Yasna Crüsemann ist neue stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums

Die Pfarrerin aus Geislingen a.d. Steige stellt sich vor

Yasna Crüsemann übernimmt das Amt außerplanmäßig von Dr. Simone Schwanitz, die neue Generalsekretärin der Max-Planck-Gesellschaft mit Sitz in München wurde.  Im Kuratorium vertritt Crüsemann den Gesprächskreis Offene Kirche der Landessynode. Dort ist sie Vorsitzende des Ausschusses für Mission, Ökumene und Entwicklung und außerdem Mitglied in der EKD Synode.

Wir haben Pfarrerin Crüsemann drei Fragen gestellt:

Können Sie uns etwas über Ihre Person erzählen?

Ich bin Pfarrerin in Gruibingen: im Nachbarort von Bad Boll zwischen Autobahn, Albaufstieg und Schnellbahntrasse. Ab nächstes Jahr dann auch in Wiesensteig, Mühlhausen, Drackenstein und Hohenstadt.

In meiner vorigen Pfarrstelle war ich acht Jahre beim Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung in der Prälatur Ulm tätig. Im Anschluss habe ich in Rabat, Marokko, am ökumenisch-theologischen Institut Al Mowafaqa studiert. Fragen der weltweiten Ökumene, Gerechtigkeitsthemen und der interreligiöse Dialog begleiten mich durch meine berufliche Laufbahn.

Verheiratet bin ich mit einem Bremer, Pfarrer Dietrich Crüsemann. Wir leben seit bald 20 Jahren in Geislingen, haben sechs erwachsene Kinder und zwei Enkel. Als unsere Kinder klein waren, haben wir uns die Pfarrstelle an der Stadtkirche Geislingen geteilt. Davor haben wir im Pappelweg bei der Akademie in Bad Boll gelebt. Wir haben beide an der Akademie gearbeitet. Manche erinnern sich vielleicht noch an unsere wuselige Kinderschar, die hier das Gelände unsicher gemacht hat.

An der Akademie war ich als Studienassistentin im damaligen Referat Ausbildung mit für die Vikarsausbildung in Diakonie und Gesellschaftsdiakonie zuständig. 

Geboren bin ich in Stuttgart, aufgewachsen im Kreis Esslingen. In meiner Freizeit bin ich am liebsten in der herrlichen Natur am Albtrauf unterwegs.

Meine Aufgabe in der Synode sehe ich vor allem darin, den Blick über den Tellerrand zu schärfen, das Fenster zur Welt, insbesondere zur weltweiten Kirche und Ökumene zu öffnen. Wir sind als Landekirche Teil der weltweiten Kirche. Daran immer wieder zu erinnern, scheint mir besonders in diesen Zeiten wichtig, wo wir uns so sehr mit uns selbst und unseren Strukturen befassen.

Was verbindet Sie mit der Evangelische Akademie Bad Boll?

Von Jugend an habe ich unzählige Tagungen und Veranstaltungen der Evangelischen Akademie Bad Boll besucht. Ich kann mein theologisches und kirchliches Dasein gar nicht ohne die Akademie denken. Bei meiner ersten Tagung – es waren Einkehrtage zu Weihnachten – war ich gerade mal 20 Jahre alt. Ich gehörte mit Abstand zu den jüngsten Teilnehmer*innen. Die meisten waren – aus meiner Sicht – „alt“. Das hat mich aber nicht abgeschreckt. Später habe ich als Referentin an Tagungen mitgewirkt, mitgearbeitet und auch selbst Tagungen geleitet.

Die Akademie war und ist mir ein wertvoller Ort der Fortbildung in gesellschaftlichen, politischen, spirituellen, theologischen, weltanschaulichen und auch lebenspraktischen Fragen. Ein Freiraum des Denkens und Nachdenkens, des Austausches und der Begegnung von Menschen, die sich im Alltag eher nicht begegnen würden, ein Raum des Experimentierens, der Kreativität, ein Ort gelebter Spiritualität.

Während das Theologiestudium ein wissenschaftlicher Binnenraum war, hat mir die Akademie immer die Verbindung von Kirche und Welt aufgezeigt. Die Akademie hat mir gezeigt, wofür das Ganze diente, wozu es gut war und dass Kirche und Theologie etwas Wesentliches zur Gestaltung von Gesellschaft beizutragen haben. Das habe ich an der Akademie gelernt. 

Hier durfte sich auch vieles entwickeln und weitergedacht werden. Ich denke rückblickend etwa an die feministischen Werkstätten: Orte des Denkens und Experimentierens. Von Uni und Kirchenleitung misstrauisch beäugt oder gar bekämpft.

Die Akademie als Freiraum und Denkraum – das habe ich immer geschätzt.

Später habe ich dann selbst Tagungen geleitet. Vor allem ist mir die Tagung über „Gott und das Glück“ mit Dorothee Sölle im Jahr 2003 in besonderer Erinnerung. Sie erlitt während der Tagung einen Herzinfarkt und starb kurz darauf im Göppinger Krankenhaus. Beeindruckend war, wie die Tagungsgäste aufgrund des Anlasses spontan zu einer Gedenk-Gemeinde wurden. Warum gibt es an der Akademie eigentlich keinen Gedenkort oder einen Raum, der nach ihr benannt ist? Nächstes Jahr jährt sich dieser Todestag zum 20. Mal. Das wäre doch eine gute Gelegenheit? Andere Landeskirchen haben Plätze, Häuser, Heime nach ihr benannt.

Bad Boll ist ein ist ein besonderer, ein heilsamer Ort. Kirchengeschichtlich besonders geprägt durch die Blumhardts. Heilbad, Kurhaus, Akademie, Herrnhuter Missionshilfe: Das gehört für mich hier zusammen. Hierher kamen und kommen Menschen aus der ganzen Welt, um an Leib und Seele gesund zu werden. Begegnung und Dialog gehören zur Heilung dazu, sie können Beziehungen heilen.

Bad Boll und die Akademie: das ist kein x-beliebiger Ort. Wer das nicht wahrnimmt und meint, die Akademiearbeit ließe sich auch einfach woandershin oder gar nach Stuttgart verlagern, hat kein Gespür dafür, was Orte mit Menschen machen, was sie bewirken, wie heilsam sie sein können. Auch Orte predigen.

Nicht zuletzt verbindet mich auch Persönliches mit der Akademie: Meinen Mann habe ich auf einer Akademietagung kennengelernt (allerdings in Tübingen) und ich bin – wahrscheinlich als einzige Pfarrerin der Landeskirche – hier an der Akademie ordiniert worden, damals noch von Direktor Jo Krummacher.

Welche Rolle spielt die Akademie in der Gesellschaft?

Die Arbeit der Evangelischen Akademie ist Gesellschaftsdiakonie: ein Dienst der Kirche in und an der Gesellschaft. Der sichtbar macht, dass Kirche aus dem Geist des Evangeliums heraus eine Rolle in der Gesellschaft spielt und zu Verständigung, Versöhnung, Heilung beiträgt.

Das Symbol der Akademie ist die Brücke. Sie beschreibt für mich die Kernaufgabe der Evangelischen Akademie: An einer Brücke zu bauen zwischen Gruppen und Menschen, zwischen denen tiefe Risse oder Gräben gehen.

Die Kernkompetenz der Evangelischen Akademie Bad Boll sehe ich deshalb darin, den Dialog zwischen gesellschaftlichen Gruppen zu ermöglichen und voranzubringen, Impulse zu setzen, Prozesse anzustoßen um zu mehr Demokratie, Teilhabe und Gerechtigkeit beizutragen.

Dazu ist ein Denkraum und Freiraum nötig, Kompetenz, wie sie die Studienleitenden mitbringen, und ein Ort und Räume, die Begegnungen ermöglichen und fördern.

Gerade jetzt, wo sich immer tiefere Risse und Spaltungen durch die Gesellschaft ziehen, und Verständigung, Versöhnung und Heilsames immer nötiger wird, braucht es einen kirchlichen Ort wie Bad Boll und eine kirchliche Institution wie die Evangelische Akademie.

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Alexander Bergholz

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