Stadt oder Land? … oder beides?

Was uns in unseren „Zukunftsräumen“ wirklich wichtig ist

Wir leben auf einem Planeten der Städte. Das WBGU-Gutachten „Der Umzug der Menschheit – Die transformative Kraft der Städte“ hat ihre magnetische Kraft eindrucksvoll belegt: drei Viertel der Weltbevölkerung wohnt in urbanen Räumen.

Städte als Inkubatoren für Fortschritt

Auch deutschlandweit leben 31% in Großstädten (> 100.000 Einwohner) und weitere 27% in mittelgroßen Städten (20.000 bis 100.000 Einwohner). Die Gründe für die Attraktivität der Städte liegen auf der Hand: sie bieten in hoher Dichte einfach alles: Arbeitsplätze, effiziente Mobilitätsstrukturen, vielfältige Bildungs-, Freizeit- und Kulturangebote. Zudem gelten sie als DER Motor für Austausch, Kreativität und Innovation. Sie sind Inkubatoren für den gesellschaftlichen und technischen Fortschritt.

Trendwende „Landliebe“?

Gleichzeitig häufen sich in Städten aber die Problemlagen. Schlagzeilen wie „Stadtluft macht arm“ und „Stadtluft macht krank“ sind an der Tagesordnung. Die Sehnsucht nach Alternativen zur dichten und hektischen Lebensweise wächst. Zeitschriften wie die „Landliebe“ erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Zudem hat die Corona-Pandemie die Vorzüge ländlicher Räume praktisch erfahrbar gemacht. Dörfer und Kleinstädte bieten viele Möglichkeiten für ein „Gutes Leben“, das den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Dem Baukulturbericht zufolge möchten 45% der Deutschen am liebsten in einer ländlichen Gemeinde wohnen. Für nur 22% stellt die Großstadt die „Verheißung“ dar.

Stadt | Land: Wo liegt unser Zukunftsraum?

Wohin entwickeln sich die Lebensstile und Lebensräume in Deutschland? Ist die Zukunft eher städtisch oder eher ländlich? Ob ein Mensch lieber auf dem Land oder in der Stadt lebt, hängt nicht zuletzt von persönlichen Präferenzen ab. Gleichzeitig jedoch entfalten transformative Kräfte ihre Wirksamkeit, die uns neue Chancen eröffnen: die Digitalisierung und innovative Formen der Mobilität lassen Stadt und Land zusammenwachsen; sie machen ein Zusammenrücken von Wohnen und Arbeiten möglich. Die Arbeit selbst wird multi-mobil und multi-lokal. Dadurch eröffnen sich Möglichkeitsräume.

R/urbane Zukünfte

Es gründen sich immer mehr Initiativen, die ganz selbstverständlich Mischformen aus den Stadt-Land-Welten produzieren: In der Stadt wird gegärtnert, auf Dächern entstehen grüne Oasen, auf dem Land wird in Co-Working-Spaces gearbeitet, Kulturfabriken holen urbanen Flair ins Dorf und Wissens- und Kreativberufe lassen sich dank der Digitalisierung auch in umgebauten Scheunen ausüben. Die Beispiele für die kreative Verbindung von ländlichen und städtischen Lebensweisen sind zahlreich. Allerorts entstehen r/urbane Räume, die ein rurales Leben in der Stadt und ein urbanes Leben auf dem Land realisieren. Es scheint eine Sehnsucht nach der Gleichzeitigkeit von beidem zu geben.   

Das „Beste“ aus Stadt und Land

Aber was ist dabei wirklich wichtig? Wonach sehnen sich die Menschen in diesen Zeiten? Welche Eigenschaften sollen der Wohnstandort, das Wohnumfeld und das Arbeitsleben aufweisen? Die r/urbanen Initiativen scheinen ihren Raum so zu organisieren, dass sie „das Beste“ aus Stadt und Land miteinander kombinieren.

Während der Tagung „Stadt Ꚙ Land – Die Zukunft ist r/urban?“, die am 2. Dezember 2020 als Online-Veranstaltung in Kooperation mit der Wüstenrot-Stiftung stattgefunden hat, haben die Teilnehmenden in einer Wortwolke festgehalten, was ihnen wichtig ist: Natur, Gemeinschaft, gute Nachbarschaft, Kultur und Infrastruktur stehen hierbei an erster Stelle.

Was ist in Ihrem „Zukunftsraum“ wichtig?

Wie sieht Ihr persönlicher Wunschraum aus? Welche Standortfaktoren sind Ihnen im Alltag wichtig? Was brauchen Sie, um Ihre Vision von Lebensqualität und einer gelungenen Verbindung von Wohnen und Arbeiten zu realisieren? Und funktioniert das am besten in der Stadt oder auf dem Land?

Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Kommentare.

PD Dr. Anja Reichert-Schick ist seit 2018 Studienleiterin im Themenbereich „Gesellschaft, Politik, Staat“ an der Evangelischen Akademie Bad Boll. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind „Stadtentwicklung, Ländliche Räume und Wohnungsbau".

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