13.11.2020, 09:00 - 17:00 Uhr, Hospitalhof Stuttgart

Scham - alles andere als peinlich. Ethik, Scham und Pflege

Vierte Ethikvernetzungstagung


© Shutterstock

Menschen, die einmal selbstbestimmt gelebt haben, empfinden angesichts zunehmender Abhängigkeit, Unterstützung und Pflege mitunter Scham. Auch für Pflegende kann es in der Betreuung Situationen geben, die mit Befangenheit verbunden sind. Da Pflege mit einem hohen Maß an Intimität und Vertrauen und damit auch mit Verletzlichkeit einhergeht, sind Gefühle dieser Art kaum zu vermeiden. Eine respektvolle Fürsorge und Pflege wird offen und sensibel mit auftretender Scham umgehen. Es gibt Möglichkeiten, achtsam zu handeln und Scham auslösenden Momenten vorzubeugen.

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Thema

Scham ist eines der stärksten und unangenehmsten Gefühle, das wir Menschen erleben können. Wenn wir uns schämen, fühlen wir uns isoliert und nicht zugehörig. Wer sich schämt, tut vieles, um die eigene Verletzlichkeit nicht zu spüren. Daher ist es für alle, die mit Menschen arbeiten, wichtig, Scham zu erkennen und konstruktiv mit ihr umgehen zu können. Scham versteckt sich oft hinter anderen Gefühlen wie Angst und Wut. Zugleich erfüllt sie für das eigene Handeln auch eine Schutzfunktion und setzt Grenzen. Scham ist nach Léon Wurmser, dem US-amerikanischen Psychoanalytiker, die "Hüterin der Menschenwürde".

In der 4. Vernetzungstagung wollen wir mehr über Ursachen und Hintergründe dieser belastenden Gefühle erfahren. Wir wollen verstehen, welche helfenden und beschränkenden Auswirkungen sie im zwischenmenschlichen Miteinander haben. Und wir wollen Handlungsmöglichkeiten - aber auch Grenzen - kennen lernen und diskutieren. In Vorträgen und Workshops werden Aspekte wie Ekel und Ehre, Macht und Gewalt, Selbstwert und Sexualität, Leugnen und Schuld in ihrer Beziehung zur Scham diskutiert. Wir fragen, was Schamgefühl über Kulturen verrät und machen Einsichten und Erkenntnisse für den pflegerischen Alltag nutzbar.

Wir freuen uns auf eine interessante und spannende Tagung

Dr. Christiane Kohler-Weiß, Dr. Thomas König, Claudia Krüger, Dr. Thomas Mäule, Martin Priebe, Monika Renninger, Dr. Gudrun Silberzahn-Jandt, Dr. Dietmar Merz

Wir veranstalten die Tagung unter Berücksichtigung aller geltenden Maßnahmen für Hygiene und Infektionsschutz im größten Veranstaltungsraum des Hospitalshofs (Paul-Lechler-Saal). Genauere Infos finden Sie unter www.hospitalhof.de

Programm

Freitag, 13. November 2020

00:00

09:00

Ankommen

09:00

Begrüßung und Tagungsbeginn

09:15

Scham - was steckt dahinter?

Prof. Dr. Dr. Klaas Huizing, Würzburg

10:15

Scham - unverzichtbare Begleiterin für würdevolle Pflege

Prof. Dr. Ursula Immenschuh, Freiburg

11:15

Pause

11:35

Im Meer der Gefühle

Maria-Cristina Hallwachs

12:15

Workshop-Ansage

12:20

Mittagessen

13:15

Workshops

14:15

Pause

14:30

Unerhörte Scham in der Pflege

Prof. Dr. Ursula Immenschuh, Freiburg

15:15

Tagungsabschluss und Wort auf den Weg

Workshops

Workshop Nr. 1:

Auch Pflegende dürfen sich ekeln!

Zum Umgang mit ekelerregenden Situationen in der Pflege. Der Workshop widmet sich dem Phänomen des Ekels. Es steht in enger Verbindung zu Schamgefühlen und ist gegenwärtiger Bestandteil der Alltagspraxis von Pflegenden. Dennoch wird über Ekel kaum gesprochen. Der Workshop bietet die Möglichkeit persönlichen Erfahrungen im Umgang mit ekelerregenden Situationen nachzugehen und vor dem Hintergrund professioneller Beziehungsgestaltung zu reflektieren.

Mara Kaiser, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Lehrstuhl Care Policy und Ethik, Fakultät für Pflegewissenschaft, Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar

Workshop Nr. 2:

Scham und Sexualität

Dort, wo Pflegende intime Einblicke haben oder höchst intime Handlungen übernehmen, wie beispielsweise die Körperhygiene, kann es zu schwierigen Situationen kommen. In diesem intimen Bereich kommen Pflegende auch mit der Sexualität der zu Pflegenden ungewollt in Berührung. Dies führt häufig zu einem Gefühl von Scham auf beiden Seiten, was kaum thematisiert wird. Was sind ethische Aspekte solcher schwierigen Situationen und wie kann ein konstruktiver und wertschätzender Umgang gelingen?

Ariane Iller, Ethikbeauftragte, Stiftungsmanagement Unternehmensentwicklung der BruderhausDiakonie, Reutlingen

Workshop Nr. 3:

Scham als Grundbegriff der Ethik

Scham ist nicht nur ein unangenehmes Gefühl, sondern auch eine positive Erfahrung. Sich zu schämen kann zur Grundlage von Selbstkritik und ethischer Besserung werden. Aber dafür muss man sich für das Richtige schämen und auf kluge Weise mit der Scham umgehen. In dem Workshop wird die Frage vertieft, welche positive Bedeutung die Erfahrung von Scham für die Ethik hat - von Kain und Abel bis heute.

Prof. Dr. Dr. Klaas Huizing, Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik, Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Lehrstuhl für Evangelische Theologie, Schwerpunkt Systematische Theologie und Gegenwartsfragen

Workshop Nr. 4:

Scham, Schuld und Vergebung

Scham, Schuld und Schuldgefühle machen klein, sind demütigend und halten fest. Gerade in Grenzsituationen des Lebens vermischen und verstärken sie sich. Anhand von konkreten Beispielen werden wir nach Möglichkeiten suchen, Klienten, Bewohner_innen und Patienten in diesen Gefühlen zu begleiten.

Helke Ricker, Pastorin, Referentin für diakonische Profilbildung, Diakonie in Niedersachsen

Workshop Nr. 5:

Interkulturelle Aspekte von Scham

Schamgefühl im Islam (Haya) bedeutet, dass man sich selbst und seinem Schöpfer gegenüber Respekt erweist. Schamgefühl bedeutet demnach, dem Grundsatz zu folgen: „Auch wenn wir ihn nicht sehen, so sieht Er uns“ und stets in Erinnerung zu halten, dass wir nicht alleine sind.

Talat Kamran, Direktor und Geschäftsführer Mannheimer Institut für Integration und interreligiöse Arbeit

Workshop Nr. 6:

Ethische Fallbesprechung

Ethische Fragen treten als fester Bestandteil bei unserem täglichen Umgang miteinander auf. Wenn unterschiedliche Wertevorstellungen aufeinandertreffen, kann es immer wieder auch zu Situationen kommen, in denen wir ein moralisches Unbehagen - ein Bauchgrimmen – verspüren. So stellen uns Situationen, die Schamgefühle hervorrufen, auch in der Pflegepraxis immer wieder schwierigen Spannungsfeldern gegenüber und fordern von uns ethische Entscheidungen. Ethische Fallbesprechungen geben uns ein Instrumentarium an die Hand, bei dem die Betroffenen einbezogen sind. Im Workshop wollen wir uns damit auseinandersetzen, wie ethisches Handeln im Umgang mit schambesetzten Situationen im Alltag möglich ist.

Dr. Gudrun Silberzahn-Jandt, Kompetenzzentrum Sozialpolitik; Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V. und Andrea Barbara Sprentzel, Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung

Referierende

Leitung

Dr. Dietmar Merz Dr. Dietmar Merz
Studienleiter

Referent_innen / Mitwirkende

Maria-Cristina Hallwachs
Stuttgart

Prof. Dr. Dr. Klaas Huizing
Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Ariane Iller
Ethikbeauftragte, Stiftungsmanagement Unternehmensentwicklung der BruderhausDiakonie, Reutlingen

Prof. Dr. Ursula Immenschuh
Professorin für Pflegewissenschaften, Gleichstellungsbeauftragte, Katholische Hochschule Freiburg

Mara Kaiser
Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar

Talat Kamran
Direktor und Geschäftsführer Mannheimer Institut für Integration und interreligiöse Arbeit

Dr. Christiane Kohler-Weiß
Abteilungsleitung Theologie und Bildung am Diakonischen Werk Württemberg, Stuttgart

Pfarrerin Claudia Krüger
Theologie und Bildung, Diakonisches Werk Württemberg, Stuttgart

Dr. Thomas König
Akademie der Diözese Rottenburg Stuttgart, Stuttgart

Dr. Thomas Mäule
Evangelische Heimstiftung, Stuttgart

Martin Priebe
freier Berater im Netzwerk Ethische Fallbesprechungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Stuttgart

Pfarrerin Monika Renninger
Leiterin des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof Stuttgart

Helke Ricker
Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V., Hannover

Dr. Gudrun Silberzahn-Jandt
Kompetenzzentrum Sozialpolitik; Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V., Stuttgart

Andrea Barbara Sprentzel
Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung, Sindelfingen

Kooperation

Eine Kooperationsveranstaltung des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof Stuttgart, der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, des Netzwerkes Ethische Fallbesprechungen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Evangelischen Akademie Bad Boll, der Evangelischen Heimstiftung Stuttgart und des Diakonischen Werks der evangelischen Kirche in Württemberg

Weitere Infos

Tagungsnummer

410720

Preis

95,00 € inkl. Verpflegung

Anmeldeschluss

15.10.2020

Zielgruppen

Pflegekräfte der Alten- und Behindertenhilfe, Ethikbeauftragte und Ethikmoderator_innen, Führungskräfte, Mitglieder von Ethik-Komitees, kooperierende Ärzt_innen sowie alle am Thema Interessierte.

Veranstalter

Evangelische Akademie Bad Boll

Ort

Hospitalhof Stuttgart

Schwerpunkttagung

  • Auf der Suche nach verbindlichen und verbindenden Werten
    Ethische Reflexion stärken in Lebenswissenschaften und Medizin

Themengebiete

  • Soziales, Gesundheit

Kontakt

Romona Böld

Tagungsorganisatorin

E-Mail an: romona.boeld@ev-akademie-boll.de

Tel.: 07164 79-347

Jetzt anmelden

Anmeldeschluss: 15.10.2020

Kontakt

Dietmar Merz

Dr. Dietmar Merz

Studienleiter

E-Mail an: Dietmar Merz

Tel.: 07164 79-235

Das Bild zeigt ein Portraitbild.

Romona Böld

Tagungsorganisatorin

E-Mail an: Romona Böld

Tel.: 07164 79-347

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