Spendensammler an Deutschlands ­Hochschulen brauchen langen Atem

Die Finanzlücke an den Unis lässt sich durch private Mittel nicht schließen, meint die Präsidentin der Hochschulrektoren­konferenz beim 5. Bad Boller Fundraising-Kongress

<p><em>Eine »glückliche Fügung« ist für die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Margret Winter­mantel, die Zusammen­arbeit mit der Evange­li­schen Akademie Bad Boll in Sachen Fundraising</em><br /><br /><p><h1>Zusatzinfos</h1>Abdruck honorarfrei. Bei Veröffentlichung Belegexemplar, bzw. Hinweis auf den Sendetermin erbeten!<br /><br />Dieser Text hat 4435 Anschläge (ohne Überschriften und Absätze); das entspricht etwa 110 Zeilen zu je 40 Anschlägen.<br /><br><b>Der Vortrag von Prof. Margret Wintermantel steht als <a href="http://ev-akademie-boll.de/fileadmin/res/audio/10-03-10_wintermantel.mp3" rtekeep="1">Audio­doku­ment zum Download und Nachhören</a> zur Verfügung.</b></p>

Bad Boll / Kreis Göppingen - Bislang werden in Deutschland lediglich neun Prozent der Hochschulaufwendungen aus privaten Mitteln finanziert. In den USA liegt der Anteil bei 55 Prozent, in Asien bei 60 Prozent. Auch im europäischen Vergleich liegt Deutschland unter dem Durchschnitt. Darauf machte die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Dr. Margret Wintermantel, zum Auftakt des 5. Fundraisingkongresses (8.3.2010) in der Evangelischen Akademie Bad Boll aufmerksam.
Zugleich prognostizierte sie einen wachsenden Finanzbedarf der Hochschulen. In den kommenden fünf Jahren sei damit zu rechnen, dass jährlich bis zu 450.000 junge Leute ein Studium beginnen wollen, während es zu Beginn der 90er Jahre nur 270.000 Studienanfänger waren. Dabei seien die Ausgaben je Studierendem in den letzten 30 Jahren real um 20 Prozent zurück gegangen. Margret Wintermantel zitierte den Wissenschaftsrat, demzufolge den Hochschulen jährlich 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt werden müssten, um einen Betreuungsschlüssel zwischen Studierenden und Lehrenden zu realisieren, der eine erfolgreiche Umsetzung der sog. Bologna-Reform erlaubt.
Vor diesem Hintergrund hält es die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz für nicht realistisch, dass die Finanzlücke im Hochschulbereich durch Spenden- und Sponsorenmittel behoben werden kann. »Selbst wenn es zu einer Verdoppelung oder Vervierfachung der Mittel käme, blieben die Anteile an der Gesamtfinanzierung bescheiden«, sagte sie in der Evangelischen Akademie Bad Boll.
Dennoch sprach sie sich dafür aus, den privaten Finanzierungsanteil konsequent auszuweiten. In diesem Zusammenhang bekräftigte Margret Wintermantel, dass die Erhebung von Studiengebühren in den beteiligten Ländern zu einer tatsächlichen Verbesserung der Finanzsituation im Bereich der Lehre geführt habe. So sei der Umfang der Hochschuleinnahmen durch Beiträge von 387 Millionen Euro im Jahr 2006 auf über eine Milliarde angewachsen. Bedauernd stellte sie fest, dass dieser Betrag nach dem Verzicht einiger Länder auf Studiengebühren allerdings wieder rückläufig sei.
Nach Einschätzung der Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz hat sich an Deutschlands staatlichen Hochschulen bis heute keine Fundraising-Kultur entwickelt. Dennoch seien bedeutende Fortschritte zu verzeichnen. Vor 20 oder 30 Jahren sei es den Hochschulen wie einer nachgeordneten Behörde wegen des kameralistischen Rechnungswesens gar nicht erlaubt gewesen, eigene Einnahmen zu erwirtschaften. Inzwischen sei es geradezu zum staatlichen Auftrag geworden, sich um private Mittel zu bemühen.
Lohnend sind ihrer Meinung nach besonders Aktivitäten, die für das Profil und die Wettbewerbsfähigkeit einer Hochschule von Bedeutung sind, sich aus den knappen Haushaltsmitteln aber nicht finanzieren lassen. Es gehe dabei nicht um den Normalbetrieb, sondern vornehmlich um das »Besondere«, wie etwa die Sanierung alter Gebäude, die Einrichtung einer Stiftungsprofessur oder die Organisation von Veranstaltungen mit hohem Öffentlichkeitswert.
Gleichwohl verwies Wintermantel darauf, dass auch die Entwicklung einer »echten« Fundraising-Infrastruktur Geld kostet und es angesichts einer »allgegenwärtigen Streichungsmentalität« überzeugender Argumente bedarf, entsprechende Abteilungen einzurichten: »Aufbau an einer Stelle bedeutet eben fast immer, Abbau an einer anderen.« Eine Unterstützung bei diesen Aktivitäten wünscht sie sich deshalb auch von staatlicher Seite. Vor allem sollten Anreize entwickelt werden, damit mehr private Gelder in die Kassen fließen. Eine Steigerung der steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden und Einzahlungen in Stiftungen wäre ihrer Meinung nach dafür eine geeignete Maßnahme.
Die Evangelische Akademie Bad Boll veranstaltet seit 2002 im Zweijahres-Rhythmus Tagungen, die sich mit dem Fundraising für Hochschulen befassen. Zwischen den Anfängen und der nunmehr fünften Veranstaltung liegen nach Ansicht von Akademie-Studienleiterin Dr. Irmgard Ehlers »Welten«. An die Stelle der anfänglichen Neugier sei inzwischen eine Praxisphase getreten. Ein Drittel der Universitäten und Hochschulen in Deutschland beschäftigten inzwischen eigene Fundraiser. Kooperationspartner der Bad Boller Fundraising-Konferenzen ist u. a. die Hochschulrektorenkonferenz. Deren Präsidentin Prof. Margret Wintermantel bezeichnete diese Partnerschaft als eine »glückliche Fügung« für die Fundraising-Kompetenz an den Hochschulen. (-uw)

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