Akademie prüft Energiekozept

Kostenanstieg soll begrenzt werden – Berater spüren Einsparpotenziale auf

<p><em>Seit 2001 »erntet« die Akademie Sonnenstrom</em></p>

»Evangelische Akademien haben immer eine Vordenkerfunktion«, beschreibt Geschäftsführer Achim Ganßloser den Auftrag der Akademie Bad Boll. Das gelte auch für die Ökologie, die seit 25 Jahren einen Schwerpunkt in der Tagungsarbeit der weit über Württemberg hinaus bekannten Bildungseinrichtung darstellt. Doch das kirchliche Reden von der Bewahrung der Schöpfung muss auch durch glaubwürdiges Handeln untermauert werden, ist Ganßloser überzeugt. Eine wichtige Dimension des Umwelt-Engagements sei dabei ein »ressourcenschonendes Wirtschaften«, wozu für ihn nicht zuletzt ein sparsamer Umgang mit Energie zählt. Beim Strom ist vor allem die Küche der Akademie »Großabnehmer«, bei der Wärme sind es natürlich Heizung und Warmwasserbereitung. Auch wenn gespart wird: Das Wohlbefinden der jährlich rund 20.000 Tagungsgäste und der fast 150 Mitarbeitenden muss gesichert bleiben.

Das »Umwelt-Team« der Akademie hat in der Vergangenheit bereits eine ganze Reihe Maßnahmen auf den Weg gebracht, um Energie wirtschaftlich und umweltschonend zugleich zu nutzen. Bereits seit 1995 bezieht die Akademie Strom und Wärme hauptsächlich aus einem erdgasbefeuerten Blockheizkraftwerk (BHKW), das von einem Contractor betrieben wird. Für Toilettenspülung und Gartenbewässerung wird seit der Sanierung des Hauptbaues 1995 sowie der »Villa Vopelius« 2002 Regenwasser genutzt, um den Frischwasserverbrauch zu senken. Zu Demonstrationszwecken dient die 36-qm-Photovoltaikanlage auf dem Akademiedach. Durch Schritte wie die Einführung von abschaltbaren Steckerleisten in den Büros oder eine neue Lichtkonzeption sucht die Akademie den Verbrauch und die seit Jahren stetig steigenden Kosten zu begrenzen, die sich aktuell für Strom, Wärme, Wasser und Abwasser auf rund 250.000 Euro jährlich belaufen.

»Es gibt aber bestimmt noch Möglichkeiten, die wir selbst nicht sehen«, sagte sich Geschäftsführer Ganßloser und holte 2006 eine externe Energieberatung ins Haus, die unentdeckte kaufmännische wie technische Einsparpotenziale aufspürt. Die Firma BFE Institut für Energie und Umwelt (Mühlhausen bei Heidelberg) prüfte zunächst die Lieferverträge und Rechnungen. Dabei stellten sich für den Bereich Strom Fehlberechnungen heraus, die aufgrund von Verhandlungen seitens des Lieferanten korrigiert wurden – was immerhin fast 2.000 Euro im Jahr ausmacht.

Kaufmännische und technische Empfehlungen bringen Bares

Auf Empfehlung der Berater ist der Contractor des BHKW nun auch Betreiber der Heizzentrale und damit Wärmelieferant. Er profitiert als produzierendes Gewerbe von einem rabattierten Satz bei der Öko-Steuer auf Erdgas und gibt diesen Kostenvorteil von 2.000 Euro an die Akademie weiter. Im Gasliefervertrag ist auf Empfehlung von BFE auch eine Abschaltvereinbarung enthalten: Hat die Gasversorgung Filstal im Winter Versorgungsspitzen, kann der Heizungs-Betreiber in dieser Zeit auf Öl umstellen – der Versorger spart und räumt daher einen günstigeren Tarif ein. Einspareffekt hier: gut 4.300 Euro jährlich.

Die Berater nahmen außerdem den gesamten Gebäudebestand der Akademie technisch in Augenschein: Neben dem Altbau »Villa Vopelius« aus dem Jahre 1892 sind weitere Bauten in den 50er, 60er und 70er Jahren entstanden, zuletzt 2002 der neue Speisesaal »Symposion«. Gleich umgesetzt hat die Haustechnik die Empfehlungen für eine bessere Zeitsteuerung für die Zirkulationspumpe der Heizungsanlage und eine veränderte Taktung der Raumlüftung für Festsaal und großen Vortragsraum, was zusammen eine Entlastung von 1.800 Euro im Jahr bringt.

Neubau im Niedrigenergiestandard statt 50er Jahre-Bauten

Andere Vorschläge wie etwa eine optimierte Wärmedämmung von Rohrleitungen und Ventilen oder die Hydraulische Trennung der Dampferzeuger für Küche und Wäscherei wurden wegen des anstehenden Neubauprojekts durch die Akademie zurückgestellt: Die maroden Park- und Südflügel aus den 50er Jahren werden ab dem Frühjahr abgerissen und bis Ende 2009 durch ein Haus im Niedrigenergiestandard ersetzt. »Durch diesen Neubau sowie beginnende Sanierungen in Küche und Wäscherei muss das gesamte Konzept für die Energieversorgung ohnehin auf den Prüfstand«, sagt Achim Ganßloser, der auf eine deutliche Senkung des Wärmeverbrauchs von derzeit knapp 1.900 Megawattstunden (MWh) hofft. Wobei er sich im Klaren ist, dass durch 60 neue, alle mit Dusche ausgestattete Einzelzimmer der Bedarf an Warmwasser steigen wird.

In Bad Boll hat das Umwelt-Thema eine lange Tradition. »Wir haben bereits Ende der 80er Jahre begonnen, Energieverbräuche systematisch zu erfassen, Waren aus regionaler Herstellung und fairem Handel zu kaufen und den Müll zu trennen«, so Ganßloser. Von diesen Anfängen hat sich die Arbeit des »Umwelt-Teams« um Studienleiter Jobst Kraus und Hauswirtschaftsleiterin Ingrid Hess zum professionellen Umweltmanagement entwickelt, das 2003 – als eine der ersten kirchlichen Einrichtungen in Deutschland – nach der EMAS-Verordnung der Europäischen Union zertifiziert wurde. Inzwischen ist es um die Dimensionen Soziales und Ökonomie ausgebaut und zum Nachhaltigkeitsmanagement erweitert worden: Bei dem von der Kontaktstelle für Umwelt und Entwicklung (KATE) koordinierten Projekt »Sustainable Churches« war die Evangelische Akademie eine von 15 Piloteinrichtungen in Europa. Aktuell plant die Evangelische Akademie zusammen mit anderen Bad Boller Betrieben und heimischen Landwirten eine Biogasanlage, die künftig regeneratives Biogas statt fossiles Erdgas für das BHKW liefern soll.    (Thomas Krüger)

Die Evangelische Akademie Bad Boll wird getragen von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sie wurde 1945 als erste Einrichtung ihrer Art in Deutschland gegründet. Heute sind 15 Akademien im Verband »Evangelische Akademien in Deutschland« zusammengeschlossen. Jährlich finden in Bad Boll rund 350-400 Tagungen mit 20.000 Teilnehmenden statt. 135 Personen können beherbergt, 250 bewirtet werden. Für die Tagungen stehen drei große Säle sowie 17 größere und kleinere Gruppenräume zur Verfügung. Themenschwerpunkte sind »Internationale Beziehungen und nachhaltige Entwicklung«, »Wirtschaft, Arbeit, Technik«, »Politik, Recht, Gemeinwohl« und »Theologie, Kultur, Bildung«. Die Firma BFE Institut für Energie und Umwelt GmbH ist seit 1999 beiden großen Kirchen durch einen Rahmenvertrag verbunden und hat seither über 1000 Einrichtungen in diesem Bereich beraten.

Kontakt:

Evangelische Akademie Bad Boll, Achim Ganßloser, Tel.: 07164/79-250, achim.ganssloser@ev-akademie-boll.de

BFE Institut für Energie und Umwelt GmbH, Presseabteilung, Tel.: 06222/955-0, info@bfe-institut.com

Mehr zum Nachhaltigkeitsmanagement der Evangelischen Akademie Bad Boll

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