Transformation „übers Portemonnaie“?  

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Anfang November hatten wir in einer Veranstaltung die Transformationsforscherin Maja Göpel und den Ökonomen Lars Feld zu Gast: „Wirtschaftspolitik zwischen Wandel und Weiter-so“ war das Thema der beiden renommierten Wissenschaftler_innen. Beide waren sich darin einig: Es kommt ein großer Wandel hin zu den drei „D’s“ auf uns zu: Dekarbonisierung, Digitalisierung und Demografie sind die großen Herausforderungen für unsere Zukunft. 

Eines der Instrumente, um den Wandel hin zu einer kohlenstoffarmen Lebensweise einzuleiten, ist nun die CO2-Steuer. Der Preis ist von entscheidender Bedeutung. Aktuell ist er weitaus zu niedrig – auch darin waren sich Maja Göpel und Lars Feld einig. Die Möglichkeit der Steuerungsfunktion „übers Portemonnaie“ schlossen beide nicht aus. 

Auch mich überzeugt dieses Instrument sehr: Die Atmosphäre darf eben nicht zur Müllhalde für unser Wachstum werden. Wenn denn CO2 entsteht, dann sind die dafür entstehenden Kosten auf Seiten der Biosphäre und aller Kreaturen einzurechnen. Der Verursacher trägt die Kosten – und nicht der Geschädigte. „Übers Portemonnaie“ lässt sich der notwendige Wandel doch am leichtesten organisieren. Auch am effektivsten. Und für alle transparent, vergleichbar und nachvollziehbar. Auch für einen Kaufmann in Oslo oder eine Unternehmerin in New York. 

Nur: Reicht dies wirklich aus? Solange nur das Portemonnaie zählt, wird der Preis für eine Tonne CO2 eher nach unten korrigiert werden. Und es wird genügend Menschen geben, die alles daransetzen werden, dieses Instrument zu umgehen. Erfinderisch waren wir darin schon immer. Zahlt sich der Wandel, die Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit „übers Portemonnaie“ wirklich durchgängig aus? 

In unserer christlichen Tradition reden wir auch von der nötigen Transformation. Und das schon seit mehr als 2.000 Jahren. Der Wandel, zu dem Jesus Christus aufgerufen hat, ist ein Wandel, eine Metanoia der Haltungen und Einstellungen. Oder um es in der Sprache unserer Zeit auszudrücken: Ohne einen Kulturwandel wird auch der höhere CO2-Preis nichts bewirken können. Nachhaltig im doppeldeutigen Sinn des Wortes ist die große Transformation erst in der Kombination von Wandel „übers Portemonnaie“ und „übers Herz“. Ich meine: Wir sollten uns als Christinnen und Christen deswegen sehr viel engagierter mit den Fragen des aktuellen Transformationsprozesses in der Wirtschaft auseinandersetzen und ihn mitgestalten. Auch im Ausloten von praktikablen Lösungen. Das könnte dann „Öffentliche Theologie heute“ im besten Sinne des Wortes sein.  
 

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