Die Angst der Beschäftigten ernst ­nehmen

Der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt nimmt zum Anstieg der Arbeitslosigkeit Stellung und warnt vor einer Gefährdung des sozialen Friedens

<p><em>KDA-Vorsitzender Jens Junginger fordert, dass Verantwortungsträger Solidarität vorleben</em><br /><br /><h1>Zusatzinfos</h1>Abdruck honorarfrei. Bei Veröffentlichung Belegexemplar, bzw. Hinweis auf den Sendetermin erbeten!<br /><br />Dieser Text hat 2773 Anschläge (ohne Überschriften und Absätze); das entspricht etwa 69 Zeilen zu je 40 Anschlägen.</p>

Bad Boll / Kreis Göppingen - Hinter der wachsenden Zahl der Arbeitslosen stehen menschliche Schicksale und oft existenzielle Not. Daran erinnert der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA), ein Fachdienst der Evangelischen Landeskirche, in einer Stellungnahme zur jüngst veröffentlichten Arbeitslosen-Statistik.
Die am Dienstag (31.03.2009) vorgelegten Kennzahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen nach Ansicht des württembergischen KDA-Vorsitzenden Jens Junginger, dass die Wirtschaftskrise nun auch auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen habe. Damit wachse bei den Beschäftigen die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Mit der Regelung über Kurzarbeit und Qualifizierung seien zwar gute Instrumente geschaffen worden, die Talsohle einer geringen Auslastung zu überbrücken, erklärt Junginger. Doch werde die Situation mittlerweile von vielen Beschäftigten existenziell als bedrängend empfunden, da »kein Licht am Ende des finsteren Tals« zu erkennen sei.
Auch Beteuerungen, dass die Stammbelegschaften gehalten werden sollen, haben nach Ansicht Jungingers einen bedrohlichen Beiklang. »Im Kartext heißt das: Es gibt mittlerweile eine Einteilung in Beschäftigte erster und zweiter Klasse«. Damit, so Junginger, werde ein Keil in die Gesellschaft getrieben und der Erhalt des sozialen Friedens eher gefährdet als gefördert.
In der KDA-Stellungnahme wird weiter darauf hingewiesen, dass jeder vierte Zeitarbeitnehmer im Südwesten inzwischen seinen Arbeitsplatz verloren habe. »Die vielfach beschworene Flexibilität hat einen Pferdefuß«, erklärt Junginger, »denn mit einer Weitervermittlung sieht es in Krisenzeiten schlecht aus.« Dabei sei der befürchtete Absturz in Hartz IV oft gleichbedeutend mit einem Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben.
Junginger betont, dass Zahlen, Strategien und Arbeitsmarktinstrumente über die tatsächliche Lage und seelische Verfassung hinwegtäusche, in der sich Kurzarbeiter, Zeitarbeiterinnen und Jugendliche ohne Perspektive befinden. »Es sind Menschen, die merken müssen, dass ihre tatsächliche Situation gespürt und ernst genommen wird, Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche, die Transparenz erwarten und Ehrlichkeit.« Es räche sich, wenn man während der letzten Jahre von oben herunter Eigenverantwortung als Maßgabe für die Lebensgestaltung gefordert habe, in der Krise aber plötzlich Achtsamkeit und Solidarität verlange. »Das kann nicht verordnet werden,« erklärt Junginger, »es muss gelebt und vor allem vorgelebt werden, und zwar besonders von Verantwortungsträgern.«
Der KDA ist der Fachdienst der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für Fragen der Wirtschaft und Arbeitswelt. Dieser Fachdienst ist der Evangelischen Akademie Bad Boll angegliedert und mit Industrie- und Sozialpfarrämtern in Reutlingen, Stuttgart, Heilbronn und Ulm präsent.

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