Die Kirchen als Vermittler

Auf dem Podium (v. l.): Dr. Andriy Mykhaleyko, Stefan Kube, Dr. theol. Vladimir Chulap, Propst Siegfried Kasparick (© Claudia Mocek)

„Du sollst dir kein Bild machen…“: Bei der heutigen Fachtagung in Bad Boll stehen Fremdbilder und Stereotypen im interkonfessionellen Dialog mit den Ostkirchen im Mittelpunkt. Über die Kirchen in der Ukraine-Krise diskutierten am Vormittag Dr. Andriy Mykhaleyko, Priester der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine, Priester Dr. theol. Vladimir Chulap, Konrektor der Geistlichen Akademie St. Petersburg und Propst Siegfried Kasparick, Beauftragter der mitteldeutschen Landesbischöfin Ilse Junkermann für Reformation und Ökumene, Mitglied der Dialogkommission EKD - Russisch Orthodoxe Kirche.

Während der Maidanbewegung habe der Rat der Kirchen in der Ukraine – ein Zusammenschluss sämtlicher Kirchen – allein 18 Stellungnahmen abgegeben und darin zu Frieden aufgerufen, sagte Andriy Mykhaleyko: „Das zeigt eine interessante ökumenische Entwicklung und belegt die vermittelnde Position der Kirchen.“

Vladimir Chulap hob hervor, dass es ein großes Problem der orthodoxen Kirche in Russland sei, dass ihre Gläubigen auf beiden Seiten der Barrikaden standen: „Die orthodoxe Kirche ist in Zeiten der politischen Krise ein wichtiges Verbindungsglied.“ Er warnte davor, die Verbindungen zu den Kirchen abzubrechen.

Der Moderator des Gesprächs, der Leiter des Instituts Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West und Chefredakteur der Zeitschrift RGOW, Stefan Kube, fragte nach der Rolle der evangelischen Kirchen in Russland und der Ukraine. Zunächst hätten auch sie eine wichtige, vermittelnde Rolle bei der Maidan-Bewegung gespielt, schilderte Propst Siegfried Kasparick. Dann hätten sich jedoch Teile von ihnen radikalisiert: „Das macht es für die Kirche schwierig, ein Bindeglied zu sein.“

Die Unabhängigkeit der Ukraine bzw. ihre Zugehörigkeit zu Russland seien zwei historische Narrative, die sich gegenseitig ausschließen. „Heute ist es unpopulär über Versöhnung zu reden“, sagte Mykhaleyko, denn Russland sei für viele Menschen in der Ukraine wieder zum Feind geworden. Die positive Wahrnehmung zu Beginn der Maidan-Bewegung sei in Russland rasch umgeschlagen, berichtete Chulap. Aus Fremdbildern seien rasch Feindbilder geworden. Identische Fotomotive und Videos seien in den Medien völlig unterschiedlich interpretiert worden. Auf diesem Weg sei die Idee der Demokratie in den russischen Medien diskreditiert worden. Der Einschnitt sei groß gewesen und es brauche Zeit, um zu positiven Bildern zurückzukehren. „Es ist vor allem wichtig, dass wir lernen komplementär zu denken und nicht nur alternativ“, sagte Kasparick. 

Die drei Diskussionsteilnehmer waren sich einige darin, dass die Ukraine vor allem Zeit und Raum benötigt, damit sich das Land als handelndes Subjekt begreifen könne und nicht nur als Ziel der Interessen anderer Länder sehen würde.  

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