Fachtag: "Erziehung ist ein Menschenrecht"

Bad Boll. Das Thema des diesjährigen Fachtages des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden und der Stiftung gegen Gewalt an Schulen sollte eigentlich keines sein müssen – denn Erziehung ist etwas Selbstverständliches. Doch die Tatsache, dass sie heute Gegenstand zahlreicher Diskussionen auf Tagungen und ganzer Bibliotheken von Ratgebern ist, zeigt eine andere Realität.

Aus diesem Grund trafen sich Fachleute verschiedener Bereiche in Bad Boll. In seinem sehr  interessanten und informativen Eröffnungsvortrag schilderte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Autor des Buches „Helikoptereltern“, Josef Kraus, die Formen und Hintergründe von Gewaltverhalten an Schulen. Eine mögliche Lösung des Problems erkennt er in der Zusammenarbeit aller an Erziehung und Bildung beteiligten Akteure an „Runden Tischen“.

Eine andere Auffassung der Verhältnisse in Bezug auf Jugendgewalt vertrat Prof. Christian Pfeiffer, der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Er gab Entwarnung, „Jugendgewalt gehe in allen Bereichen zurück“. Den Grund dafür erkennt Pfeiffer in dem Verbot, Kinder körperlich zu züchtigen. „Mehr Liebe, weniger Hiebe“ lautet sein Credo, das er mit Zahlen aus empirischer Forschung belegt. Ergänzt wurde dieser Vortrag am Nachmittag von Dr. Dirk Baier, dem stellvertretenden Direktor des hannoverschen Forschungsinstituts, um die Dimension der Auswirkungen der Religiosität des Elternhauses auf die Gewalthaltigkeit der Erziehung. Deutlich schlecht schnitten im Vergleich, so das Ergebnis, die evangelisch-freikirchlichen Familien ab. 


Den Abschluss bildete der Blick in die Praxis der Mobbingintervention, den Franz Hilt, Leiter des Referats Prävention des AGJ Freiburg, der sehr interessierten Zuhörerschaft gewährte. So überzeugend wie die Banalität der Entstehung und die gravierenden Auswirkungen von Mobbing dargelegt wurden, so interessant war die Darstellung der Interventionsmaßnahmen in konkreten Mobbingfällen. Über einen Mangel an Anfragen kann sich Herr Hilt nicht beklagen, etwa 15 Anfragen in der Woche, allein im Raum Freiburg, sprechen dafür, dass das Problem gewalthaltigen Verhaltens und die Frage angemessener Erziehung doch noch nicht abschließend geklärt ist.

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