Debatte um nachhaltiges Wirtschaftswachstum

Evangelische Akademie Bad Boll: Michael Müller kritisiert politische Versäumnisse

Michael Müller (Foto: Naturfreunde Deutschlands e.V.)

Michael Müller hat in der Evangelischen Akademie Bad Boll eine Umgestaltung von Wirtschaft und demokratischem System gefordert. „40 Jahren hat man versucht, eine Wachstumspolitik der Kurzfristigkeit durchzusetzen. Jetzt spitzen sich die Fragen eines nachhaltigen Wirtschaftens in aller Härte zu. Die Kernfrage ist, wie eine Demokratie aussehen muss, die solche Fragen lösen kann“, sagte Müller, Mitglied im Präsidium des Deutschen Naturschutzrings und Experte in der Enquete-Kommission zu „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ am vergangenen Wochenende.

Tagung "Auswege aus der Wachstumsfalle"
Unter dem Titel „Auswege aus der Wachstumsfalle“ hatten die Evangelische Akademie Bad Boll und das europäische Wirtschafts- und Sozialnetzwerk „Church Action on Labour and Life“ (CALL) Fachleute und Interessierte eingeladen. Sie diskutierten, welche Wege es zu einem Wirtschaftssystem geben könne, dass nicht nur Wachstum, sondern auch Ziele wie den Erhalt natürlicher Ressourcen oder soziale Sicherheit verfolge.

Tragweite des Themas nicht unterschätzen
Michael Müller, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär, betonte, es sei nun an der Zeit, eine politische Ökonomie zu entwickeln, die die ökologischen Grenzen berücksichtigt und gleichzeitig soziale Gerechtigkeit schaffe. Das sei ein ungeheurer Transformationsprozess.
Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zu „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ dürfe die Tragweite des Themas nicht unterschätzen. Nachhaltigkeit sei das zentrale Lebensprinzip, das in allen Gesellschaftsbereichen umgesetzt werden müsse. Hoffnung schöpft Müller dennoch aus der aktuellen Diskussion: „Es bewegt sich endlich etwas.“

Neue Maßstäbe für Wohlstand

Roland Zieschank vom Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin forderte, neue Maßstäbe zur Messung von Wohlstand einzuführen. „Das Bruttoinlandsprodukt misst alles, nur nicht das, was das Leben lebenswert macht“, zitierte der Berliner Wissenschafter den US-Politiker Robert Kennedy, um das Defizit der bisherigen Wachstumskonzepte zu benennen. Das Problem sei, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Maßstab für Wohlstand in der Gesellschaft verstanden werde. Dabei würden viele gesellschaftliche Aktivitäten, die zur Wohlfahrt der Gesellschaft beitragen, nicht erfasst. Zieschank nannte als Beispiel die Familienarbeit oder ehrenamtliche Tätigkeiten. Dagegen würden Umweltschäden und Ressourcenabbau das BIP steigern. Der neu entwickelte Nationale Wohlfahrtsindex für Deutschland könne deshalb eine sinnvolle Ergänzung zum Bruttoinlandsprodukt sein.

Kirchen werben für anderen Lebensstil
Linn Marie Holberg, Umweltbeauftragte der Norwegischen Kirche, kritisierte eine Marktwirtschaft, die über ihre Verhältnisse lebe. Ziel sei eine Wirtschaft, die schonend und nachhaltig mit ihren Ressourcen umgehe. Zusammen mit Alison Jackson von der Methodistischen Kirche in Großbritannien warb sie dafür, die Maßstäbe der Konsumgesellschaft kritisch zu hinterfragen. Ein unbegrenztes Wachstum sei in einer begrenzten Welt nicht möglich.

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