„Überall dort, wo die Demokratie in Gefahr gerät, ist die Demokratie selbst nicht das Problem“

Bei der 72. Michaelisakademie untersucht der Festredner Prof. Dr. Elísio Macamo die Sprache der Demokratie

Moderator Mauricio Salazar (v.l.) Filmemacher Hosea Hauff (v. l.), die baden-württembergische Landesgeschäftsführerin von Mehr Demokratie e. V. Sarah Händel, der Politologe Moritz Rudolph, Prof. Dr. Elísio Macamo und Moderatorin Carmen Ketterl (© Giacinto Carlucci).

„Ist die Demokratie ein Auslaufmodell?“ Mit dieser Frage hat sich die Michaelisakademie der Evangelischen Akademie Bad Boll heute (24. September 2017) beschäftigt. Festredner Prof. Dr. Elísio Macamo sieht die Demokratie nicht als überholt an, sie sei angesichts von Migration vor allem darin gefordert, nach guten Lösungen zu suchen „und sie wird sie auch finden.“ Zum 72. Gründungsfest, bei dem zum ersten Mal der Akademiepreis verliehen wurde kamen 150 Gäste. „Welche Sprache spricht die Demokratie?“ fragte Prof. Dr. Elísio Macamo von der Universität Basel in seinem Festvortrag. Die Demokratie spreche keine Sprache, so der Soziologe, sie sei selbst eine Sprache, die sich in der Begegnung von Kulturen entwickelt habe. Dabei liege es in der Natur kultureller Begegnungen, dass ethische Fragen entstehen – z. B.: Ob Menschen schwarzer Hautfarbe Menschen seien, oder wie vermeintlich unterlegene Völker behandelt werden sollten. „Solche Herausforderungen der kulturellen Begegnung machen den Diskurs, die Auseinandersetzung und damit Demokratie notwendig“, sagte Macamo.  Demokratie als Sprache mache es möglich, dass vernünftige Menschen heute darüber kontrovers streiten, wie ein gutes Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft erzeugt werden könne. Überall dort, wo die Demokratie in Gefahr gerate, sei die Demokratie selbst nicht das Problem. Macamo: „Das Problem ist unsere Unfähigkeit, die intellektuelle Leistung hervorzubringen, die notwendig ist, um den Herausforderungen adäquat zu begegnen.“  Wenn sich europäische Länder schwer damit tun würden, die sogenannte „Migrationskrise“ zu bewältigen, erweise sich die Demokratie keineswegs als überholtes Modell, betonte der Soziologe. Vielmehr offenbarten diese Gesellschaften ihre Unfähigkeit, nach selbst propagierten ethischen Prinzipien zu handeln. Wenn Nächstenliebe, Humanismus, Solidarität, Brüderlichkeit von Überfremdungsängsten oder von pragmatischen Gründen der Aufnahmefähigkeit abhängig gemacht werden, erweise sich die Demokratie keineswegs als Auslaufmodell, sagte Macamo: „Sie ist vielmehr gefordert, gute Lösungen zu finden, und sie wird sie auch finden.“  In der Diskussionsrunde über „Demokratie auf dem Weg in die Zukunft“ forderte die baden-württembergische Landesgeschäftsführerin von Mehr Demokratie e. V., Sarah Händel: „Wir brauchen aus pädagogischer Perspektive mehr Selbstwirksamkeitserfahrungen.“ Bei Abstimmungen, Diskussionen und Initiativen würde ein Mehr an direkter Demokratie zu einer Dynamisierung der Gesellschaft und zu mutigeren Ideen führen. Der Politologe Moritz Rudolph ging in seinem Statement der Frage nach, wie die Demokratie ausgestaltet sein soll. Der Nachwuchs-Filmemacher Hosea Hauff beschrieb die Ängste seiner Generation und forderte dazu auf, bisherige Denkstrukturen zu verlassen und nach wirksamen Lösungen zu suchen.   Anschließend wurde zum ersten Mal der Akademiepreis verliehen. Preisträger sind das Konzeptwerk Neue Ökonomie e. V. aus Leipzig und der Verein Aktives Helfen Erkenbrechtsweiler-Hochschwang e. V. Bei der Veranstaltung, die musikalisch  vom Klaus-Wuckelt-Trio gestaltet wurde, überreichte die Evangelische Bank einen Scheck über 1000 Euro zur Unterstützung der Arbeit des Förderkreises und damit auch des Akademiepreises.

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