zugleich wurde die Wort-Bild-Marke erheblich verändert. Die kompakte Form der Brücke wurde durch das nach vorne weisende Wort „Akademie“ aufgebrochen. Die Akademie als Ort, an dem nach dem Mauerfall Fragen unserer Zeit visionär nach vorne gedacht werden – auch dies sollte damals in dieser Version des Logos sichtbar werden. Die Akademie verstand sich in dieser Zeit als Denkwerkstatt für eine neue Zeit, die mit dem Zusammenbruch des Ost-West-Denkens und des lebensfeindlichen Realsozialismus angebrochen war.

Und 2020? Nun stehen wir erneut vor einer Weiterentwicklung und Anpassung der Wort-Bild-Marke unserer Akademie. Denn: Die Zeiten haben sich gewandelt. Durch die Akademie begegnet uns eben auch die Gesellschaft mit ihren Sorgen und Fragen: Obenan steht die massive Menschheitsherausforderung der Klimakrise mit ihren vielschichtigen Implikationen. Wie kann heute noch Hoffnung gedacht werden? Wie schaffen wir es, vom Reden ins gemeinsame Tun zu kommen? Wie begegnet eine älter werdende Gesellschaft den existentiellen Fragen junger Menschen? Wie lässt sich im digitalen Zeitalter der gesellschaftliche Diskurs achtsam gestalten? Die Veränderungsprozesse unserer Zeit mit ihren großen Herausforderungen werden möglicherweise auch das Brückenlogo der Akademie nicht unberührt lassen. Das Jubiläumsjahr mit seinen besonderen Akademieveranstaltungen wird es zeigen. Und wer weiß: Vielleicht steht am Ende dieses Prozesses – wie auch zum 50. Geburtstag der Akademie – ein verändertes Brücken-Logo, in dem sich die veränderte Gesellschaft mit ihren Herausforderungen widerspiegelt.

In diesem Sinne noch einmal: „Im Dialog: Gesellschaft gestalten“. Feiern Sie mit uns das Jubiläumsjahr 2020 – 75 Jahre Evangelische Akademie Bad Boll!

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Reinhard Becker

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